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Stargate Atlantis und der Kampf um den Ring



 
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Selana
Schreiberling



Anmeldungsdatum: 20.09.2007
Beiträge: 179
Wohnort: Schwäbische Alb

BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 09:37    Titel: Stargate Atlantis und der Kampf um den Ring Antworten mit Zitat

Titel: Abenteuer in Mittelerde
Autor: Selana
Rating: PG-13
Inhalt: Crossover zwischen Stargate Atlantis und Herr der Ringe. Sheppard und sein Team verschlägt es nach Mittelerde. Um wieder nach Hause zu kommen, müssen sie das Aure finden, einen mystischen Gegenstand. Auf ihrer Reise durch Mittelerde begegnen sie Korsaren, einem Nazgûl, Orks und anderen seltsamen Gestalten. Unterstützung erhalten sie von einigen Bewohnern Mittelerdes, von denen einige im späteren Ringkrieg noch eine große Rolle spielen werden.
Charaktere: Sheppard, Rhiana, Teyla, McKay und Ronon. Sowie Galadriel, Haldir, Boromir, Faramir, Gandalf und Aragorn und einige andere Bewohner aus Mittelerde.
Disclaimer: Stargate Atlantis und SG-1 und alle Stargate Charaktere sind Eigentum von MGM/UA, Double Secret Productions, Gekko Productions und dem SciFi Channel. Herr der Ringe und alle seine Charakter gehören Professor Tolkien und seinen Nachfolgern. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.


So hier nun der 1. etwas längere Teil, damit ihr euch einlesen könnt. Aber wenn sich keiner mit Feedback meldet, werde ich nicht weiter posten.



1. MITTELERDE, NEUN JAHRE VOR DEM RINGKRIEG


Einsam kreiste der Ring im Orbit des Planeten. Da begannen einige Symbole an dem Ring aufzuleuchten und ein weißblaues Flimmern und Wabern bildete sich innerhalb des Ringes, ähnlich den Wellen im Ozean. Die Wellen schossen heraus, zogen sich zurück und füllten den Ring vollständig aus. Doch seltsamerweise floss die Sturzflut nicht heraus und verlor sich in den Weiten des Weltraums, sondern blieb im Kreis stehen, begleitet von einem ständigen Wabern und Fließen.

Dann schoss ein kleines Raumschiff daraus hervor. Die Adresse des Planeten hatte das Team aus Atlantis der Datenbank der Antiker entnommen. Der Umstand, dass er aus der Datenbank gelöscht worden war, hatte sie aufmerksam werden lassen. Dr. McKay hatte die Adresse durch Zufall rekonstruiert. Sofort vermuteten sie, dass es vielleicht ein geheimer Stützpunkt der Antiker war.

Deshalb hatte Dr. Weir die Genehmigung für das Unternehmen erteilt. Vielleicht fanden sie einen intakten Stützpunkt oder wenigsten ein weiteres ZPM.

Sheppard hatte den Bildschirm aktiviert und scannte den Planeten. Die Enttäuschung war groß, denn sie fanden keine Daten, die auf eine höhere Zivilisation, geschweige denn auf einen Stützpunkt der Antiker schließen lies.

„Ich erkenne aber die Lebenszeichen vieler Lebewesen“, sagte Sheppard. „Keine technische Zivilisation allerdings.“

„So schnell geben wir nicht auf“, meinte McKay, der seine Enttäuschung kaum verbergen konnte. In Gedanken hatte er sich schon ausgemalt, was sie alles finden würden. „Umrunde den Planeten. Vielleicht ist der Stützpunkt auf der anderen Seite oder unter der Erde.“

Natürlich dachte Sheppard nicht daran, so schnell aufzugeben. Er umflog den Planeten mehrmals in immer anderen geometrischen Kreisen. Doch das Ergebnis blieb immer gleich. Kein Stützpunkt der Antiker.

Sheppard wollte den Bildschirm schon enttäuscht abschalten, als ihm etwas auffiel. „Rodney, sieh dir das mal an.“

Er zoomte den Bildschirm auf die entdeckte Stelle, und McKay machte sich sofort daran es genauer zu untersuchen. „Das muss ein Kraftfeld, ein Energiefeld oder so was Ähnliches sein. Es umschließt den ganzen Planeten.“

„Was bedeutet das?“, fragte Ronon.

McKay sah sie bedeutsam an. „Es könnte sein, dass unsere Sensoren von dem Feld getäuscht werden. Es soll Leute wie uns davon abhalten, den Planeten näher zu untersuchen. Doch um einen McKay zu täuschen, müssen sie schon früher aufstehen.“

Ronon wollte schon einwenden, dass es Sheppard gewesen war, dem das Feld aufgefallen war, als Teyla ihm zuvorkam.

„Aber der Colonel hat das Energiefeld doch entdeckt“, meinte Teyla. „Und damit ist es in meinen Augen nicht gut versteckt.“

„Nein“, widersprach Sheppard. „Das Feld haben wir nur mit den Antikersensoren entdeckt. Ohne diese hochentwickelte Technik hätten wir es glatt übersehen.“

„Dann gehen wir runter und scannen den Planeten in der Atmosphäre“, schlug McKay vor.

„Ist das Feld auch ungefährlich?“ erkundigte sich Sheppard.

„Natürlich ist es ungefährlich!“, empörte sich McKay.

„Darf ich dich daran erinnern, dass wir das schon einmal dachten, und dann von so einem ungefährlichen Feld heruntergeholt wurden? Und diesmal ist es ein Planeten umspannendes Kraftfeld. Wenn wir unten sind, gibt es kein zurück.“

„Dieses Feld ist ganz anders aufgebaut, als auf dem Planeten der Kinder. Ich garantiere dafür, dass nichts passiert“, versprach McKay.

Sheppard sah ihn nochmals zweifelnd an, steuerte den Jumper aber auf die Atmosphäre zu. Rodney schien recht zu behalten, denn es passiert nichts. So fing John an zu scannen. Plötzlich fing der Jumper an zu bocken und der Antrieb schaltete sich aus. Sheppard drückte hastig einige Schalter und Knöpfe und dachte intensiv daran, den Antrieb wieder einzuschalten.

Er schaffte es auch, den Antrieb wieder hochzufahren, doch nur für etwa drei oder vier Sekunden, dann ging der ganze Zauber von vorne los. John hatte keine Zeit Rodney Vorwürfe zu machen, sondern musste seine ganze Kraft auf das Fliegen verwenden. Das Raumschiff flog inzwischen in einer Höhe von drei Kilometern, in den Weltraum hinauf würde er es deswegen nie schaffen. Also blieb nur die Oberfläche.

„Alle hinsetzen und festschnallen! Wir gehen runter!“

Sheppard ging in einen Art Gleitflug über. Vor ihm tauchte ein gewaltiges Gebirgsmassiv auf, links ein großes Waldgebiet. Beides war nicht gut für eine Notlandung. Vor sich sah er eine stattliche Lichtung auftauchen. Die erschien ihm groß genug für die Notlandung.

Inzwischen war er nur noch etwa hundert Meter über dem Boden. Der Gleitflug funktionierte noch. Die Geschwindigkeit hatte er auch verringern können. Die Lichtung lag nun vor ihm. Auf der großen Wiese bekam der Jumper ersten Bodenkontakt. Sie rasierten die Grasfläche ab, doch das hoch Gras dämpfte auch den Aufprall. Trotzdem gab es noch einen gewaltigen Stoß, als sie den Boden berührten und noch meterweit über die Wiese rutschten, bis sie endlich zur Ruhe kamen.

„Meine Güte, John! Das war die beste Bruchlandung, bei der ich bisher dabei war.“

Sheppard wusste nicht, ob er diese Worte von Rhiana als Kompliment auffassen sollte oder nicht. Er probierte seine Knochen durch, doch er schien sich nichts gebrochen zu haben.“
„Ist jemand verletzt?“, fragte er.

„Nein, alles Heil!“

„Nichts verletzt!“

„Bin in Ordnung!“

„Fast hättest du uns umgebracht!“, beschwerte sich McKay.

Sheppard bedachte ihn mit einem so bösen Blick, dass McKay die nächste Beschwerde im Hals stecken blieb. „Das war nicht meine Schuld!“, rief er.

„Hast du uns nicht hoch und heilig versichert, dass alles in Ordnung ist?“, mischte sich Ronon ein.

„Schon gut, keine Vorwürfe und Beschuldigungen mehr“, sagte John. „Rodney, schwing deinen Hintern hinter die Konsolen und sieh nach, ob mit dem Jumper alles in Ordnung ist.“

McKay beeilte sich zu verschwinden, denn Ronons Blick war noch mörderischer, als der von Sheppard. Und es war besser, Ronon nicht zu sehr zu verärgern.

Während sich McKay den Jumper ansah, gingen die anderen nach draußen. Ihre Spur war nicht zu übersehen. Es war wirklich ein fliegerisches Meisterstück gewesen, den Jumper so präzise herunterzubringen.

„Hier funktioniert gar nichts mehr!“, hörten sie Rodney rufen.

John kehrte in den Jumper zurück, während Teyla, Ronon und Rhiana sich etwas umsahen.
„Was ist los?“, fragte der Colonel.

„Eigentlich müsste alles in Ordnung sein, doch nichts funktioniert. Es ist, als hätte jemand den Strom abgestellt.“

John erstarrte. „Vielleicht ist es so?“

„Du meinst?“

„Ja, doch so ein Feld wie bei den Kids“, meinte John. „Der Antrieb versagte ohne Grund und ohne vorherige Anzeichen. Er fiel einfach aus.“

Rodney holte seinen Handscanner heraus. „Funktioniert auch nicht.“

„Was ist mit unseren Waffen?“

„Sheppard!“, Ronon alarmierender Ruf ließ ihn nach draußen eilen. Dort blieb er wie angewurzelt stehen. McKay, der ihm gefolgt war, konnte nicht mehr abbremsen und lief auf ihn drauf. Während Rodney einen empörtes „Au“ von sich gab, achtete John nicht darauf.

Auf der Wiese stand eine ganze Anzahl gefährlich aussehender Gestalten, die drohend Pfeil und Bogen, Speere und Schwerter auf Ronon, Teyla und Rhiana gerichtet hatten.

Sie sahen alle auf den ersten Blick gleich aus: gekleidet in lange weiße Gewänder, mit langen blonden Haaren, groß, schlank und gutaussehend.

Einer hob jetzt die Hand und sagte: „Mae govannen. Im Haldir!“

„Das ist eine etwas altertümliche Form des Antikischen“, flüsterte Rhiana John zu.

„Du verstehst es?“

„Ja, ich werde mit ihnen reden.“

Rhiana trat vor. „Aiya! I Rhiana! Hen i John Sheppard, Teyla, Ronon, Rodney McKay .”

Das Gespräch von Rhiana und dem Fremden schien freundschaftlich zu verlaufen, auch wenn die anderen kein Wort verstanden.

Schließlich wandte sich Rhiana ihnen zu. „Sie leben im Wald vor uns. Normalerweise dulden sie keine Fremden in ihrem Reich, aber ihre Herrin hat unsere Ankunft vorausgesehen und sie wollen uns zu ihr bringen. Ich glaube, es ist besser, wir tun, was sie sagen.“

„Na schön, wie es aussieht, haben wir auch keine andere Wahl“, meinte Sheppard.

„Wir müssen aber unsere Waffen hier lassen.“

„Nein.“

„Haldir meint, dass sie sowieso nicht funktionieren.“

„Was?“, John nahm seine Pistole heraus und richtete sie in die Höhe. „Sag ihm, dass es harmlos ist und ich sie nur ausprobieren will.“

„Sie funktioniert nicht“, meinte der Fremde, der nur lächelnd zugesehen hatte.

Überrascht sah John ihn an. „Du sprichst unsere Sprache?“

„Wir Elben können vieles“, meinte er.

„Elben?“

„So wird unser Volk genannt. Ich bin Haldir.“

„Erlaubst du also?“, John zeigte auf die Waffe.

Haldir nickte nur wissend. Als John auf den Abzug drückte, passierte nichts. Er drückte noch einmal ab und wieder passierte nichts. Sheppard steckte die Waffe weg und holte die Betäubungspistole heraus, aber auch diese versagte, genauso wie die P-90er. Somit waren sie waffenlos.

„Das Fluggefährt der Vorfahren könnt ihr stehen lassen. Niemand wird es berühren oder stehlen. Dafür verbürgen wir uns. Folgt mir bitte!“

Haldir machte eine knappe Verbeugung und ging voran. Widerstrebend gingen die Atlanter hinter ihm her. Sie wurden von den übrigen Elben eskortiert, von denen alle aber nur freundlich auf sie blickten. Anscheinend waren sie wirklich friedfertig.

Es ging auf ausgetretenen Wegen in den Wald hinein. Es war ein lichter und lieblicher Wald, sehr gepflegt mit sorgfältig gesäuberten Wegen. Auf und ab ging es, und schließlich blieben sie auf einem kleinen Hügel stehen. Vor ihnen war eine weitere Lichtung und darauf stand der gewaltigste Baum, den die Atlanter je gesehen hatten.

„Caras Galadhon, das Heim unserer Herrin Galadriel und ihres Gatten Celeborn“, erklärte ihnen Haldir. „Dies ist nur ein schwacher Abglanz des alten Caras Galadhon, das am Ende des Ersten Zeitalters aufgegeben wurde. Es sind Mallorn-Bäume, der größte noch existierende Hain in Mittelerde. Die Wohnstätten unseres Volkes sind in dem Hain gebaut.“

Als sie näher kamen, sahen sie erst, wie riesig der Hain war. Es waren etwa vier bis sechs der Riesenbäume. Die Mallorn besaßen eine silbrig glatte Borke mit goldenen, büschelartigen Blüten. Viele Blüten waren schon abgefallen und bildeten unter den Bäumen einen goldenen Teppich. Die Blätter waren oben mattgrün und unten silbrig. Sie gleißten im Licht der Sonne. Der Stamm teilte sich unterhalb der Spitze in eine Krone, wo einige Häuser standen. Auch auf den anderen Bäumen waren Häuser zu sehen.

„So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen“, flüsterte Teyla begeistert, als sie auf Leitern und über Treppen nach oben stiegen. Überall waren Lichter aufgehängt und leise singende Stimmen waren zu hören.

Alle anderen konnten ihr nur stumm zustimmen, während sie sich fasziniert umsahen. Schließlich blieben sie am Fuße einer kleinen Treppe stehen. Eine Frau kam, nein, schwebte nach unten. Anders konnte ihr Gang nicht bezeichnet werden. Sie war die schönste Frau, die die Atlanter je gesehen hatten. Ihre langen blonden Haare glänzten im Schein der Sonne, ihr weißes Gewand war mit Goldfäden verziert und in ihrem Haar waren winzige schimmernde Perlen geflochten.

Ihr Blick ruhte einen Augenblick auf jedem von ihnen und niemand konnte sich ihrem Bann entziehen. „Willkommen in Lothlórien, Reisende von den Sternen. Ich bin Galadriel.“

Der Klang ihrer Stimme bannte sie und John spürte, dass sie jeden seiner Gedanken lesen konnte. Doch wäre ihm das bei jedem anderen unangenehm gewesen, so schien dies bei dieser Frau das normalste auf der Welt zu sein.

Da ging John auf, was sie gesagt hatte. „Sie wissen, woher wir kommen?“

„Natürlich! Nichts ist mir verborgen. Meine Gabe ist die der Vorhersehung. Ich wusste schon längst, dass ihr kommt. Normalerweise ist es verboten, in Mittelerde zu landen. Jeder sollte das wissen, denn dies ist ein Zufluchtsort. Kein Gerät der Alten funktioniert hier, und das aus gutem Grund. Einst wurde Mittelerde als Zufluchtsort für diejenigen geschaffen, die noch nicht aufgestiegen waren oder die noch eine Bedenkzeit brauchten. Hier lebten sie tausende Jahre in Frieden und in Sicherheit vor allen Feinden. Dann fanden die Verlorenen, die sich selbst die Orii nennen einen Weg nach Mittelerde, und es entbrannte ein Kampf mit dem Mächtigsten der Ori, mit Melkor. Den vereinten Armeen der Elben, Menschen und Zwerge gelang es, Melkor zu schlagen. Er wurde in eine Ebene jenseits unserer Existenzebene verbannt und das Kraftfeld um den Planeten erneuert. Doch Sauron, einem Diener Melkors, gelang es in Mittelerde zu bleiben. Als Sauron sich stark fühlte, versuchte er die Macht über Mittelerde an sich zu reißen. Ein neuer Krieg entbrannte, der vor einigen Tausenden von Jahren erneut von unserm Völkerbund gewonnen wurde. Sauron wurde verbannt, doch nun gewinnt Sauron neue Kräfte, und die meisten meines Volkes sind inzwischen aufgestiegen. Die Einheit der Menschen, Zwerge und Elben besteht nicht mehr. Ich fürchte, es wird der letzte Kampf um Mittelerde werden. Danach werden auch die letzten meines Volkes aufsteigen. Das ist aber nicht euer Kampf. Ich sah zwar euer Kommen, doch der Grund dafür ist mir verborgen.“

„Es war ein Unfall, dass wir landetet“, sagte Sheppard. „Wir würden gerne wieder gehen, doch die Technik des Jumpers funktioniert wegen dem Kraftfeld nicht. Könnt ihr uns nicht helfen?“

„Ich fürchte nein, denn auch meine Kräfte versagen hier. Doch es gibt einen Gegenstand, der euch von hier weg bringen kann: das Aure. Es wurde dafür geschaffen, trotz des Schutzschildes zu funktionieren. Wir haben jedoch keine Verwendung dafür, wissen aber, wo es ist, leider viele Tagesreisen entfernt von hier.“

„Aber es ist der einzige Weg, um hier weg zu kommen?“, vergewisserte sich Sheppard.

„Ja, das ist er.“

„Dann müssen wir gehen. Auch wenn es Wochen dauert.“

„Da ist noch etwas, dass ihr wissen müsst. Hier vergeht die Zeit schneller als draußen. Ein Monat außerhalb des Feldes entsprechen hier zehn Monaten.“

„Schon wieder so etwas!“, meinte Sheppard. „Also, wie finden wir das Aure.“

„Ihr müsst über den großen Fluss bis zum Meer reisen. Von dort sind es nochmals ein bis zwei Wochen an der Küste entlang. Bis zum Meer könnt ihr einigermaßen sicher reisen, doch danach ist es Feindesland. Deshalb werde ich euch Ersatz für die Waffen geben, gute Rüstungen und Zahlungsmittel.“

„Warum machen Sie das?“, wollte John wissen.

Galadriel legte ihm die Hand auf die Stirn. „Du bist einer meines Volkes, einer der Nachkommen, die entschieden Menschen zu bleiben. Ihr alle seid von meinem Volk. Und wie einer deines Volkes in Mittelerde, hast auch du bei deinen Leuten eine Bestimmung. Du musst zurückkehren. Doch nun, ruht euch aus. Morgen werden wir euch ausrüsten und Haldir wird euch bis nach Gondor als Führer dienen. Danach müsst ihr sehen, wie ihr alleine zurechtkommt.“

„Wie Sie wünschen.“

Die anderen hatten bisher schweigend zugehört. Jetzt ergriff Rodney das Wort. „Madame! Was ist das Aure?“

Galadriels Blick lag prüfend auf Rodney, doch dann stahl sich ein Lächeln über ihr Gesicht. „Du bist einer der Ungeduldigen, einer der meint alles besser zu können, als andere. Doch höre: Auch du wirst deine Grenzen erkennen müssen. Das Aure ist, was es ist. Sucht es und wendet es weise an, dann erkennt ihr auch seine Bedeutung.“

„Ja, klar!“, brummte Rodney vor sich hin. „Warum klare Antworten bekommen, wenn es unverständlich geht.“

John stieß ihn an. „Halt die Klappe, Rodney!“

Galadriel warf noch einmal jedem einen Blick zu und ging dann davon. Haldir winkte ihnen zu. Er wies ihnen Schlafplätze an und ließ ihnen zu essen bringen, was Rodney sofort wieder versöhnlicher stimmte.

Am anderen Morgen kam Haldir nach einem ausgiebigen Frühstück zu ihnen. „Folgt mir.“

Sie kletterten den Baum hinunter und gingen unter den Bäumen hindurch bis zu einem kleinen Flüsschen. Dort lagen drei größere Ruderboote vor Anker. Auf einer kleinen Plattform stand ein Häuschen. Dahin führte sie Haldir. „Hier liegt eure neue Bekleidung. Eure bisherigen Sachen müsst ihr hier lassen. Meine Leute werden sie zu eurem Luftgefährt bringen. Dafür zieht das an.“

Er gab jedem von ihnen die neue Bekleidung, die von den fünf erst etwas skeptisch gemustert wurden. Es waren leichte Rüstungen, dazu für jeden Pfeil und Bogen mit einem Schwertgürtel.“

„Könnt ihr damit umgehen?“

„Ja!“, sagten John, Teyla, Ronon und Rhiana gleichzeitig.

„Nein, was glaubt ihr denn? Ich bin Wissenschaftler und kein Krieger“, protestierte McKay.

Haldir bedachte ihn mit einem kurzen kritischen Blick, doch es war kein Spott in seiner Stimme, als er sagte: „Das ist keine Schande. Viele meines Volkes haben eine Abneigung gegen die Waffen und beschäftigen sich lieber mit den schönen Künsten. Dann musst du dich an deine Freunde halten.“

„Das macht er sowieso immer“, meinte John lächelnd. „Keine Sorge, Rodney, bleib einfach bei uns, dann kann dir nichts passieren.“

McKay machte kein begeistertes Gesicht, aber er ging hinter einen Vorhang, um sich umzuziehen. Die anderen machten es ihm nach.

Sheppard begutachtete erst einmal seine neue Bekleidung. Sie bestand aus einer Hose und einem Hemd aus feinem weichem dunklem Leder, darüber ein Kettenhemd, das seinen Oberkörper schützte. Dieses schien aus festen Silberplättchen hergestellt worden zu sein. Eine wunderschöne Arbeit, fein und doch kaum zu durchdringen. Dazu leichte Stiefel aus feinem Leder und ein leichter grünschimmernder Umhang mit Kapuze.

Der Gürtel war aus dickem Leder und daran war eine grüne Schwertscheide befestigt, die oben mit einem breiten Streifen gesichert war. Das Schwert war groß, aber leicht zu handhaben. Dazu gehörte ein leichter Schild. Dann noch ein großer biegsamer Bogen mit einem mit Pfeilen prallgefüllten Köcher. Er zog alles über und stellte fest, dass es sehr leicht und bequem war.

Er trat hinter dem Vorhang hervor und sah Rhiana, die ähnlich bekleidet war. Sie trug nun einen knielangen Rock, gefertigt aus den feinen silbernen Kettengliedern, aus der auch seine Rüstung bestand. Die Füße steckten in Schuhen aus feinstem Leder, die bis zum Rock hoch geschnürt waren. Dazu kam ein feines Kettenhemd und darüber eine Rüstung aus festen Silberplatten, die ihren Oberkörper schützte. Ein breiter Gürtel umspannte ihre schmalen Hüften, daran war ein Schwert in einer Scheide befestigt. Auch sie bekam einen Bogen, einen Köcher mit Pfeilen, sowie einen kleinen Schild. Teylas Bekleidung sah gleich aus, und die Bekleidung von Ronon und McKay wie seine.

„Mann, so kann ich doch nicht rumlaufen“, meinte McKay weinerlich. Als er einen Schritt nach vorne machte, stolperte er fast über seine Schwertscheide.

„Ich glaube er hat recht“, meinte Haldir lachend. Er nahm Rodney den Gürtel mit dem langen schweren Schwert ab und gab ihm dafür einen mit einem Kurzschwert. „Es ist für Hobbits gemacht, aber für dich wohl praktischer.“

Rodney stimmte ihm zu, auch wenn er nicht wusste, was Hobbits waren. Pfeil und Bogen gab er auch ab. Damit konnte er sowieso nicht schießen. Das Schwert musste ihm genügen. Er würde sich einfach an Sheppard, Ronon und die Frauen halten.

Die anderen bewunderten sich noch kurz in ihren neuen schicken Sachen, dann wurden sie von Haldir unterbrochen. „Es wird Zeit. Kommt!“

Er führte sie zu den Booten hinunter. Dann gab er jedem eine Karte. „Hier ist der Weg eingezeichnet. Erst geht des den Silverfluss entlang, der in den Anduin mündet. Auf diesem fahren wir bis zu den Rauros-Fällen. Dann sind wir in Süd-Ithilen, das zum Reich von Gondor gehört. Ab dort müssen wir mit Orkangriffen rechnen. Dann geht es weiter den Anduin hinunter bis nach Osgiliath, vorbei an Minas Tirith, bis nach Pelargir. Dort müsst ihr euch ein größeres Schiff kaufen, mit dem ihr das Meer befahren könnt. Ihr fahrt entlang der Küste des Landes der Haradrim, vor denen ihr euch in acht nehmen müsst, denn sie sind Feinde der Gondorianer. Und sie werden euch für Gondorianer halten. Also meidet das Land. In Umbar müsst ihr aber an Land gehen und Vorräte einkaufen. Dann segelt ihr weiter an der Großen Öde vorbei, bis ihr hier an Land gehen müsst. Dort stehen die großen Statuen der Elbenkönige. Dort ist das Aure. Dann müsst ihr den gleichen Weg zurückfahren. Wenn alles gut geht, seid ihr in zirka vier bis sechs Wochen wieder hier.“

„Vier bis sechs Wochen? Seid ihr alle wahnsinnig geworden?“, Rodney konnte es nicht fassen.

„Dann brechen wir am besten gleich auf“, meinte John. „Rodney, du kannst hier bleiben und auf uns warten. Die Elben werden dich sicher gerne so lange aufnehmen.“

„Wenn Rodney es wünscht, dann gerne“, bestätigte Haldir.

„Nein, ich kann euch doch nicht im Stich lassen.“

So brachen sie auf. Haldir würde sie bis Gondor begleiten und dann konnten sie sich vielleicht einen Führer suchen, der sie bis an ihr Ziel bringen würde. Jeweils zwei setzten sich in ein Boot, und in der Mitte legten sie den von den Elben bekommenen Proviant, hauptsächlich etwas, dass Lembasbrot genannt wurde. Es sah aus wie harter Zwieback, sättigte aber ungemein.

Denn ganzen Tag fuhren sie den Silberfluss hinunter. Rhiana und John saßen im mittleren Boot. Haldir und Rodney saßen im ersten und Ronon und Teyla im letzten Boot. Am Abend erreichten sie die Mündung des Flüsschens, wo sie ihr erstes Nachtlager aufschlugen.


Auf dem Anduin

Am anderen Morgen fuhren sie den Anduin hinunter. Haldir erklärte ihnen, dass dies der größte Fluss in Mittelerde war. Die ersten drei Tage legten sie so etwa 100 Kilometer zurück. Es war eine eintönige menschenleere Ebene, auf der kaum was zu sehen war. Auch Menschen siedelten hier nicht mehr. Am Morgen des vierten Tages änderte sich die Landschaft. Der Anduin machte nun eine große Schleife und bog dann in ein hügliges Land hinein.

Haldir nannte es die nördliche Biegung, die Hügel die Brauen Lande. Nun fuhren sie durch hohe Schluchten, die Hänge gingen bis dicht ans Wasser heran und ließ kaum eine Landung der Boote zu. Der Fluss machte einen neuen großen Bogen und das Wasser wurde reissender. Das hatte den Vorteil, dass sie schneller vorankamen und nicht mehr so viel Paddeln mussten.

Haldir erklärte, dass sie weiter unten um einige Stromschnellen herumlaufen mussten, weil sie unpassierbar waren. Doch im Moment ging es noch, und so fuhren sie bis tief in die Nacht hinein, bis sie zu der südlichen Biegung kamen. Hier wurden die Hügel niedriger und sie konnten die Boote an Land ziehen und eine Ruhepause einlegen.

Bis hierher war die Fahrt gefahrlos verlaufen. Haldir versicherte ihnen, dass dies auch so bleiben würde bis zur Grenze von Gondor. Doch ab da bestand dann die Gefahr von Orks überfallen zu werden. Orks waren hässlich aussehende Kreaturen, die aus dem Schattengebirge kamen und das Land von Ithilien verwüstet hatten. Sie bedrängten die Gondor-Menschen und vertrieben die Bewohner. Zwar patrouillierten die Ritter von Gondor durch das Land, aber sie konnten nicht überall sein.

Am anderen Tag erreichten sie ein neues Gebirge, die Emyn Muil. Auch hier waren die Wände der Schluchten hoch und reichten oft bis ans Wasser. Erst bei den Argonath, riesige Statuen zweier Könige der alten Númenorer würden sie rasten können. Hinter den Argonath lagen die Raurosfälle, die sie nicht befahren konnten. Hier würden sie die drei Boote nacheinander über die Nordtreppe nach unten tragen müssen.

Danach war der Weg bis nach Pelargir frei, und sie würden schließlich dichter bewohntes Gebiet erreichen, wie etwa die Pelennor-Felder, die unterhalb der Festung Minas Tirith lagen. Haldir erzählte viel von der Festungsstadt und die Atlanter konnten es kaum erwarten, sie mit eigenen Augen zu sehen.

Wie von Haldir angekündigt, mussten sie bei der Fahrt durch die Emyn Muil mehrmals kurz aussteigen und lebensgefährliche Stromschnellen umgehen. Zum Glück gab es hier entsprechende Stellen zum Anhalten, um die reisenden Fluten umgehen zu können. Schließlich weitete sich der Fluss zu einem kleinen See und sie bemerkten, dass die Wasser noch schneller zu fließen begannen. Und sie sahen die von Haldir beschriebenen Figuren: die Argonath. Die Monumente waren aus Stein gehauen und die gewaltigsten Statuen, die sie je gesehen hatten.

„Die sind unglaublich!“ Teyla konnte ihre Begeisterung kaum bremsen. Allein die Füße der Statuen waren fast so hoch wie ein Mensch.

Haldir steuerte sein Boot neben das der anderen. „Sie stellen die großen Könige von Gondor und Arnor dar: Isildur und Anárion. Sie wurden vor etwa 1500 Jahren gebaut. Hier beginnt das Land von Gondor. Hinter dem See liegen die Raurosfälle. Wir müssen die Boote einzeln über die große Treppe nach unten tragen. Das schaffen wir noch bis zum Abend. Unten können wir dann unser Lager aufschlagen.“

Von Haldir geführt steuerten sie das Ufer an und umfuhren so den See. Am Ende des Sees ragte eine steile Felseninsel aus dem Wasser, sie wurde Tol Brandir genannt. Hinter der Insel ragten senkrechte Klippen in die Höhe, über die das Wasser abstürzte und so den Wasserfall bildeten.

Sie steuerten das Ufer an und begannen das erste Boot zu tragen. Die Frauen schleppten das jeweilige Gepäck aus dem Boot nach unten. Die Treppe war steil und es war nicht einfach nach unten zu kommen. Doch sie schafften es bis zur Dämmerung die Boote hinunter zu tragen, da die Kanus nicht allzu schwer waren.

Das Rauschen des gewaltigen Wasserfalls in den Ohren, begannen sie ihr Abendlager aufzuschlagen. Holz gab es genug in dem angrenzenden Wald zu holen. Haldir erzählte ihnen wie jeden Abend Geschichten von den Elben. Wie sie aus den unsterblichen Landen auszogen und nach Mittelerde kamen. Und auch die Legende des Aures. Demnach sollte das eine von zwei riesigen Lampen gewesen sein, die einst das Reich der Elben beleuchtete, vor der Zeit der Sonne.

„Sehr witzig“, meinte Rodney, als Haldir geendet hatte. „Lampen, die das Land erhellen und nicht die Sonne. So etwas gibt es nicht. Aber deiner Beschreibung nach könnte das Aure eine Art ZPM sein. Mit seiner Energie kann man viel betreiben. Und die Geschichte um die Lampen entstand im Laufe der Zeit. Ohne eine Sonne gibt es kein Leben.“

„Das mag sein, Rodney“, bestätigte Haldir. „Doch das ändert nichts daran, dass es das Aure gibt.“

„Warum habt ihr es noch nicht geholt?“, fragte Sheppard.

„Wir benötigen solche Energiequellen, wie ihr sie beschrieben habt nicht. Außerdem liegt es im Gebiet des Feindes. Wir Elben werden von den Haradrim sofort umgebracht, wenn wir uns in ihr Gebiet trauen. Die Feindschaft unserer beider Völker ist schon uralt. Das gilt auch für die Gondorianer und die Haradrim. Ihr müsst also sehr vorsichtig sein.“

„Aber wir sind nicht aus Gondor“, meinte Rodney.

„Das macht nichts. Ihr seht aus, wie sie, und seid aus dem gleichen Volke. Die Haradrim werden nicht lange danach fragen, wer ihr seid.“

„Also erst schießen und dann fragen“, meinte John.

„Typisch Militär!“, meinte Rodney empört.

„John hat recht“, sagte Haldir. „Wir Elben lieben den Frieden, aber auch wir können und werden uns verteidigen, wenn wir angegriffen werden.“

Am anderen Morgen fuhren sie auf dem Anduin weiter. Der Fluss führte nun an einem großen Sumpfgebiet vorbei. Hier flossen einige Flüsse in den Anduin und der Fluss wurde dadurch wasserreicher und auch breiter. Nach einem weiteren Tag wurde die Landschaft lieblicher und die Sumpflandschaft blieb zurück.

„Das ist Nord-Ithilien. Früher dicht besiedelt, nun verlassen von seinen Bewohnern.“

„Wo sind sie hin?“, fragte Sheppard.

„Die meisten haben Zuflucht in Minas Tirith gefunden. Oder sie leben auf den Pelennor-Feldern, im Schutze von Denethors Soldaten und der großen Festung. Denethor ist der Truchsess von Gondor. In der Zeit der Abwesenheit des Königs ist er der Regent von Gondor.“

„Wo ist der König?“, erkundigte sich Rhiana.

„Gondor hat seit tausend Jahren keinen König mehr. Seither regieren die Truchsesse das Land. Leider hat Gondor das meiste seiner früheren Macht verloren, und nun kommt noch die Gefahr von Sauron und seinen Orks dazu. Außerdem sind da noch die Haradrim, die auf der Seite Saurons kämpfen werden, wenn es zum Krieg kommen sollte“, Haldir zeigte auf das riesige Gebirge, das vor ihnen auftauchte. „Das ist das Schattengebirge, das Reich von Sauron und seinen Orks. Ihr müsst es meiden.“

Am nächsten Tag tauchte vor ihnen mitten im Fluss eine Insel auf. „Das ist Cair Andros. Dort ist der erste Stützpunkt der Gondorianer. Ich werde euch dort verlassen.“

„Was? Warum willst du nicht mitkommen?“, fragte Sheppard enttäuscht. Er hatte in dem Elb in den letzten Tagen einen Freund gefunden.

„Galadriel hat es mir verboten. Ihr wusstet das von Anfang an.“

Auch die anderen waren sehr enttäuscht, denn auch sie hatten die Gesellschaft des Elben sehr genossen. Doch als sie die Insel erreichten und an Land gehen wollten, sahen sie schon von weitem, dass etwas nicht stimmte. Die Insel war nicht sehr groß und auch nicht sehr breit. Normalerweise hätte die Soldaten von Gondor sie schon längst begrüßen müssen. Doch keiner war zu sehen.

Sie machten die Boote an einem Landungssteg fest und betraten die Garnison. Sie war verlassen worden, und wie es aussah in großer Hast.

„Das sieht nicht gut aus“, meinte Haldir. „Ich glaube, ihr müsst meine Gesellschaft doch noch länger ertragen.“

„Wir haben nichts dagegen“, sagte Sheppard erleichtert.

Mit etwas mulmigem Gefühl im Magen stiegen sie in die Boote und fuhren weiter. Doch nun war die fröhliche Stimmung verflogen und ein ungutes Gefühl machte sich in allen breit.

„Spürst du das auch, John?“, fragte Rhiana und beugte sich etwas zu John nach vorne.

„Ja, es ist, als liege etwas Unheimliches in der Luft.“

„Sollten wir nicht lieber umkehren?“, meinte Rodney mit Panik in der Stimme. Es ängstigte ihn sehr, dass auch er, als rationaler Wissenschafter das spürte. So etwas durfte es nicht geben.

„Das ist die Atmosphäre des Landes von Mordor. Was ihr spürt, ist Saurons Ausstrahlung“, sagte Haldir.

Am anderen Tag erreichten sie Osgiliath, oder das, was von der ehemaligen Hauptstadt von Gondor noch übrig war. Jetzt waren es nur noch Ruinen, doch selbst jetzt konnte man seine ehemalige Herrlichkeit noch erspüren. Und hier trafen sie zum ersten Mal auf Menschen.

Sie fuhren gerade mitten durch einige Ruinen, denn der Anduin floss mitten durch die Stadt und teilte sie so in zwei Hälften.

Eine laute barsche Stimme erklang: „Halt! Wer da? Gebt euch zu erkennen.“

„Ich grüße Euch, Soldaten von Gondor!“, rief Haldir mit lauter und klaren Stimme. „Hier sind einige harmlose Reisende aus Edoras.“

„Was ist der Zweck eurer Reise?“

„Wir sind auf dem Weg nach Pelargir. Dort wollen wir Handel treiben.“

Haldir hatte ihnen vorher gesagt, dass sie besser nicht verraten sollten, was sie vorhatten, und lieber ihm das Reden überlassen sollten. Die Atlanter waren einverstanden gewesen, schließlich kannten sie sich in diesem Lande nicht aus.

Hinter einer Mauer erhoben sich nun vier Soldaten in der Landestracht von Gondor. Ihr Blick war immer noch misstrauisch, doch als sie die beiden Frauen sahen, wurden sie sofort freundlicher.

„Was macht ein Elb bei Menschen aus Rohan? Und ihr solltet in diesen unsicheren Zeiten keine Frauen mit euch nehmen“, sagte der Sprecher, ein etwas älterer Soldat. „Es gab in letzter Zeit Überfälle von Orks.“

„Auf meiner Reise durch Mittelerde traf ich auf die Reisegruppe, und so schloss ich mich ihnen zu meinem und ihrem Schutze an. Wir haben gesehen, dass Cair Andros verlassen wurde“, erklärte Haldir.

„Das stimmt! Eine große Armee von Orks überrannte die Insel. Der Besatzung blieb nur die Flucht. Doch eine neue noch größere Bemannung ist schon auf dem Weg zurück. Und Heerführer Boromir ist mit seinen Rittern auf Orkjagd. Sie werden sie zurück in das Gebirge treiben. Trotzdem ist es gefährlich auf dem Fluss.“

„Unsere Geschäfte sind dringend.“

„Dann bleibt wenigstens über Nacht. Ein Elb und Menschen aus Rohan sind bei uns willkommen. Fahrt einhundert Meter weiter, dort ist ein Heerlager. Da findet ihr Unterkunft und ein warmes Essen. Die Herrinnen werden es begrüßen.“

Rhiana und Teyla widersprachen dem nicht. Sie dankten den freundlichen Soldaten und fuhren weiter. Bald sahen sie das Lager vor sich. Auch hier wurden sie angesprochen, doch dann freundlich aufgenommen.

Sie bekamen warmes Essen und eine bequeme Unterkunft. Den Abend verbrachten sie im Kreise der Soldaten, denen es sichtlich gefiel, zwei Frauen unter sich zu haben.

Am anderen Morgen ging es früh weiter. Und nun sahen sie Minas Tirith vor sich liegen und Haldir erzählte ihnen kurz seine Geschichte. Minas Tirith war in sieben Stufen auf einem Felsvorsprung des Mindolluin erbaut worden. Jede Stufe war mit einer starken Mauer aus hellem Gestein umgeben. Das große Außentor und das Tor der obersten Stufe, der Zitadelle, blickten nach Osten, doch die Tore dazwischen waren nach Süden und Norden versetzt, sodass der Weg im Zickzack zwischen ihnen hinaufführte. Die siebte Stufe lag etwa zweihundert Meter über der Ebene des Pelennor. Dort stand, nicht ganz einhundert Meter hoch, der Weiße Turm, von König Calimehtar um etwa 1900 Drittes Zeitalter erbaut, als Minas Tirith noch Minas Anor, Turm der Sonne, hieß. Neben dem Turm war der Palast der Könige von Gondor gebaut worden. Auf dem Hof, vor dem Palast, stand neben einem Springbrunnen der Weiße Baum, der jedoch verdorrt war.

Gerne hätten sie die Festungsstadt näher besichtigt, doch die Zeit drängte. Vielleicht gab es auf dem Rückweg Gelegenheit dazu. Nun führte der Fluss über die Felder des Pelennor. Diese waren dicht bebaut und die Bauern auf den Feldern winkten ihnen zu, wenn sie an ihnen vorbeifuhren.

Eine kleine Hügellandschaft schob sich vor das Schattengebirge, die Emyn Arnen, wo früher die Fürsten von Ithilien gewohnt hatten. Dahinter änderte sich die Landschaft wieder. Nun fuhren sie durch das weitgehend fruchtbare, aber verlassen Süd-Ithilien. Eine wunderschöne Landschaft, aber wie Nord-Ithilien von den Bewohnern wegen den Orküberfällen aufgegeben.

Bis nach Pelargir würden sie nun noch drei Tage brauchen. Am Abend des ersten Tages geschah es. Sie hatten gerade ihr übliches Lager aufgeschlagen. Ein Feuer wagten sie nicht anzuzünden, weil sie die Orks nicht anlocken wollten.

Sheppard bemerkte, dass Haldir plötzlich aufmerksam lauschte. Der Elb hatte weit bessere Ohren als sie alle.

Plötzlich sprang er wie von einer Tarantel gestochen auf. „Orks! Zu den Waffen.“

Sofort waren alle auf den Beinen. Sie zogen ihre Schwerter und warteten. Noch war nichts zu sehen, doch Sheppard war sicher, dass Haldir sich nicht irrte. Da stürmten die Orks plötzlich mit lautem Geschrei aus der Dunkelheit auf sie zu.

Sheppard sah sich sofort in einen Kampf mit drei Orks verwickelt. Da es dunkel war, konnte er im ersten Moment ihre Hässlichkeit nicht erkennen. Er hatte genug damit zu tun, sich der Übermacht zu erwehren. Den ersten Ork tötete er mit einem blitzschnellen Stoß, dann zog er sein Schwert heraus und fuhr herum. Dabei erwischte er den zweiten Angreifer. Dann spürte er einen heftigen Stich in der Brust und wurde zu Boden geworfen.

„Jetzt hat’s mich erwischt!“, war sein erster Gedanke. Der Angreifer war jetzt über ihm und John stieß sein Schwert nach oben. Die Klingen prallten mit lautem Klirren aufeinander und Sheppard spürte einen heißen übelriechenden Atem über sich. So heftig er konnte stieß er mit dem Schwert nach oben und spürte, wie es in den Körper seines Gegners drang. Dieser fiel über ihn und rührte sich nicht mehr. John schaffte es mit Mühe, den reglosen Körper von sich zu stemmen.

Mit einem Satz war er wieder auf den Beinen. Der Kampf war noch im Gange, doch überall lagen tote Gegner herum. Und dann ergriffen die Orks die Flucht.

„Alle in Ordnung?“, rief John laut aus.

Teyla und Rhiana tauchten neben ihm aus der Dunkelheit auf. Sie schienen nur leichte Kratzer abbekommen zu haben, auch wenn sie beide heftig keuchten.

„Uns geht es gut. Einer dieser hässlichen Gestalten hat mich mitten in die Brust getroffen, doch dieser unglaubliche Panzer hat den Stoß aufgehalten“, sagte Teyla. „Alles, was ich habe ist ein blauer Fleck.“

John fiel ein, dass auch er getroffen worden war, doch als er an sich heruntersah, bemerkte er nichts. „Dann war das bei mir wohl auch so.“

Haldir tauchte auf. „Ich habe sie bis in den Wald verfolgt. Sie haben uns wohl für harmlose Reisende gehalten.“

Er holte eine Fackel heraus und leuchtete die Gegend ab. Jetzt sahen sie, dass mindestens sechs tote Gegner da lagen.

„Das waren aber mehr“, meinte der Elb. „Die Verwundeten müssen wohl geflohen sein.“

John sah sich um. „Wo sind McKay und Ronon?“

Haldir wischte sein Schwert sauber und steckte es in die Scheide. „Rodney!“, rief er laut.

Schon tauchte McKay aus der Dunkelheit auf. „Hier bin ich, unverletzt und unversehrt.“

Ein leichtes Lächeln überzog Haldirs Gesicht. „Ich habe dafür gesorgt, dass unserem Gelehrten nichts passiert.“

Sheppard lächelte den Elb dankbar an. Doch dann verdüsterte sich sein Blick. „Wo ist Ronon?“

Niemand wusste es. Sie suchten so gut es ging die Gegend nach ihm ab, doch Ronon blieb verschwunden.

Haldir kam zu ihm. „John, ich habe einen Trupp Orks gesehen. Sie kommen zurück. Ich befürchte, dass die Geflohenen Verstärkung geholt haben.“

„Ich lasse niemanden zurück.“

„Du hast keine andere Wahl. Sonst sterben wir alle. Es sind über dreißig Orks, gegen die haben wir keine Chance.“

Teyla, McKay und sogar Rhiana stimmten Haldir schweren Herzens zu. Plötzlich stürmten die Orks erneut aus der Dunkelheit auf sie zu. Als John die Übermacht sah, begriff er, dass Teyla, McKay, Rhiana und Haldir recht hatten. Wenn sie jetzt nicht flohen, waren sie tot. Sheppard gab widerwillig nach. Vielleicht hatte Ronon ja Glück und er konnte ihnen folgen. Oder sie konnten später umdrehen und ihn suchen.

In letzter Sekunde gelang es ihnen, die Boote zu Wasser zu lassen und zu flüchten. Das ganze Gepäck und den Proviant mussten sie aber zurücklassen.

Fortsetzung folgt
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Scout
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BeitragVerfasst am: 05.12.2007, 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Du kriegst garantiert Feedback! Ich fand diese Geschichte toll, vor allem eben weil es um Mittelerde geht! Ein tolles Crossover, was riesig spannend ist. Hat mir damals schon gut gefallen!

Ich sag mal so, wenn du hierfür kein FB bekommst, dann weiß ich nicht für welche Story man sonst welches geben sollte Winken

Ciao, ein Fan *g*
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Selana
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BeitragVerfasst am: 06.12.2007, 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Scout: Wie du siehst ist es hier mau mit Feedback. Aber solange du wenigstens was postest mache ich mal weiter. Aber sonst ist hier ja noch totere Hose als im großen Forum. Danke auf jeden Fall, dass du dich wenigstens meldest.

Und nun die Fortsetzung


2. Die Entführung

Der Morgen graute schon im Osten, als Faramir das Haus seines Freundes Aldamar verließ. Trotzdem herrschte noch Dunkelheit in den engen Gassen von Minas Tirith. Faramir war gerade 26 Jahre alt geworden, und ein gut aussehender großer schlanker Mann mit warmherzigem Blick und langen dunkelblonden Haaren. Er trug die dunkelgrüne Uniform der Waldläufer Ithiliens, dessen Hauptmann er war. Auf seinem Wappenrock befand sich das Wappen Gondors: der blühende Baum und darüber die sieben Sterne. Diese stellten die Sterne auf den Segeln der Schiffe dar, welche die sieben sehenden Steine trugen, die Palantiri, die Elendil und seine Männer einst aus Númenor mitbrachten.

Als ein scharfer Wind durch die Gassen fuhr, zog er seinen langen Umhang fest um sich. Faramir warf einen Blick nach oben. Wolken zogen auf. Selbst der Mond versteckte sein Antlitz. Den alten Sagen nach steuerte Tilion im Auftrag von Orome, dem großen Jäger unter den Valar, das Mondschiff. Doch weil er immer trödelte und Arién, die das Sonnenschiff steuerte, nachsah, ging der Mond zu unterschiedlichen Zeiten auf und unter.

Faramir musste bei diesem Gedanken lächeln, denn da der Mond nicht zu sehen war, trödelte Tilion diese Nacht wohl wieder. Doch es waren wohl nur die aufgezogenen dunklen Wolken, die den Mond bedeckten. Bei diesem Gedanken verdüsterte sich Faramirs Gesicht, denn eben solche Wolken zogen schon seit Jahren über die Lande von Gondor. Sie kamen aus Mordor, dem Reich des dunklen Herrschers Sauron, der wieder einmal seine gierigen Klauen nach dem Reich der Menschen und den anderen Völkern von Mittelerde ausstreckte. Nahezu 3000 Jahre waren seit dem letzten Krieg vergangen, als Sauron von den verbündeten Armeen der Elben und Menschen vernichtend geschlagen wurde. Doch da der EINE RING nicht vernichtet worden war, existierte Sauron immer noch, gefangen zwischen den Welten des Diesseits und Jenseits, und nur der EINE RING würde es ihm erlauben, erneut Gestalt anzunehmen. Doch wo sich dieser Ring befand, wusste niemand.

Faramir kannte diese Geschichten. Sehr zum Ärger seines Vaters, Denethor II., regierender Truchsess von Gondor, der es nicht gerne sah, dass sein zweiter Sohn sich mit anderen Dingen beschäftigte als der Kriegsführung. Dabei war Denethor selbst sehr belesen in den alten Geschichten. Da Faramir alles tun wollte, was sein Vater verlangte, hatte er das Kriegshandwerk gelernt, zusätzlich aber auch die Wissenschaften, Geschichte, Kunst und Musik studiert. Außerdem verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Mithrandir, dem großen Zauberer. Denethor sah das nicht gerne. Trotz aller Bemühungen konnte Faramir ihm nichts recht machen. Da sein um fünf Jahre älterer Bruder Boromir ihn jedoch in allem, was er tat, unterstützte, war Faramir egal, was sein Vater sagte.

Nein, korrigierte er sich in Gedanken, egal war es ihm nicht, aber er ließ sich auch nicht von seinen Studien abhalten. Denethor hatte sich schließlich damit abgefunden, aber er ließ keine Gelegenheit aus, dem jüngsten Sohn seine Verachtung zu zeigen. Boromir mochte das nicht, denn er liebte seinen jüngeren Bruder über alles und Faramir liebte Boromir von Herzen. Finduilas, ihrer beider Mutter, war schon vor Jahren gestorben und so hielten die Brüder fest zusammen.

Diesen Abend war Faramir zu Aldamar gegangen, weil dieser Besuch von Mithrandir, dem Grauen, erhalten hatte. Faramir hatte die Einladung gerne angenommen, denn Mithrandir brachte immer die neuesten Nachrichten aus den übrigen Reichen von Mittelerde mit. So hatten sie geredet und den Geschichten des Zauberers gelauscht und darüber die Zeit vergessen. Erst als Aldamar Faramir darauf hinwies, dass in kurzer Zeit der Morgen anbrach, war er widerstrebend aufgebrochen. Aldamar wollte ihm eine Wache mitgeben, denn es trieben sich nachts seit kurzem seltsame Gestalten in Minas Tirith herum. Und das, obwohl jeder Ankömmling am ersten Tor der Festung genau geprüft wurde. Doch so ungesehen, wie sie auftauchten, verschwanden die Eindringlinge wieder. Deshalb vermuteten Aldamar und auch einige andere, dass sich Spitzel des Dunklen Herrschers in der Stadt herumtrieben, doch nie fand man Beweise dafür. Aldamars Haus befand sich im untersten Ring der Stadt, denn er war der Hauptmann der Wachen, die ihren Dienst am untersten Tor taten.

Aus diesem Grunde hatte der junge Fürst einen weiten Weg vor sich. Das machte Faramir aber nichts aus, denn er war es gewohnt weite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Vielleicht gelang es ihm, ungesehen in den Palast zu kommen. Schließlich brauchte sein Vater nicht zu wissen, dass er sich schon wieder mit Mithrandir getroffen hatte. Denethor mochte den Zauberer nicht besonders. In seinen Augen verbreitete er nur Unsinn unter dem Volk. Faramir jedoch war der Ansicht, dass Mithrandirs Warnungen zu recht geschahen. Mordor rührte sich wieder. Immer wieder gab es Angriffe auf die Grenzen Gondors. Ithilien war schon gefallen und von den letzten Menschen verlassen worden. Nur noch Grenzposten und die Waldläufer Denethors hielten sich in dem Lande auf.

Die Straßen Minas Tiriths waren in dieser Stunde wie ausgestorben. In alten Zeiten hatte das anders ausgesehen. Selbst zu dieser Stunde waren die Straßen voller Menschen gewesen, die sich amüsierten oder ihren Geschäften nachgingen. Prachtvolle Villen und die Häuser armer Menschen reihten sich aneinander. Sie unterschieden sich nur durch die Größe der Häuser und des angrenzenden Grundstücks.

Heute jedoch standen viele Häuser leer und verlassen da. Der Verfall war ihnen anzusehen. Minas Tirith war eine aussterbende Stadt. Wie gerne hätte Faramir das geändert, doch solange der Krieg dauerte, würde er daran nichts ändern können. Der Krieg forderte seinen Tribut. Die jungen unausgebildeten Männer starben im Kampf gegen Mordor und seine Verbündeten ebenso wie die ausgebildeten Krieger. Die Alten, die Frauen und Kinder wurden getötet oder aus ihren Häusern vertrieben. Faramir fragte sich, wo das alles enden sollte.

So in Gedanken vertieft bemerkte er nicht, dass er verfolgt wurde. Schatten schlichen hinter ihm her und warteten auf eine passende Gelegenheit. Faramir sah die Angreifer nicht kommen. Er spürte hinter sich eine Bewegung und bekam einen Stoß, der ihn zu Boden warf, doch entgegen Denethors Meinung war er ein guter Kämpfer. Er verwandelte den Sturz in eine Rolle und war sofort wieder auf den Beinen. Sogleich zog er sein Schwert, ohne das er nie das Haus verließ. Es waren schließlich unsichere Zeiten. Doch die Angreifer hatten sich gut vorbereitet. Etwas schoss auf ihn zu und im nächsten Augenblick war er in den Maschen eines großen Netzes gefangen. Faramir versuchte sich zu befreien, aber dadurch verhedderte er sich nur noch mehr in dem Netz. Ein Fußtritt traf seinen Arm mit dem Schwert, so dass es ihm aus der Hand geschlagen wurde. Sofort stürzten sich mehrere Gestalten auf ihn. Ein Hieb traf ihn mitten ins Gesicht, ein weiterer am Kinn und raubte ihm auf der Stelle das Bewusstsein. Der junge Fürst spürte nicht mehr, wie er zu Boden fiel.

„Schnell!“ Die Stimme des einen Angreifers war nur ein Flüstern. „Schafft ihn weg, bevor noch jemand auftaucht.“

Die Gestalten packten ihren Gefangenen und schleiften ihn mit sich. Sie erreichten das Haus eines Verbündeten im unteren Ring. Dieser war ein Wächter des Tores, der sie bei passender Gelegenheit hindurchschleusen würde. Was am besten beim Wachwechsel geschehen konnte. Dabei war die Ablenkung am größten, zumal es noch etwas dunkel war.

Als Faramir wieder zu sich kam, wusste er zuerst nicht, was passiert war. Alles, um ihn schien zu schwanken und er hatte entsetzliche Kopfschmerzen. Hatte er letzte Nacht zu viel getrunken? Doch das konnte nicht sein. Er war bei Aldamar und Mithrandir gewesen. Dann war er nach Hause gegangen und ...

Die plötzliche Erinnerung ließ ihn hochschnellen. Zumindest versuchte er es. Aber etwas hielt ihn zurück. Er versuchte sein schmerzendes Kinn zu reiben, doch auch seine Hände konnte er nicht bewegen. Faramir riss die Augen auf, doch um ihn herum war alles dunkel. Nach einiger Zeit gewöhnten sich seine Augen an die Dämmerung und er konnte Umrisse erkennen. Er lag in einem schwankenden kleinen Raum.

Auf einem kleinen Schiff ...

Wo befand er sich? Wie viel Zeit vergangen war, wusste er nicht, als über ihm eine kleine Tür aufgerissen wurde und helles Sonnenlicht hereinflutete. Geblendet schloss er die Augen.

„Ah! Unser kleiner Prinz ist aufgewacht“, sagte eine höhnische Stimme über ihm. Die Worte hörten sich seltsam an. In Gondor wurde eine Abart des elbischen Dialektes des Sindarin gesprochen. Die Worte ähnelten dieser Sprache etwas, auch wenn viele Worte anders ausgesprochen wurden. Trotzdem verstand Faramir sie. Er hatte mehrere Sprachen studiert, unter anderem das reine Sindarin und die Sprache ihrer Feinde, der Ost- und Südländer. Dieser hier hatte im Dialekt der Südländer, der Haradrim, gesprochen.

„Wer bist du?“, fragte Faramir unerschrocken. So leicht ließ er sich nicht einschüchtern.

Der Mann war groß und schlank. Wie die meisten Südländer besaß er eine braune Hautfarbe. Sein Haar war schwarz und lang und zu einem Zopf zusammengebunden. Er trug dunkelrote Bekleidung und darüber ein Panzerhemd aus Bronzeplättchen. Dazu einen Umhang in roter Farbe mit Goldstickereien.

„Du hast die Ehre, unsere Geisel zu sein. Wenn Denethor dich zurückhaben will, muss er tun, was wir verlangen.“

Da lachte Faramir laut auf.

Der Mann sah ihn erstaunt an.

„Ihr habt den falschen Sohn entführt. Mein Vater wird für mich keinen Finger rühren.“

„Das glaube ich nicht. Wir kennen dein Verhältnis zu deinem Vater, Kleiner, aber wenn es darauf ankommt, wird Denethor erkennen, dass auch du sein Sohn bist, und alles tun, was wir von ihm verlangen.“

„Wo sind wir? Und wohin bringt ihr mich?“

„Das geht dich zwar nichts an, aber wir fahren den Anduin hinunter. Dann geht es über die Harad-Straße weiter bis zum Übergang des Poros und nicht weit davon entfernt befindet sich unser Lager. Wir haben schon eine Nachricht an Denethor geschickt.“

Nach diesen Worten drehte er sich um und verließ den Raum. Die Luke schloss er hinter sich. Nachdem Faramirs Augen sich wieder an die Dämmerung gewöhnt hatten, konnte er einige Umrisse erkennen. Man hatte ihn zusammengeschnürt wie ein Stück Vieh und an einen Pfosten gebunden. Deshalb hatte er sich auch nicht bewegen können. Er besah sich die Fesseln, doch die Südländer hatten ganze Arbeit geleistet, denn er sah keine Chance, sich zu befreien. So blieb ihm nichts anderes übrig als abzuwarten. Vielleicht ergab sich unterwegs eine Möglichkeit zur Flucht. Der Weg war noch weit. Bis zu der Hafenstadt Pelargir waren es über 120 Kilometer, und von dort nochmals 60 Kilometer bis zur Furt des Poros, einem kleinen Fluss, der südlich von Pelargir, nicht weit von seinem Mündungsdelta, in den Anduin floss.

Im Palast von Denethor
Boromir, Feldmarschall von Gondor, schritt über den weiß gepflasterten Hof, wo ein Springbrunnen leise zwischen sattgrünem Rasen plätscherte. Dort, in der Mitte stand der Weiße Baum, der jedoch schon vor langer Zeit verdorrt war und seine kahlen, abgebrochenen Zweige traurig über das Becken hängen ließ. Über die breite weitläufige Treppe betrat er die Zitadelle, in der sich der Thronsaal befand. Er klemmte sich seinen Helm unter den Arm und durchschritt den langen Saal. Wie bei allen Rittern Gondors war seine Bekleidung schwarz, die Rüstung und der spitz zulaufende Helm aus Mithril-Silber. Der wertvolle Übermantel aus Zobel trug das Wappen Gondors.

Der Saal wurde durch niedrige Fenster in den breiten Seitenschiffen erhellt, hinter den Reihen großer Säulen, welche die Decke trugen. Die Säulen, große Monolithen aus schwarzem Marmor, stiegen zu großen Kapitellen auf, in die viele Tier- und Pflanzengestalten eingemeißelt waren. Darüber schimmerte das breite Deckengewölbe, golden und durchbrochen von verschlungenen Rankenmustern in vielen Farben. Es gab keine Wandbilder oder Teppiche in dem langen Saal. Zwischen den Säulen erhoben sich große Standbilder aus Stein. Am Ende des Saales stand der Thronsessel auf einer erhöhten Empore, zu der Treppen hinaufführten. Der Thron war von einem marmornen Baldachin in der Form eines Kronenhelmes überdacht. Die Wand dahinter zeigte das eingemeißelte, mit Edelsteinen besetzte Bild des blühenden Baumes. Am Fuß der Empore, auf der untersten Stufe, stand ein steinerner Stuhl, schwarz und ohne Zierrat. Dort saß wie üblich sein Vater und wartete schon auf ihn.

„Da bist du ja, mein Sohn“, begrüßte Denethor ihn.

Boromir verzog leicht sein Gesicht. Er war groß und kräftig gewachsen, stärker und einige Jahre älter als Faramir. Sein Bruder war ein nachdenklicher und zurückhaltender junger Mann, während er selbst etwas aufbrausender und ungestümer war. Im Moment jedoch sorgte Boromir sich um Faramir. Er hatte ihn überall im Palast gesucht und selbst Faramirs Diener wussten nicht, wo er war.

„Ich grüße dich, Vater“, antwortete Boromir. „Wir müssen reden.“

„Deshalb habe ich nach dir geschickt, mein Sohn“, sagte Denethor in freundlichem Tonfall. Boromir wünschte sich insgeheim, dass sein Vater hin und wieder diesen Ton auch Faramir gegenüber anschlagen würde. „Es werden neue Übergriffe einiger Orkhorden gemeldet. Du musst sofort aufbrechen und die feige Meute vernichten.“

Aus diesem Grund war Boromir eigentlich nicht gekommen. „Die Orks überqueren dieser Tage oft unsere Grenzen. Mordor erwacht. Wir sollten langsam daran denken, uns Verbündete zu suchen.“

„Verbündete? Wen denn?“, fragte Denethor, überrascht darüber, dass Boromir einen solchen Vorschlag machte.

„Rohan zum Beispiel. Théoden hat eine große Reiterarmee.“

„Théoden? Er ist schwach“, meinte Denethor und winkte verächtlich ab.

„Eigentlich wollte ich dich nicht deswegen sprechen, Vater“, sagte Boromir.

„Nicht? Weswegen dann?“, fragte Denethor erstaunt.

„Faramir ist verschwunden. Ich mache mir Sorgen um ihn. Wir wollten uns heute Morgen treffen, aber er ist nicht erschienen. Er vergisst sonst nie ein Treffen mit mir. Deshalb ...“

Denethor sprang wütend von seinem Stuhl auf und rief: „Rede mir nicht von Faramir! Er hat gegen meinen ausdrücklichen Befehl diesen alten Zauberer Mithrandir getroffen. Wahrscheinlich ist er noch bei ihm. Er glaubt wohl, dass ich das nicht weiß, aber er vergisst, dass ich der Herrscher bin und meine Diener überall sind.“

Boromir hatte, überrascht von dem Zorn Denethors, einen Schritt zurück gemacht. Er fasste sich jedoch schnell wieder. „Faramir würde wegen Mithrandir kein Treffen mit mir versäumen“, verteidigte er seinen Bruder.

„Faramir ist ein Schwächling“, Denethor beruhigte sich wieder etwas und ließ sich zurück auf seinen Stuhl fallen. „Er beschäftigt sich mit Kunst und Musik. Und dies in diesen kriegerischen Zeiten.“

„Was ist daran falsch?“

„Du verteidigst ihn noch? Du magst doch selbst keine Kunst und Musik.“

„Das ist nicht wahr“, sagte Boromir und dachte daran, wie sehr er die Abende mit Faramir genoss, und wie schön er dessen Spiel mit der Harfe fand. Das würde er aber nie vor Denethor zugeben. „Ich will sie nur nicht studieren, das ist ein Unterschied. Dies überlasse ich meinem Bruder.“

„Er sollte lieber das Kriegshandwerk lernen“, meinte Denethor.

„Ich kann dich nicht verstehen, Vater. Er ist ein guter Krieger und wird einmal ein hervorragender Stratege werden. Warum soll er nicht beides vereinigen? Sicher hat er das von Mutter. Sie liebte die Kunst und die Musik.“

Erneut sprang Denethor auf. „Sprich nicht von deiner Mutter, mein Sohn. Sie ist tot.“

„Nicht in meinem Herzen. Faramir war noch zu klein, gerade mal fünf Jahre alt, als sie starb. Er hat kaum Erinnerungen an sie. Ich aber schon. Mein Bruder, dein Sohn, ist ihr sehr ähnlich im Wesen und im Denken. Faramir versucht alles, um dir zu gefallen. Du aber erkennst nichts an. Warum kommst du ihm nicht etwas entgegen?“

Denethor stieß wütend die Luft aus den Lungen. „Weil er mich immer wieder enttäuscht.“

„Nur du siehst es so. Oder ist es der Grund, dass er dich zu sehr an Mutter erinnert?“

Denethor wurde rot im Gesicht und Boromir begriff, dass er zu weit gegangen war. „Verzeih, Vater! Ich wollte dich nicht verärgern.“

Sofort beruhigte sich Denethor wieder. Eine Entschuldigung seines ältesten Sohnes ließ er sofort gelten. „Nun gut, mein Sohn. Es sei dir verziehen. Doch jetzt eile! Sammle ein Heer und vertreibe die Feinde aus unserem Reich.“

„Ja, Vater!“ Boromir ging. Es hatten keinen Zweck noch einmal wegen Faramir anzufangen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Befehl von Denethor auszuführen. Aber vorher wollte er noch jemanden besuchen.

Eilig verließ er den Turm, durchquerte den Tunnel zur sechsten Stufe und bestieg sein Pferd, das dort auf ihn wartete, und ritt die Straßen hinunter. Eine Stufe nach der anderen ließ er hinter sich, bis er am unteren Tor angekommen war. Dort ging er in die Wachstube und fand den, welchen er suchte, bei anderen Wachen am Tisch sitzen.

Die Wächter sprangen sofort auf, als ihr oberster Befehlshaber eintrat und verneigten sich, doch Boromir achtete nicht darauf. „Aldamar, wo ist mein Bruder?“

Aldamar sah seinen Herrn erstaunt an. „Im Palast nehme ich an, Feldmarschall.“

„Da ist er nicht. War er nicht gestern Abend zu Besuch in deinem Haus?“ Als Boromir sah, wie blass Aldamar wurde, sagte er: „Keine Sorge, mir ist es egal, wo mein Bruder sich herumtreibt, aber er ist nicht nach Hause gekommen.“

„Er war bei mir, Feldmarschall“, gab Aldamar zu. „Er ging zu sehr später Stunde, weil ...“

„ ... weil du noch Mithrandir zu Besuch hattest“, vollendete Boromir den Satz. „Das ist mir bekannt. Sprich weiter.“

„Der junge Herr verließ mein Haus zur dritten Morgenstunde. Danach habe ich ihn nicht mehr gesehen“, sagte Aldamar wahrheitsgemäß.

„Du hast ihn alleine gehen lassen?“, fragte Boromir wütend.

„Aber das war sein eigener Wunsch, Herr“, Aldamar wurde kalkweiß vor Schrecken. „Er hat immer eine Eskorte abgelehnt.“

Boromir kannte den Starrsinn seines Bruders und wusste, dass er Aldamar keine Schuld geben konnte. Doch er konnte etwa anderes tun. „Du bist für den Moment von deinem Posten entlassen.“

„Aber ... Herr! Es war nicht meine Schuld.“

„Es soll keine Strafe sein“, beruhigte Boromir sein Gegenüber. Er wusste, dass Aldamar seinen Bruder liebte und für ihn in den Tod gehen würde. Wie viele der Soldaten in der Armee. Faramir hatte immer ein nettes Wort für jeden übrig, egal ob einfacher Soldat oder Hochgestellter. Und er hatte immer den Familien Gefallener geholfen, wenn sie in Not gerieten. „Ich möchte, dass du meinen Bruder suchst und herausfindest, was mit ihm passiert ist. Ich ahne Böses, denn ich hatte heute Nacht einen schlechten Traum. Selbst kann ich ihn nicht suchen, denn ich muss noch zur Stunde nach Ithilien aufbrechen und Orks von unseren Grenzen vertreiben. Später kannst du deinen Posten wieder einnehmen.“

„Verstanden, Herr“, sagte Aldamar erleichtert und verbeugte sich. „Ich werde den jungen Fürsten finden, selbst wenn es mein Leben kostet.“

„Das weiß ich, Hauptmann. Wir wollen beide hoffen, dass du nicht so weit gehen musst.“ Boromir schlug ihm auf die Schulter, drehte sich um und ging.

Aldamar sah ihm erleichtert hinterher. Er hatte schon das Schlimmste für sich angenommen. Boromir war zwar ein gerechter und gütiger Mann, Denethor aber hätte keine Gnade gekannt, wenn er Aldamar die Schuld am Verschwinden seines Sohnes gegeben hätte. Denethor mochte Faramir nicht besonders mögen, aber trotz allem war er sein Sohn.

Schnell rief er seinen Stellvertreter zu sich und übergab ihm den Befehl über die Torwache. Dann suchte er sich einige Männer aus, denen er blind vertraute, und sandte sie aus. Es dauerte nicht lange, bis der Erste zurückkam.

„Nun,“ fragte Aldamar. „Hast du etwas erfahren?“

„Ja, ich kenne einige Leute in den unteren Stadtteilen“, in den untersten Stadtteilen wohnten die Ausgestoßenen, die ärmsten der Armen und Leute, die sich verstecken mussten. „Der junge Fürst ist entführt worden. Man hat beobachtet, wie er überfallen und auf ein Schiff gebracht wurde. Es ist den Anduin hinuntergefahren.“

Aldamar sprang auf. „Dann müssen wir sofort jemanden zum Palast schicken.“

„Der Palast ist schon informiert“, sagte ein weiterer seiner Männer, der gerade den Raum betrat. „Denethor erhielt eine Botschaft.“

„Wir werden den Truchsess trotzdem von allem informieren, was wir erfahren haben. Das schulde ich Faramir. Ich hätte ihn nie alleine nach Hause gehen lassen dürfen.“ Wenn Faramir etwas passieren sollte, würde Aldamar sich das nie verzeihen. So schickte er einen seiner Leute zum Palast, um dort zu erzählen, was sie herausgefunden hatten.


Die Ritter von Gondor

Während Boromir mit seinen Soldaten aufbrach, um die Übergriffe der Orks aus Mordor zu stoppen, erhielt im Palast Denethor von einem Diener eine Nachricht. Als er sie las, wurde er erst blass, doch dann siegte seine Wut.

„Das ist typisch für ihn! Lässt sich entführen!“

„Herr?“, fragend sah sein Diener, der die Nachricht gebracht hatte ihn an.

Denethor gab ihm die Nachricht, denn Falasthur war nicht nur der persönliche Diener des Herrschers sondern auch sein engster Vertrauter.

Falasthur las die Nachricht und wurde ebenfalls blass. Er mochte den jungen Herrn sehr. Faramir war immer freundlich und aufgeschlossen zu ihm. Zwar vertraute Denethor Falasthur und erzählte ihm vieles, aber er war ein aufbrausender und unberechenbarer Herr.

„Was sollen wir tun, Herr?“, fragte Falasthur.

„Nichts! Soll er sehen, wie er zurechtkommt. Dann lernt er vielleicht endlich, sich an meine Befehle zu halten“, sagte Denethor kalt.

„Aber Herr!“ Falasthur konnte es nicht fassen. „Er ist Euer Sohn!“

„Und der Stachel in meinem Herzen. Nun gut, was schlägst du vor? Ich kann die Forderung der Südländer auf keinen Fall erfüllen. Mein Volk kann ich ihnen unmöglich ausliefern, selbst wenn es das Leben meines Sohnes kostet.“

„Aber wir könnten erst einmal so tun und auf die Forderungen zum Schein eingehen. Wenn sie sich wieder melden, sollten wir die Verhandlungen aufnehmen. Das gibt dem jungen Herrn die Chance zu fliehen.“

„Das meinst du wirklich, oder?“ Denethor sah seinen Vertrauten an. „Da du Faramir anscheinend so magst, überlasse ich dir dann die Verhandlungen.“

„Euer Sohn ist immer freundlich zu mir“, sagte Falasthur ausweichend.

„Er ist zu allen freundlich. Zu freundlich für den Sohn des Truchsesses“, meinte Denethor.

„Die Menschen lieben ihn. Wenn Ihr ihn einfach sterben lasst, wird das Volk es Euch übel nehmen, Herr“, gab Falasthur zu bedenken.

„Es ist mir egal, was das Volk will. Trotzdem hast du recht. Er ist immer noch mein Sohn. Du hast alle Vollmachten, um in meinem Namen zu verhandeln. Aber entscheide gut. Bedenke, es geht um die Freiheit des Volkes, für das du gerade so hingebungsvoll sprichst.“

Damit entließ er seinen Diener und Falasthur machte, dass er fortkam. Draußen erwartete ihn ein Torwächter. Der Hauptmann des unteren Tores hatte ihn geschickt. Jener brachte ihm noch einige nützliche Informationen.


Ronon

Als die Orks angriffen, packte Ronon sein Schwert und stürzte sich mit Begeisterung in die Schlacht. Ein Kampf mit dem Schwert war für ihn nichts besonderes. Mit einer solchen Waffe hatte er schon vielen Wraith den Garaus gemacht, und diese Orks waren viel leichter zu töten.

Seine Hiebe und Stiche töteten oder verwundeten viele Orks. Im Eifer des Gefechtes achtete Ronon nicht darauf, wohin er ging und so kam es, dass er sich schließlich abseits der anderen Freunde wiederfand.

Um ihn herum lagen tote und verwundete Orks, doch genauso viele waren noch auf den Beinen und kreisten ihn erbost ein. Ronon begriff, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er hätte bei den anderen bleiben sollen. Die Orks schnitten ihm nun den Rückweg zu seiner Gruppe ab.

Die Orks, die hässlichsten Wesen, die Ronon je gesehen hatte, stießen wütende Schreie aus. Doch noch wagten sie sich nicht näher an ihn heran. Anscheinend hatte er ihnen mächtigen Respekt eingejagt.

„Worauf wartet ihr noch?“, schrie er sie wütend an. „Machen wir dem ein Ende.“

Einer der Orks lächelte ihn hässlich an. Bevor Ronon begriff, was das bedeutete, spürte er einen Schmerz in der Hüfte. Ein Schwerthieb hatte ihn von hinten getroffen. Das meiste des Hiebes war von seiner Rüstung abgeglitten, doch der Rest erzeugte noch eine tiefe Fleischwunde. Blitzschnell drehte Ronon sich herum und tötete den vorwitzigen Ork mit einem einzigen schnellen Hieb.

Ronon, verletzt, begriff, dass er nun sein Heil in der Flucht suchen musste. Gegen diese Übermacht hatte er verwundet keine Chance. Er lief in die Dunkelheit hinein. Die Orks verfolgten ihn mit lautem Gebrüll. Im Wald hatte er bessere Möglichkeiten den Orks zu entkommen, und die Finsternis half ihm zusätzlich. Als er auf einen großen Baum mit riesigem Wurzelwuchs stieß, nützte er die Gelegenheit aus.

Schnell schlüpfte er in das Wurzelgeäst. Die Orks liefen in großer Zahl im Wald herum, und auch oft an seinem Baum vorbei. Doch sie fanden ihn nicht. Allerdings wusste Ronon, dass er nun alleine war. Die vielen Orks hatten seine Freunde gezwungen ihn zurückzulassen, wenn sie nicht ihr Leben verlieren wollten. Vielleicht hatte er noch die Chance sie an Land einzuholen, indem er dem Flusslauf folgte. Eine kleine Hoffnung, aber wenigstens etwas. Unter Umständen konnte er sich auch bis zu dieser Festungsstadt durchschlagen, die sie vor kurzem passiert hatten.

Als es Tag wurde, wagte sich Ronon aus seinem Versteck. Seine Wunde hatte er längst verbunden und Orks waren auch schon einige Zeit nicht mehr an ihm vorbeigelaufen. Nach einiger Zeit erreichte er den Platz, wo sie überfallen worden waren. Zu seiner Erleichterung fand er unten den herumliegenden Toten keinen seiner Freunde.

Da Ronon ein guter und ausdauernder Läufer war, konnte er stundenlang am Fluss entlang laufen, ohne eine Pause einlegen zu müssen. Zu seinem großen Bedauern holte er seine Freunde aber nicht ein. Bis zum Abend sah er auch keine Orks mehr.

Dann glaubte er, Geräusche zu hören. Er blieb stehen und lauschte. Entlang des Flusses gab es einige kleine Hügel. Die Landschaft war lieblich und mit Blumenwiesen und hohem Gras bewachsen. Schnell lief er den kleinen Hügel hinauf. Kurz vor der Spitze blieb er aber stehen und robbte die letzte Strecke hinauf.

Was für ein Glück, das er das getan hatte. Unten war ein Kampf in Gange. Eine ganze Gruppe dieser hässlichen Kreaturen hatte vier Reiter angegriffen. Eines der Pferde lief schon herrenlos herum. Der Besitzer lag reglos am Boden. Die übrigen drei kämpften verzweifelt gegen die Übermacht. Einer ging gerade getroffen zu Boden und sofort stürzte sich eine ganze Horde Angreifer auf ihn. Der Mann war ohne Zweifel verloren.

Seine beiden Kameraden konnten ihm nicht helfen, denn sie kämpften selbst um ihr Leben. Ronon überlegte nicht lange. Schnell holte er den Köcher mit Pfeil und Bogen vom Rücken. Es war eine ausgezeichnete Waffe. Mit wenigen Bewegungen legte er sich einige Pfeile zurecht. Er war ein geschickter Bogenschütze. Pfeil um Pfeil schoss er ab, und jeder traf genau sein Ziel.

Unter den Orks entstand Panik, denn sie wussten nicht, woher der unerwartete Angriff kam. Die beiden überlebenden Kämpfer schöpften Hoffnung und griffen mit neuer Zuversicht an. Nachdem Ronon seinen letzten Pfeil abgeschossen hatte, ergriff er sein Schwert und stürmte den kleinen Hügel hinunter. Gemeinsam gelang es nun den dreien, die letzten Orks zu töten oder in die Flucht zu treiben.

Erschöpft hielten die drei Männer schließlich inne. Einer der Männer sah Ronon an. Er war ein großer und kräftiger Mann, fast so groß wie Ronon, mit längeren braunen Haaren und einem Bart. Er blickte Ronon dankbar an. Er trug eine Rüstung, ähnlich der, welche Ronon von den Elben erhalten hatte. Auf seiner Brust war jedoch noch Wappen, ein Baum mit Sternen, eingraviert.

„Ich danke Euch, Fremder! Mein Name ist Boromir. Ihr habt mir und Castamir das Leben gerettet. Woher kommt ihr? Ihr seht aus, als kämet Ihr aus Rohan.“

Ronon hatte keine Ahnung, wo Rohan war, aber er mochte den Ritter auf der Stelle. „Ich heiße Ronon und bin nicht aus Rohan. Meine Heimat liegt weit weg. Ich bin mit Freunden den großen Fluss hinuntergefahren. Gestern wurden wir von den Orks überfallen, und dabei wurde ich von meinen Freunden getrennt. Seither versuche ich, sie einzuholen.“

„Am Fluss entlang? Ohne Pferd? Seid Ihr von Sinnen? Der Anduin fließt sehr schnell, und an seinem Ufer wimmelt es von Orks. Ihr holt Eure Freunde zu Fuß nie ein. Warum schließt Ihr euch nicht uns an?“

Der andere Mann, Castamir, hatte seine Freunde untersucht. „Herr, Cortanir und Manir sind tot.“

Boromirs Gesicht verdüsterte sich. „Sie gehörten zu meinen besten Männern. Das werden die Orks bitter büßen. Binden wir sie auf die Pferde und bringen sie in unser Lager zurück. Sie werden ein ehrenhaftes Begräbnis bekommen“, Bormir blickte Ronon an. „Nun, Fremder, was haltet Ihr von meinem Vorschlag?“

„Einverstanden“, sagte Ronon. Eine andere Möglichkeit hatte er nicht. Und vielleicht konnte er mit Hilfe dieser Männer Sheppard und die anderen wiederfinden.

„Es wird allerdings einige Zeit dauern, bis wir nach Minas Tirith reiten. Meine Männer und ich sind auf Orkjagd“, sagte Boromir.

Ronon schwang sich in den Sattel eines der Pferde, nachdem sie die beiden Toten auf das andere geladen hatten. Castamir nahm die Zügel in die Hand, während Boromir neben Ronon ritt. „Das macht mir nichts aus.“

„Und woher kommt Ihr nun?“, fragte er neugierig.

„Von weit her“, antwortete Ronon und blickte Boromir an. Konnte er dem anderen sagen, woher er kam oder würde er es nicht verstehen? Wahrscheinlich nicht. Also beschloss er es, etwas zu vereinfachen. „Wir sind auf einer Reise, um einen Gegenstand der Aure genannt wird zu suchen. Bei einem Wald trafen wir auf Elben, die uns Boote gaben und den genauen Weg beschrieben. Einer von ihnen ist unser Führer.“

„Elben? Ihr seid mit einem Elben gereist? Und Ihr sucht das Aure? Ihr müsst verrückt sein. Wisst Ihr nicht, dass das Aure nur eine Legende ist?“

„Ja, aber die Elbenführerin versicherte uns, dass es existiert.“

„Wie war ihr Name?“

„Galadriel.“

„Ihr wart bei dieser Elbenhexe im verwunschenen Wald? Kein Wunder, dass Ihr nun an Märchen glaubt.“

„Sie ist keine Hexe sondern eine wunderschöne Frau.“

„Das wird sie ohne Zweifel sein. Mein Bruder ist auch so einer, der an die Legenden der Elben und der Zauberer glaubt. Doch das alles ist Unsinn, glaubt es mir.“

„Wir werden sehen“, meinte Ronon. „Ist Euer Bruder auch im Lager?“

„Nein, meist ist er in Minas Tirith oder bei den Waldläufern in Ithilien und sichert dort die Grenzen nach Mordor. Wie Ihr selbst gesehen habt, sind die Orks wieder frecher geworden. Noch nie sind sie in so großer Zahl aufgetreten. Im Moment weiß ich allerdings nicht, wo er sich aufhält. Ich mache mir Sorgen um ihn.“

Das konnte Ronon verstehen. Sie erreichten nach kurzer Zeit das große Lager, wo Boromir von allen ehrfurchtsvoll begrüßt wurde. Ronon begriff, dass er wohl ein hoher Offizier sein musste. Während Boromir mit seinen Männer sprach, fragte er Castamir danach.

„Wisst Ihr das nicht? Dann müsst Ihr wirklich von weit herkommen. Boromir ist der älteste Sohn des Truchsesses und unser oberster Herrführer.“

Der Sohn des Truchsesses! Ronon erinnerte sich an Haldirs Erklärung, wonach der Truchsess der Herrscher des Landes Gondor war.

Er sah sich um. Das alles gefiel ihm. Wenn er Sheppard und die anderen schon nicht mehr einholen konnte, würde er eben hier bleiben. Vielleicht gab es bei der Rückkehr der anderen die Möglichkeit, wieder zu ihnen zu stoßen. Bis dahin würde er sich Boromirs Rittern anschließen.


Fortsetzung folgt
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Selana
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BeitragVerfasst am: 09.12.2007, 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

3. Ankunft in Pelargir

Die ganzen vergangen anderthalb Tage wurden die Gefährten von den Orks verfolgt. Es schien sie in großen Massen zu geben. Mehrmals hatte Sheppard darauf gedrängt umzudrehen oder an Land zu gehen, doch jedes Mal waren nach kurzer Zeit Orks aufgetaucht, und sie hatten ihr Heil erneut in der Flucht suchen müssen.

„Ich fürchte euer Freund ist tot“, meinte Haldir, als sie endlich sicheres Gebiet erreichten. Pelargir war nun ganz in der Nähe.

„Das glaube ich nicht“, meinte Teyla.

„Dem stimme ich zu. Ronon ist ein Überlebenskünstler“, sagte Sheppard. „Er schlägt sich bestimmt nach dieser Festungsstadt durch. Dort kann er dann auf uns warten.“

Haldir sah ihn zweifelnd an. Doch er wollte seinen Freunden nicht den Rest von Hoffnung rauben. „Ich hoffe, ihr habt recht. Dann sehen wir Ronon auf dem Rückweg wieder.“

Am Abend dieses Tages tauchte Pelargir vor ihnen auf. Nun mussten sie die Kanus aufgeben und sich ein größeres Schiff kaufen. Zahlungsmittel hatten sie genug von Galadriel bekommen. Haldir entschloss sich nun doch, die ganze Reise mitzumachen. Alleine umzukehren, wäre viel zu gefährlich gewesen. Außerdem hatte er inzwischen gefallen an der Reise gefunden.

Pelargir war der Haupthafen von Gondor. Erbaut wurde sie schon im Zweiten Zeitalter. Hier war Elendil nach dem Untergang von Númenor gelandet. Eine Flotte der Gondorianer lag auch heute vor Anker. Die Stadt diente als Basis für Gondors Angriffe und Verteidigung gegen die Haradrim, die in Umbar ihre Hauptbasis besaßen.

Mit Haldirs Hilfe fiel es ihnen leicht ein kleines Segelschiff, die Seeschlange zu kaufen. Proviant besorgten sie sich im Hafengebiet. Ihr Schiff lag etwas abseits der großen gondorianischen Kriegsschiffen, im Hafenteil der Händler.

Sheppard stand gerade an Deck der Seeschlange, als ihm ein Schiff auffiel, das nicht weit weg von ihnen ankerte. Die Besatzung war anders gekleidet als die normalen gondorianischen Händler und sahen sich auch aufmerksam jedes andere Schiff an. Auch die Seeschlange musterten sie eingehend. Doch der kleine Segler schien ihnen nicht beachtenswert.

Haldir tauchte neben John auf. „Darf ich fragen, was da so interessant ist?“

„Das Schiff dort drüben.“

Haldir sah hinüber. John verschwand kurz unter Deck und kam mit einem kleinen Fernglas wieder.

„Das gefällt mir gar nicht“, meinte Haldir, der wegen seiner guten Augen kein Fernglas benötigte. „Es sind Haradrim.“

„Und sie haben einen Gefangenen.“

„Ja, sie bringen ihn von Bord. Sie machen es so heimlich, dass ich denke, dass sie etwas Verbotenes tun.“

„Ist das bei Gefangenen nicht immer so?“John dachte sofort an Ronon, verwarf den Gedanken aber wieder. Was sollten die Haradrim auch von Ronon wollen. „Und überhaupt! Ich dachte, die Haradrim wären Gegner der Gondorianer. Warum dürfen sie dann hier unbehelligt ankern?“

„Sie sind nicht wie Haradrim gekleidet und benehmen sich auch nicht so. Diese Stadt ist Treffpunkt vieler Rassen, da fallen die Haradrim nicht weiter auf. Wer immer der Gefangene ist, ich möchte ihn nicht in der Hand von Haradrim wissen“, sagte Haldir. „Wir verfolgen sie und befreien ihn.“

Sheppard war einverstanden, auch wenn es sich nicht um Ronon handeln sollte. „Teyla, du bleibst mit McKay auf unserem Schiff. Rhiana, Haldir und ich werden die Haradrim verfolgen und versuchen den Gefangenen zu befreien.“

„Sollte ich da nicht mitkommen, Colonel?“, fragte Teyla.

„Jemand muss auf das Schiff aufpassen, und ich glaube nicht, dass Rodney dafür der richtige Mann ist“, sagte John leise zu Teyla.

Sie stimmte schweren Herzens zu und sah den dreien nach, die dem Ochsenwagen der Haradrim folgten.

Etwas vorher

Das Schiff, auf dem Faramir gefangen gehalten wurde, fuhr weiter den Fluss hinunter. Da die Luke die ganze Zeit geschlossen war, wusste Faramir nicht, wie viel Zeit vergangen und welche Tageszeit es war. Schließlich bemerkte er an den Bewegungen des Schiffes, dass sie anlegten. Faramir vermutete, dass mindestens zwei Tage vergangen waren. Bisher hatte er nur die Stimmen der Besatzung vernommen, doch nun gesellten sich noch andere laute Geräusche hinzu. Deshalb nahm er an, dass sie Pelargir erreicht hatten. Vielleicht ergab sich jetzt eine Gelegenheit zur Flucht oder wenigsten eine Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen. Noch befanden sie sich in Gondor und somit im Reich, dass sein Vater regierte. Und noch immer lagen hier Kriegsschiffe Denethors vor Anker.

Oben, an Deck, machte sich Geschäftigkeit breit, doch es dauerte lange, bis sich die Luke öffnete. Zwei Männer stiegen in den kleinen Raum und durchschnitten die Stricke, die ihn an den Pfosten fesselten. Dann zerrten sie ihn hoch und überprüften die anderen Fesseln. Die Stricke an seinen Beinen wurden durchtrennt. Sie packten ihn grob und zerrten ihn die kleine Holztreppe hoch. Oben warteten weitere Krieger auf ihn, unter ihnen der Mann, in dem Faramir den Anführer vermutete.

Seine dunklen Augen musterten den Gefangenen durchdringend. Faramir erwiderte den Blick, ohne sich seine aufkeimende Furcht anmerken zu lassen. „Falls du an Flucht denkst, vergiss es. Meine Leute haften mit ihrem Leben, dass du nicht entkommst. Sie haben zwar den Befehl, dich nicht zu töten, aber eine Verwundung schließt das nicht aus. Es liegt an dir, wie du das Ziel erreichst: heil und gesund oder verwundet. Was ist dir lieber?“

„Das Erste natürlich“, antwortete Faramir wahrheitsgemäß. „Trotzdem werde ich jede Gelegenheit nützen, um zu fliehen.“

Der Mann sah ihn erstaunt an. Vielleicht hatte er angenommen, Faramir wäre ein verweichlichter verwöhnter Edelmann, und nun erkannte er, dass er sich geirrt hatte oder auch falsch informiert worden war. „Wir werden das zu verhindern wissen. Vorwärts jetzt!“

Faramir sah sich um. Sie lagen in einem Hafen, abseits der belebten Anlegestelle. Seine Entführer, es waren zwanzig bis dreißig Mann, hatten alles genau geplant und vorbereitet. Er sah niemanden, nur ein kleines Segelschiff, dessen Besatzung aber nichts von seiner Entführung zu bemerken schien.

Faramir wurde vom Boot geschleppt und in einen Planwagen gebracht, der von vier schweren Ochsen gezogen wurde. Die ganze Zeit sah er sich nach Hilfe um, doch außer seinen Entführern war niemand zu sehen. Und diese ließen ihn keine Sekunde aus den Augen. Im Wagen wurde er wieder an den Beinen gefesselt und drei Wächter setzten sich ihm gegenüber auf den Boden des Karrens.

Als der Wagen sich rumpelnd in Bewegung setzte, richtete einer der Wächter seinen Bogen auf ihn. „Wenn du versuchst, um Hilfe zu rufen, bist du tot, egal, was der Anführer sagt. Und diejenigen, die dir zu Hilfe eilen wollen auch.“

Faramir sagte nichts. Zuerst waren die Geräusche draußen laut, dann wurde es immer ruhiger um sie herum. Bald hatten sie die Stadt hinter sich gelassen. Nach schier endloser Fahrt auf holpriger Straße hielt der Wagen an, wohl für eine Essenspause. Die Entführer schienen sich etwas sicherer zu fühlen, nachdem sie die Stadt hinter sich gelassen hatten. Auch Faramir wurde vom Wagen geholt und durfte sich unter scharfer Bewachung die Beine vertreten.

Er sah sich um. Der Sonne nach war es später Nachmittag. Vor ihnen lag offenes Gelände. Rechts von ihm befanden sich grasbewachsene Hügel. Nur das Zwitschern von Vögeln und die Stimmen der Männer unterbrach die Stille.

Die Rast dauerte aber nicht lange. Als die Haradrim daran gingen, ihn erneut in den Wagen zu laden, geschah es. Faramir sah zwei seiner Bewacher zu Boden sinken, und eine Stimme rief: „Lasst ihn auf der Stelle frei!“

Erstaunt blickte Faramir auf und sah auf dem Hügel neben dem Weg, drei Gestalten stehen. In den Händen hielten sie Langbogen, und die Pfeile waren drohend auf die Haradrim gerichtet.

Als die Entführer keine Anstalten machten Faramir loszulassen, fuhren einige Pfeile auf die Südländer zu und drei weitere Männer sanken tot zu Boden.

Eine weibliche Stimme rief jetzt: „Worauf wartest du? Lauf endlich los!“

Faramir begriff, dass er gemeint war, und da seine Füße noch nicht gefesselt waren, lief er einfach los. Der Hügel lag direkt vor ihm. Hinter sich hörte er das Fußgetrampel und die Schreie seiner Entführer, doch von oben gaben ihm die drei Retter Feuerschutz.

Mit nach hinten gefesselten Händen war es nicht leicht, den flachen Hügel hinaufzurennen, außerdem waren seine Beine durch die lange Fesselung schlecht durchblutet, doch es war seine einzige Chance, also gab er sein Bestes. Auf halber Höhe riskierte er einen Blick zurück. Einer der Verfolger hatte ihn fast erreicht, doch von oben kam ihm einer der Befreier zu Hilfe. Sein Schwert leuchte hell im Sonnenlicht, fegte den Haradrim von den Beinen und die Kraft des Stoßes warf diesen den Hügel hinunter.

Faramir war weitergelaufen und hatte den Kamm des Hügels erreicht, wo der zweite Mann und die Frau noch immer Pfeil um Pfeil auf die Verfolger abschossen. Der Mann, der ihm entgegen gelaufen war, stand wieder neben ihm und ließ ihm keine Zeit sich zu besinnen.

„Beeil dich gefälligst!“, herrschte sein Retter ihn an. Sie liefen um ihr Leben, doch seine Befreier schienen genau zu wissen, wohin sie wollten. Hinter dem Hügel begann ein großes Waldgebiet, welches ihr Ziel zu sein schien.

Inzwischen hatten auch die Südländer den Hügel erklommen und setzten zur Verfolgung an. Der Vorsprung, der vier, war, jedoch groß genug, um lange vor ihnen, den Wald zu erreichen. Dort liefen sie zwischen den Bäumen hindurch und standen bald vor einem scheinbar undurchdringlichen Dornengestrüpp. Doch seine Retter schienen vorbereitet zu sein, denn sie entfernten einige Büsche und zerrten Faramir mit sich. Ein schmaler Pfad begann dahinter. Die Frau verschloss den Eingang wieder und kam zu ihnen. Der Pfad endete auf einer kleinen Lichtung, auf der alle vier gerade Platz hatten. Sie kauerten sich auf den Boden und warteten.

Die Verfolger erreichten auch das Dornengestrüpp, doch sie liefen weiter, da sie nichts von dem Durchgang wussten. Und das sie sich in das Dickicht wagten, hielten sie für unmöglich. Sie warteten lange, ohne ein Wort zu sagen, denn es war immerhin möglich, dass die Verfolger zurückkamen und sie sprechen hörten.

Die Frau zog zwischendurch ein Messer und durchtrennte Faramirs Fesseln. Erleichtert rieb er sich die Hände. Nun hatte er Gelegenheit, die drei näher zu betrachten. Alle drei waren groß gewachsen und schlank. Die Frau hatte langes braunes Haar, dass von einem einfachen roten Band nach hinten gehalten wurde. Bekleidet war sie mit einem knielangen Rock, gefertigt aus feinsten silbernen Kettengliedern. Faramir sah auf den ersten Blick, dass die Glieder aus Mithril-Silber waren, wie es nur ein Zwergenvolk anfertigen kann. Die Füße steckten in Schuhen aus feinstem Leder, die bis zum Rock hoch geschnürt waren. Sie trug ein feines Kettenhemd und darüber eine Rüstung aus festen Silberplatten, die ihren Oberkörper schützte. Ein breiter Gürtel umspannte ihre schmalen Hüften, daran war ein Schwert in einer Scheide befestigt.

Der eine der Männer hatte dunkles, aber kurz geschnittenes Haar. Seine Bekleidung bestand aus einer Hose und einem Hemd aus feinem weichem dunklem Leder; das Kettenhemd, das seinen Oberkörper schützte, war ebenfalls aus Mithril-Silber hergestellt worden.

Der zweite Mann war zu seiner Überraschung ein Elbe. Er war groß, schlank mit langen blonden Haaren und zeitlosem Aussehen. Seine Bekleidung war fast mit der des dunkelhaarigen Mannes identisch.

Alle drei trugen noch einen Umhang aus dunkelgrüner Elbenseide, der von einer Spange in
Blattform gehalten wurden.

Als nach einiger Zeit nichts mehr zu hören war, sah der Elbe Faramir an. „Mein Name ist Haldir. Das sind John und Rhiana.“

„Ich bin Faramir aus Gondor. Vielen Dank für meine Rettung.“

Haldir sah ihn überrascht an. „Faramir? Der Sohn des Truchsesses? Dann haben wir eine gute Tat vollbracht.“

„Ja, aber nun ist es an der Zeit zu gehen“, mischte sich die Frau ein.

Als erster verließ der Elb das Versteck. Er winkte ihnen zu. John, Rhiana und Faramir verließen ihr Versteck mit aller gebotenen Vorsicht. Als sie den Waldrand erreichten, hielten sie erst nach ihren Verfolgern Ausschau. Von diesen war zum Glück nichts zu sehen oder zu hören. Trotzdem mussten diese noch in der Nähe sein, denn die Haradrim würden nicht so leicht aufgeben. Als es Abend wurde, suchten sie sich ein Versteck für die Nacht. Im Schutze der Bäume setzten sie sich auf den Boden. John und Rhiana holten etwas zu essen aus ihren Taschen und gaben auch Faramir davon. Es war ein karges Mahl, doch es sättigte und das genügte.

Während des Essens hatten sie Zeit, sich ihre Geschichte zu erzählen.

„Woher kommt ihr?“, fragte Faramir.

„Aus einer fernen Stadt, die wir Atlantis nennen“, erklärte Rhiana. „Du wirst bestimmt nicht davon gehört haben.“

„Nein, dieser Ort ist mir unbekannt. Seid ihr alle drei Elben?“

„Elben?“, meinte Sheppard amüsiert. „Wir sind keine Elben. Nur Haldir ist einer. Meine Heimatwelt heißt Erde und die von Rhiana Tengwar. Wir kamen durch ein Portal, dass wir Sternentor nennen. Unser Raumschiff funktioniert jedoch leider nicht in eurer Welt, also waren wir gezwungen, nach einem Gegenstand zu suchen, damit wir es wieder benützen können.“

„Portal? Raumschiff? Ihr benutzt seltsame Worte. Wenn ihr keine Elben seid, was seid ihr dann? Seid ihr etwa von den Valar geschickt worden?“

John und Rhiana sahen sich erstaunt an. „Nein, die Valar schickten uns nicht. Wir sind aus eigenem Antrieb hier.“

„Wenn die Valar euch nicht schickten, was ist dann der Grund für euer Hiersein?“

„Das war eigentlich ein Unfall. Und nun suchen wir das Aure. Das ist ein Gegenstand von großer Macht und von Wesen hergestellt, die sich Antiker nannten. In der Hafenstadt Pelargir liegt unser Schiff, die Seeschlange. Als wir an einem abgelegenen Dock anlegten, sahen wir zufällig, wie deine Entführer dich von einem Schiff zerrten. Das weckte unsere Neugierde, sodass wir beschlossen, euch zu folgen“, erzählte Sheppard.

„Diesem Umstand verdanke ich meine Freiheit“, sagte Faramir. Da fiel ihm etwas ein. „Ihr sucht das Aure? Aber das ist nur eine Legende.“

„Die Elben in Lothlórien sind sicher, dass es das Aure gibt. Es muss sich weiter unten im Süden befinden“, erklärte Rhiana.

Faramir sah Haldir an. „Du kommst aus Lothlórien? Dann werde ich mich euch anschließen.“
„Das wäre fantastisch“, fügte Rhiana hinzu. „Dann schlage ich vor, wir ruhen noch etwas und kehren anschließend nach Pelargir zurück.“

Noch weit vor Sonnenaufgang brachen sie auf. Da der Wagen der Haradrim auf dem Hinweg nur langsam über den unwegsamen alten Handelsweg hatte fahren können, hofften sie für den Rückweg weniger Zeit zu benötigen. Da aber die Südländer bestimmt noch nach ihnen suchten, wagten sie nicht den normalen Weg zu benutzen.

Haldir, Sheppard und Rhiana kannten einen im Dickicht verborgenen Pfad, der nicht weit von der Handelsstraße entfernt verlief. Diesen hatten sie bei der Verfolgung schon benützt. Er wand sich zwischen den Felsen, dem Dickicht und manchmal zwischen dicht stehenden Bäumen hindurch. Der Pfad war sehr ungepflegt und teilweise kaum noch zu erkennen, weil das Unterholz ihn überwuchert hatte.

Zweimal sahen sie auf dem Hauptweg kleine Gruppen der Haradrim, die sich anscheinend aufgeteilt hatten. Einmal konnten sie nur mit großem Glück eine Entdeckung vermeiden. So waren sie froh, als sie endlich die ersten Häuser der Hafenstadt auftauchen sahen.

Sie beeilten sich, das Hafendock zu erreichen. Dort herrschte wie immer viel Betrieb. Es roch nach Fisch und gebratenem Fleisch, Gewürzen und einigen Düften, die sie nicht einordnen konnten.

„Ich werde eine Nachricht an meinen Vater schicken, damit er sich keine Sorgen mehr zu machen braucht. Und auch auf keine Forderung der Haradrim eingehen muss“, sagte Faramir.

„Wird er nicht ärgerlich sein, wenn du nicht gleich nach Hause zurückkehrst?“, fragte Haldir.

„Er ist immer ärgerlich auf mich. Was immer ich auch tue, nichts kann ich ihm recht machen“, erklärte Faramir bekümmert.

Rhiana sah ihn mitfühlend an. „Das tut mir Leid. Warum behandelt dich dein Vater so?“

„Der Truchsess ist der Meinung, dass man in solchen kriegerischen Zeiten wie der unseren, seine Zeit nicht mit der Wissenschaft, Kunst und Musik vergeuden sollte. Für ihn zählt nur das Kriegshandwerk.“

„Aber du siehst wie ein erfahrener Krieger aus“, meinte Sheppard.

„Das bin ich auch, doch mein Vater will das nicht wahrhaben. Doch lassen wir das Thema. Suchen wir lieber jemanden, der die Nachricht meinem Vater überbringen kann.“

„Ich kann dir nachfühlen, wie das ist. Mein Vater wollte mich sogar umbringen lassen.“

Faramir blickte den Fremden verblüfft an. So weit würde selbst Denethor nicht gehen, zumindest hoffte der Krieger das. Doch John wollte anscheinend nicht weiter darüber sprechen.

Nach einiger Zeit fanden sie ein Handelsschiff der Gondorianer. Der Kapitän fühlte sich sehr geehrt, den jungen Fürsten persönlich kennen zu lernen. Er wollte ihn nicht mehr ziehen lassen, weil er das Unternehmen für töricht hielt. Faramir ließ sich jedoch nicht umstimmen, und so versprach der Kapitän, dem Truchsess eine Nachricht zu überbringen. Ihr Schiff würde gleich ablegen, sodass Denethor am anderen Tag die Botschaft erhalten würde. Eine angebotene Eskorte lehnte Faramir ebenfalls ab.

Das Schiff, welches Faramir hergebracht hatte, war nicht mehr da. An Bord der Seeschlange lernte Faramir noch zwei Freunde von John, Haldir und Rhiana kennen. Eine gut aussehende Frau namens Teyla und einen seltsamen Mann, der sich Rodney nannte.

Ihr Schiff war ein kleines Segelschiff mit einem Großsegel und einem kleinen Focksegel. Es würde sie alle sicher die Küste hinunterbringen. Das große Meer zu befahren hatten sie schließlich nicht vor. Ein günstiger Wind beschleunigte ihre Reise. Als der Morgen anbrach, erreichten sie das Mündungsgebiet des Anduin und somit die große Bucht von Belfalas.

Von dort aus nahmen sie Kurs in die große See nach Umbar, der großen Hafenstadt der Haradrim, die einmal ein wichtiger Stützpunkt der Gondorianer gewesen war. Heute herrschten dort wieder die Korsaren, auch wenn viele ihrer Schiffe vor einigen Jahren von einem Stoßtrupp Gondorianer unter der Führung eines geheimnisvollen Fremden vernichtet worden waren. Einige Zeit hatte Ruhe geherrscht, doch die letzten Jahre machten die Korsaren wieder groß von sich reden. Sobald sie Umbar erreichten, würden sie vorsichtig sein müssen. Doch bis dahin würde es, selbst wenn die Winde günstig wehten, noch zwei Tage dauern.


In der Nähe von Osgiliath

Boromir ritt an der Spitze seiner Krieger den Anduin entlang. Es waren ein paar Tage vergangen, seit sie auf Ronon getroffen waren. Sie hatten Orks gejagt und zurück nach Mordor getrieben. Die Waldläufer von Ithilien hatten ihnen wertvolle Hinweise geliefert. Nun galt es entlang der Grenze zu reiten, um weitere Einmärsche der Orks zu unterbinden. Diese wurden immer dreister, doch Boromir war klar, dass es war nur eine Frage der Zeit war, bis die Orks ganz Ithilien beherrschten und sie die Eindringlinge sein würden. Es sei denn, es geschah ein Wunder und die Herrschaft Saurons wurde gebrochen.

In der Nähe eines Hügels hielten sie ihre müden Pferde an. Der Himmel war von trüben tief hängenden Wolken überzogen, und mehr als einmal warfen sie besorgte Blicke nach oben. Wahrscheinlich würde es bald zu regnen anfangen. Es wurde Zeit, den Tieren eine Ruhe zu gönnen, und ein Blick auf seine Leute belehrte Boromir, dass auch sie eine Unterbrechung willkommen heißen würden.

„Hier bleiben wir“, sagte Boromir zu Castamir, der zu seiner Rechten ritt. „Lass ein Lager im Schutze des Hügels aufschlagen und kümmert euch um die Pferde.“

Castamir ritt davon, um die Befehle auszuführen.

Dann blickte Boromir Ronon an, der auf der an seiner linken Seite ritt. Er fragte sich, was in dem Mann vorging. Er sprach kaum und hatte nicht viel von sich erzählt. Nur, dass er auf der Suche nach Freunden war und hoffte, sie irgendwann wiederzufinden. Boromir hatte ihm seine Hilfe zugesagt.

Erleichtert führten die Krieger die Befehle ihres Feldmarschalls aus. Frohen Mutes machten sich daran, die Pferde zu versorgen und das Lager aufzuschlagen.

Mit einem Satz sprang Boromir aus dem Sattel seines braunen Pferdes Macar. Faramir hatte ihm einmal erklärt, dass dies in der Elbensprache Schwertkämpfer hieß.

Faramir!

Seit ihrem Aufbruch hatte er nichts mehr von ihm gehört. Er hoffte, dass es seinem Bruder gut ging und er sich unnötig Sorgen machte.

Boromir sah hinauf zum Hügel über dem Lager. Von dort würde er einen guten Überblick haben. Auf der Spitze standen schon zwei seiner Ritter Wache. Sie wollten schließlich keine Überraschung erleben.

Boromirs Zelt stand schon. So ging er hinein, entledigte sich seiner Rüstung und ging anschließend den Hügel hinauf. Seine Männer begrüßten ihn respektvoll. Genauso wie Faramir, liebten die Menschen Gondors auch Boromir von Herzen. Anders, als ihrem Vater Denethor war den Brüdern die Bevölkerung nicht egal.

Nein, Boromir korrigierte sich selbst. Auch Denethor sorgte sich um sein Volk. Etwas anderes zu behaupten wäre ungerecht, aber er mischte sich kaum unter die Leute, und so ahnte ihr Vater nichts von den Bedürfnissen der einfachen Menschen. Boromir und Faramir dagegen lebten unter ihnen und besuchten auch viele zu Hause. Das wurde den Brüdern von den Gondorianern hoch angerechnet.

Von der Spitze des Hügels aus hatte Boromir wie erwartet einen guten Überblick über das unter ihm liegende Land. Direkt vor ihm lag Osgiliath. Der Anduin teilte die ehemalige Hauptstadt Gondors in zwei Hälften. Heute war die Stadt nur noch ein Ruinenfeld, ein Schatten seiner ehemaligen Herrlichkeit. Es lag zu nahe an Mordor, dessen steile Berge direkt dahinter begannen. Dort irgendwo lag Minas Morgul und das Schwarze Tor. Früher war das die letzte Festung der Gondorianer vor der Grenze zu Mordor gewesen, heute befand sich die Befestigungsanlage jedoch in der Hand des Feindes.

Sah er in die andere Richtung, erblickte er die Ausläufer des Ered Nimrais, an dessen äußeren Ende Minas Tirith in den Berg gebaut worden war. Seine Türme ragten weit hinauf in den Himmel. Boromir wurde es warm ums Herz. Er liebte seine Heimat, und er würde alles tun, um sie zu schützen, selbst, wenn es sein Leben kosten sollte.

Boromir hob die Hand über die Augen. Er hatte richtig gesehen. Ein Reiter kam aus Richtung Minas Tirith entlang des Anduin geritten. Der Mann sah das Lager und ritt darauf zu. Boromir beeilte sich, den Hügel hinunterzurennen. Vielleicht brachte der Bote Nachricht von seinem Bruder.

Er erreichte das Lager genau in dem Augenblick, als der Ankömmling von seinem Pferd sprang und sich suchend umblickte. Als er Boromir entdeckte, kam er auf ihn zu.

„Feldmarschall!“, tief verbeugte sich der junge Ritter. „Ich bringe Euch Nachricht von Denethor, Eurem Vater.“

Mit diesen Worten überreichte er Boromir eine Schriftrolle.

Ungeduldig entrollte Boromir sie. Ronon, der neben ihn getreten war, sah, wie er während des Lesens ganz blass wurde. „Boromir, was ist passiert?“

„Mein Bruder wurde von Südländern entführt. Sie verlangen, dass mein Vater den Kampf gegen sie einstellt und Gondor unter ihre Herrschaft stellt“, sagte Boromir und gab Ronon die Schriftrolle, damit er sie selbst lesen konnte.

„Die müssen verrückt sein!“, entfuhr es Ronon, der die Nachricht nicht entrollte, denn die Schrift von Gondor konnte er nicht lesen.

Boromir sah ihn an. „Leider muss ich dir zustimmen.“

Ronon sah ihn an. „Das bedeutet, dass sie Faramir töten, wenn dein Vater nicht auf die Forderung eingeht.“

„Ganz genau. Mein Vater wird sie hinhalten. Das gibt uns die Gelegenheit, meinen Bruder zu suchen.“

„Aber wo sollen wir ihn denn suchen“, fragte Ronon.

„Wenn du ein Südländer wärst und einen solch wertvollen Gefangenen besäßest, wo würdest du ihn hinbringen?“

„Ah! Ich verstehe. Natürlich würde ich ihn in mein Land bringen.“

„Entführt haben sie ihn in Minas Tirith. Was ist nahe liegender, als den Anduin bis nach Pelargir hinunterzufahren. Dann über die alte Handelsstraße bis zur Poros-Brücke. Dort liegt die Grenze zu Gondor und den südlichen Ländern der Haradrim. Zu weit werden sie ihn jedoch nicht in ihr Land verschleppen. Es könnte ja immerhin sein, dass sie ihn noch als Tauschmittel gebrauchen können, falls Denethor sich auf einen Handel mit ihnen einlässt.“

„Du bist sehr scharfsinnig“, sagte Ronon bewundernd. „Wohin wenden wir uns also?“

„Die Pferde und die Männer sind immer noch müde. Es wäre nicht sehr ratsam gleich aufzubrechen. Wir reiten mit dem ersten Tageslicht. Zuerst entlang der Hügelkette des Emyn Arnen, dann zur alten Harad-Straße, und anschließend hinunter nach Süd-Ithilien bis zur Brücke über den Poros. Wenn nötig, werden wir noch weiter reiten. Es wird nicht leicht sein, aber wir finden ihn.“ Boromir wandte sich an die umstehenden Männer, die inzwischen mitbekommen hatten, was passiert war. „Ich befehle es niemanden mitzureiten, um meinen Bruder zur retten. Es wird ein langer und gefahrvoller Ritt. Wer nach Osgiliath oder Minas Tirith zurück möchte, dem sei es freigestellt. Es wird ihm nicht als Feigheit angelastet.“

„Ich komme mit!“, rief der erste Mann. „Fürst Faramir hat mir einmal das Leben gerettet.“

„Ich komme ebenfalls mit!“, rief ein Zweiter und so ging es weiter. Jeder Mann meldete sich.

Boromir war sehr froh über die Entscheidung seiner Ritter. Im Grunde hatte er auch nichts anderes erwartet. „Wir reiten morgen früh. Ruht euch jetzt aus.“

Die Stadt der Korsaren
Rhiana, Sheppard, Teyla, McKay, Haldir und Faramir erreichten Umbar in den Abendstunden des zweiten Tages. Umbar war die größte Hafenstadt von Harad und lag in einer tief eingeschnitten Bucht, etwas südlich von der Mündung des Harnen. Im Zweiten Zeitalter beherrschten die Númenórer die See mit ihren Schiffen und Ar-Pharazôn, der Goldene, der der mächtigste ihrer Könige werden sollte, eroberte Umbar. Sauron ließ er dort Gefolgschaft schwören und der, der nach dem Einen Ring strebte, folgte ihm als Ratgeber nach Númenor. Dies war der Beginn des Untergangs von Westernis und der Númenorer, deren Überlebende im Dritten Zeitalter Dunedain genannt werden.

Später wurde die Stadt von den Streitmächten Sauron erobert, bis sich die Gondorianer Anfang des Dritten Zeitalters Umbar zurückholten und zur Festung ausbauten. Später verloren die Könige von Gondor Umbar wieder an die Haradrim. Seitdem hörte der Krieg entlang der Südküste Gondors nie mehr auf.

Eigentlich wäre es besser gewesen Umbar zu meiden, doch sie brauchten neue Vorräte, da sie an der großen Öde entlang der Küste in südlicher Richtung segeln wollten, um so ganz unten im Süden die Stelle zu erreichen, wo der Legende nach die Lampe der Valar gestanden haben sollte.

Diese Legende war in den Augen McKays natürlich ausgemachter Blödsinn. Es war einfach unmöglich, dass früher einmal zwei Lampen die ganze Welt erhellt hatten und nicht die Sonne. Das konnte er als aufgeklärter Wissenschaftler nicht glauben. Doch wie in jeder Legende steckte auch in dieser ein Körnchen Wahrheit. In diesem Fall waren es vielleicht ZPMs, die einmal die Welt mit Energie und Licht versorgt hatten. Vielleicht war auch das Aure nichts anderes, als ein ZPM.

Der Legende nach war die Lampe von dem Valar Aule, dem Herrn über die Stoffe, die aus der Erde kommen, gefertigt. Der große Feanor, der größte Elbenschmied, der je gelebt hatte, war ein Schüler von ihm. Das Aure enthielt das letzte Licht der großen Lampe Ormal, die weiter unten im Süden einst gestanden haben soll. McKay vermutete, dass diese Valar die aufgestiegenen Antiker waren, und die Menschen dieser Welt Nachkommen derer, die nicht, oder später aufgestiegen, waren.

Entlang der Öde gab es weder Wasser noch Vorräte, weshalb sie ihre schrumpfenden Vorräte auffüllen mussten. Sie hatten beschlossen, dass McKay, Rhiana und Haldir an Bord bleiben sollten, während Sheppard, Teyla und Faramir an Land gehen wollten, um genügend Lebensmittel zu besorgen. Gold-, Silber- und Kupferstücke besaßen sie genug.

Die Seeschlange segelte in die Bucht hinein und hielt auf die Hafenstadt zu. Schon von weitem waren die Lichter zu sehen und der Lärm der Menschen war unüberhörbar. Sie suchten sich einen abseits gelegenen kleinen Landesteg aus. Nur zwei kleine Fischerboote waren in ihrer Nähe angedockt. Netze mit Fischen zum Trocknen war dort aufgehängt. Über allem lag der unverkennbare Geruch nach Fisch, vermischt mit dem Gestank nach Abfällen und brackigem Wasser.

Angewidert verzog Sheppard sein Gesicht, doch Sicherheit ging immer noch der Empfindlichkeit der Nase vor. Von den Fischern war nichts zu sehen oder zu hören. Die saßen wahrschein sicher zu Hause oder in einer der vielen Spelunken des Hafenviertels.

Sheppard, Faramir und Teyla zogen Mäntel über ihre Bekleidung. Die dunkelgrüne Unterbekleidung war neutral und verbarg, dass sie keine Südländer waren. Teyla konnte noch am ehesten als eine von ihnen durchgehen. Im Notfall würden sie einfach behaupten, aus einer weit entfernten Provinz Harads zu stammen.

Der kleine Beutel mit den Münzen war an einem starken Lederband befestigt, den Sheppard sich um den Hals hängte und unter seinem Gewand verschwinden ließ. Zur Sicherheit nahmen sie nur Silber- und Kupfermünzen mit. Sie wollten vermeiden, dass sich Gauner an sie heranmachten, weil sie viel Geld bei ihnen vermuteten.

Ein letzter Blick auf das Schiff zeigte ihm Rhiana und McKay, die sich unter Deck zurückzogen. Der Elbe ließ sich aus Sicherheitsgründen nicht an Deck sehen.

Mit schnellen Schritten gingen sie über den Steg, bis sie in belebtere Bereiche des Hafens kamen. Hier sah es anders aus. Hier lagen die größeren Schiffe angedockt. An ihren Flaggen und den schwarzen Segeln erkannten sie, dass es Schiffe der Korsarenflotte waren.

Aus Sicherheitsgründen machten sie einen weiten Bogen um diese, denn Sheppard wollte nicht in einen Trupp Freibeuter hineinlaufen. Die ausgebaute Festung über dem Hafen der Stadt konnten sie nicht erkennen. Gerüche bekannter und unbekannter Art strömten ihm entgegen. Es wimmelte nur so von Besuchern. Das kam ihnen zugute, denn so fielen sie weniger auf. Überall standen Händler an ihren Karren oder an ihren Ständen, wo sie ihre Waren feilboten. Gewürze, Fleisch, Obst und Gemüse gab es genauso wie Kriegswaffen und Gebrauchsgegenstände. An einigen Ständen wurden verführerisch duftende Speisen angeboten.

Johns Magen fing an zu knurren. Auch die anderen waren hungrig, und so kauften sie bei dem Händler duftendes frisch gebackenes Brot mit Fleisch belegt. Dazu tranken sie Wasser, denn sie wollten sich ihre Sinne nicht durch Alkohol trüben lassen.

„Wenn wir uns nicht in Feindesland aufhielten, könnte ich das alles geniesen“, meinte Teyla, während sie genüsslich ihr belegtes Brot aß.

Sheppard stimmte ihr zu, doch ein Besuch in einer Kneipe war einfach zu gefährlich. Nach dem Mahl besahen sie sich die übrigen Stände und erstanden Fleisch, Mehl, Gemüse und was man sonst noch für eine längere Fahrt brauchte. Dabei überließ Sheppard Faramir das Reden und Feilschen, denn er sprach die Sprache der Haradrim.

Auch einige große Fässer mit Trinkwasser waren dabei. Sie mieteten sich einen Träger, einen alten Haradrim mit einem Karren, um alles zum Schiff bringen zu lassen. Personen, die Lebensmittel für ihre Schiffe einkauften, waren an der Tagesordnung und erregten kein Aufsehen.

Das alles hatten sie nach zwei Stunden erledigt, und als sie das belebte Hafengebiet verließen, atmete Sheppard erleichtert auf. Alles war gut gegangen, doch er hatte ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache. Schließlich erreichten sie die Anlegestelle der Seeschlange und der Träger half ihnen, alles auf das Schiff zu laden. Danach wurde er reichlich entlohnt. Als er davon ging, sah ihm Sheppard hinterher. Er blickte über die Kaianlage, denn sein inneres Gefühl warnte ihn.

John wandte sich an seine Freunde. „Wir sollten sofort ablegen. Es ging zwar alles gut, aber ich habe ein ungutes Gefühl.“

„Auf ungute Gefühle sollte man immer hören. Sie retten einem oftmals das Leben“, meinte Faramir.

Sie verstauten die eingekauften Waren im kleinen Laderaum und zurrten sie gut fest. Dann entfalteten sie die Segel und holten die Leinen ein. Die Atlanter und Faramir beherrschten die Seeschlange gut. Bald segelten sie die schmale Bucht entlang, bis sie das offene Wasser erreichten.

Als das Schiff abgelegt hatte, entfernte sich von dem Steg eine dunkle Gestalt mit eiligen Schritten. Er hatte richtig vermutet. Die zwei Männer und die Frau, die ihm verdächtig vorgekommen waren, waren Gondorianer. Das würde den Kapitän der Feuerblitz sicher interessieren. Wenn sie das kleine Schiff verfolgten, aufbrachten und die Passagiere gefangen nahmen, würde das bestimmt viel Lösegeld einbringen.

Der Mann erreichte eines der großen Korsarenschiffe im Hafen und betrat es über die große Laufplanke. Die Besatzung kannte ihn und ließ ihn ohne weiteres bis zur Kabine des Kapitäns vordringen.

Der Kapitän, sein Name war Mauhúr, war ein Mann schneller Entschlüsse. „Du weißt, wohin sie segeln?“, fragte er seinen Hafenspitzel.

„Ja, Kapitän. Nach Süden, die Küste hinunter. Sie wollen an der Großen Öde vorbei und die Lampe der Valar suchen. Ich konnte sie belauschen.“

„Die Lampe der Valar? Schon wieder solche Verrückte. Nun gut, uns soll es recht sein. Wir holen sie mit der Feuerblitz schnell ein und bringen sie auf.“ Er warf dem Mann einen Beutel zu. „Für dich. Halte weiter die Augen auf für mich. Es soll nicht dein Schaden sein. Und wenn wir für die Sechs ein gutes Lösegeld bekommen, wirst auch du deinen Anteil erhalten.“

Der kleine Mann strahlte über das ganze Gesicht und verbeugte sich tief. Dann verließ er mit eiligen Schritten und großer Erleichterung im Herzen das Korsarenschiff. Er arbeitete für den Kapitän, weil er immer großzügig war, wenn er gute Tipps brachte, aber der Mann selbst war ihm unheimlich.

Inzwischen ließ der Kapitän das Schiff segelbereit machen. Mauhúr wollte die Beute auf keinen Fall entwischen lassen. Er war überzeugt, dass sie eine lohnende Trophäe abgaben.

Von dieser Gefahr ahnten die Freunde auf der Seeschlange nichts. Trotzdem waren sie bemüht mit Hilfe des Windes alles aus den zwei Segeln herauszuholen, was möglich war. Doch der Wind schien gegen sie zu sein.

Trotz der schwachen Winde brachten sie die Nacht über und die nächsten Tage eine gute Strecke zwischen sich und Umbar. Als die Sonne zum vierten Mal über dem Horizont aufging und einen schönen Tag versprach, erreichten sie das Gebiet der Großen Öde, eine kahle leere und unbewohnbare Region Fern-Harads, in dem kein Mensch leben konnte. Bisher hatte die Landschaft in den Küstenregionen sich lieblich gezeigt, und manchmal sah man kleine Fischerdörfer, doch nun waren nur noch Wüste und karge Felsformationen zu sehen.
Hin und wieder sahen sie auch einzelne große Felsen verstreut herumliegen, die den Eindruck vermittelten, von der Hand eines Riesen dorthin geworfen worden zu sein.

Im Grunde wussten sie nicht, wie lange sie brauchen würden, um das Gebiet zu erreichen, wo der Legende nach die Große Lampe Ormal auf einer riesigen Säule gestanden hatte, bis sie von dem Valar Melkor, der später Morgoth genannt wurde, zerstört worden war. Damit hatte die Zeit der Lampen geendet. Almaren, das erste Königreich der Valar, war in diesem verheerenden Krieg mit Melkor zerstört worden. Daraufhin zogen sich die Valar nach Aman, den Unsterblichen Landen zurück und gründeten ein neues Reich.

Die Karte von Elben war nicht sehr genau. Die Entfernungen würden wohl nicht stimmen. Und die Scanner funktionierten nicht. Was immer die Technik in dieser Welt versagen ließ, sie war allgegenwärtig. Kein Mensch, Elb oder Zwerg war in den letzten Jahrhunderten soweit gereist. Falls das vorher geschehen war, hatten die Reisenden keine genauen Aufzeichnungen darüber angefertigt. Sie wussten nur, dass an der Stelle zwei riesige Elbenfiguren stehen sollten, ähnlich den Argonath, den beiden Standbildern von Isildur und Anárion bei den Rauros-Wasserfällen.

An diesem Tag schien die Sonne heiß vom Himmel. Gegen Mittag frischte der Wind endlich auf und sie kamen schneller voran. Sie saßen an Deck oder gingen ihrer Arbeit nach. Das Schiff war so klein, dass es von den sechs ohne Probleme gesegelt werden konnte, und doch groß genug, um reichlich Platz für sich und eine kleine Ladung zu haben.

Rhiana und Teyla wechselten sich am Steuerrad ab. Rhiana war eine Meisterin im Segeln und hatte Teyla das nötigste beigebracht. Die Männer machten die gröberen Arbeiten wie Segel raffen, entfalten oder was auch immer notwendig war.

Fortsetzung nur, wenn es wenigstens ein Feedback gibt
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Scout
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BeitragVerfasst am: 09.12.2007, 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Selana,

ich finde es wirklich schade, dass sonst keiner postet, irgendwie ist das Forum doch noch bissl lahm. Würde gern mehr schreiben, aber schultechnisch bin ich im Vollstress mit Fortbildung, eigenen Prüfungen und so weiter, dass ich erst mal die Sachen lese, die ich noch nicht kenne (sofern ich das von der Zeit her schaffe)

Wie gesagt, ich hoffe, hier melden sich noch ein paar, denn die Geschichte ist nach wie vor einfach toll! Wäre schade drum.
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Selana
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BeitragVerfasst am: 10.12.2007, 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Scout: Ja, du hast recht. Hier geht es mehr als lahm zu. Deshalb bin ich auch schon am überlegen, ob ich hier überhaupt noch weiter posten soll. Viele Zweck hat es ja wirklich nicht.

4. Der Kampf mit dem Nazgûl

Boromir und seine Ritter brachen in aller Frühe auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als sie an den Ausläufern des Emyn Arnen entlang zur alten Harad-Straße ritten. Seit Ithilien von den Bewohnern verlassen worden war, wurde diese kaum noch benutzt. Entsprechend verwahrlost sah die Straße auch aus. Sie war schmutzig und überall gab es unterschiedlich große Löcher. Die Pferde konnten leicht stürzen und sich dabei die Beine brechen, weshalb sie langsamer als gehofft vorankamen. Neben der Straße zu reiten war auch nicht besser, denn da war das Gelände noch unwegsamer. Zudem waren Wolken aufgezogen. Ein heftiger Wind blies ihnen ins Gesicht und sie mussten ihre Mäntel oder die Umhänge fest um die Körper schließen. Und so, als wäre das noch nicht genug, fing es auch noch an zu regnen.

Davon ließen sie sich jedoch nicht aufhalten. An der Spitze seiner fünfzig Mann starken Truppe ritt Boromir auf Macar Richtung Süden. Das Schattengebirge, die Grenze zu Mordor, lag linker Hand und manch banger Blick wanderte hinauf zu den hohen Gipfeln der Berge, wo unzählige Schrecken hausten. Auch Boromir warf immer wieder einen Blick hinüber und ermahnte seine Ritter zu äußerster Wachsamkeit. Es war immer möglich, dass sie auf eine Meute Orks trafen, die vom Schattengebirge herunterkamen, um auf Beutejagd zu gehen.

Bis zur Poros-Brücke würden sie Tage benötigen, denn es waren über 140 Kilometer. So ritten sie den ganzen Tag, ohne ein Anzeichen von Bedrohung zu sehen oder zu hören. Als die Nacht hereinbrach, mussten sie den Pferden Ruhe gönnen und schlugen deshalb ein Lager auf. So nahe am Feind wagten sie es jedoch nicht, Feuer anzuzünden und vermieden auch jeden unnötigen Laut. Sie stellten mehrere Wachposten auf, die nach drei Stunden abgelöst wurden, damit niemand in der Wachsamkeit wegen Müdigkeit nachließ.

Am anderen Morgen ging es nach einem kargen Mahl sehr früh weiter. Zum Glück war das Wetter besser geworden und es regnete nicht mehr. Hin und wieder lugte sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor und spendete etwas Wärme.

Gegen Mittag horchte Boromir auf. Wie üblich ritt er an der Spitze. Er glaubte, ein fremdartiges Geräusch gehört zu haben. Sein Blick fiel auf Macar, der die Ohren zu spitzen begann und leicht unruhig wurde. Daraufhin hob Boromir die Arme und befahl der Truppe anzuhalten.

„Was ist, Boromir?“, fragte Ronon, der zu ihm aufgeschlossen hatte.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Boromir und sah sich argwöhnisch um. „Ich glaubte, ein Geräusch zu hören, und auch Macar ist unruhig.“

Die Pferde der anderen begannen nun ebenfalls unruhig zu werden, und einige fingen an zu tänzeln und zwei versuchten sogar ihre Reiter abzuwerfen. Daraufhin lauschten alle angestrengt.

Aus weiter Ferne war nun ein unheimlicher Schrei zu hören. Ein Ruf, so beängstigend, dass die sonst furchtlosen Ritter sich beklommene Blicke zuwarfen. Da hörten sie einen weiteren Schrei, näher als vorher.

„Nazgúl!“, rief Boromir, der das Geräusch erkannt hatte. Er hatte die unheimlichen Ringgeister und ihre Flugtiere, riesige fliegende Schlangen mit Krallen an den Füßen und Flügeln wie Fledermäuse, schon mehrmals gesehen und auch gehört. Bisher allerdings nur aus weiter Entfernung. Jedes Mal war es ihm kalt den Rücken hinuntergelaufen und er war der Kreatur lieber ausgewichen. Der Atem der Bestien war zudem giftig. Wer ihn einatmete, starb meistens kurz darauf einen qualvollen Tod. Die Flugtiere waren uralt. Älter noch als die Drachen, von denen zum Glück die meisten tot waren.

Die Ausläufer des Emyn Arnen lagen gerade hinter ihnen. Vor ihnen breiteten sich die Ebenen von Süd-Ithilien aus, linker Hand begleiteten sie die Ausläufer des Schattengebirges. Deshalb konnten sie nun auch neben dem Weg reiten und waren etwas schneller vorangekommen. Auf der Ebene wuchs kein Baum, zumindest nicht in ihrer Nähe, unter dem sie sich verstecken konnten. Für eine Gruppe von fünfzig Reitern wäre zudem ein ganzer Wald nötig gewesen. Vor ihnen schob sich ein Ausläufer des Schattengebirges tief in die Ebene hinein.

„Zu dem Berg!“, rief Boromir. „Vielleicht können wir uns dort verstecken.“

Es war ungefähr ein halber Kilometer bis zu dem Berg. Mit etwas Glück konnten sie es schaffen. Ein weiterer Schrei ertönte, ganz nahe diesmal.

Ein wilder Ritt begann.

Ronon warf einen Blick hinauf. Der erste Gipfel lag etwa einhundert Meter über ihnen. Dahinter ging es weiter nach oben. Doch über diesem ersten Gipfel tauchte nun der hässliche Schlangenkopf des Flugtieres des Nazgúl auf. Dicht hinter dem langen Hals saß die dunkle, schwarz vermummte Gestalt des Reiters.

Ein Nazgúl war ein Ringgeist. Halb Geist, halb Mensch, gefangen zwischen den Welten. Die Ringgeister waren einst große Könige der Menschen gewesen. Als Sauron die Ringe schmieden ließ, bekamen drei die Elben, sieben die Zwerge und neun die Menschen, doch die Menschen wurden von den Ringen beherrscht und korrumpiert. Zwar gab der Ring seinem Träger große Macht und verlieh ihm ein unnatürliches langes Leben, aber dafür verwandelten sich die Träger in diese unheimlichen Geistwesen, die nur Sauron als ihren Herrn anerkannten.

Durch das Wissen, das Ronon von den Atlantern bekommen hatte, ahnte er, dass die Ringgeister halb aufgestiegene Wesen waren. Gefangen zwischen den Dimensionen. Sheppard hatte ihm von so einem Wesen erzählt, das in der Heimatgalaxis des Colonels gelebt hatte. Sein Name war Anubis gewesen.

Ronons Pferd bäumte sich plötzlich vor Angst unter ihm auf, doch Ronon hatte damit gerechnet. Er hielt sich eisern fest und brachte den Hengst wieder unter seine Kontrolle. Das Pferd beruhigte sich schnell. Die Entschlossenheit seines Herrn schien auf das Pferd überzugreifen. Ronon war zum Kampf bereit. Der Nazgúl war jetzt direkt über ihm und schien es auf ihn abgesehen zu haben.

Sein Schwert würde ihm nicht viel nützen, deshalb ließ er es, wo es war, und holte seinen Bogen aus dem Köcher, der am Sattel des Pferdes befestigt war. Ein Pfeil war schnell aufgelegt und abgeschossen. Doch in der Hast hatte er schlecht gezielt und der Pfeil ging daneben. Jetzt schoss der Nazgúl auf ihn zu. Ronon trieb den Hengst an, und als sich das Flugwesen auf ihn herabstürzte, verfehlten die zuschnappenden Klauen ihn ganz knapp. Ronon sprach beruhigende Worte in das Ohr des Pferdes und trieb es an. Von dem Nazgúl verfolgt, ritt Ronon über die Ebene. Immer wieder schlug sein Pferd unverhofft Haken, so dass die Klauen des Flugtieres ihn immer wieder verfehlten. Jetzt ritt er wieder auf den Berg zu, wo die Ritter Gondors auf den Nazgúl warteten.

Die Ritter hatten den wagemutigen Ritt atemlos verfolgt, ohne gleich eingreifen zu können. Als Ronon wieder zurückkehrte, ritt Boromir an der Spitze der Truppe auf den Nazgúl zu, um ihm zu helfen. Sie hatten ihre Bogen gespannt und auch mancher Speer lag abwurfbereit in der Hand seines Besitzers. Sie bildeten eine weite Gasse, durch die Ronon reiten konnte. Der Nazgúl war dicht über ihn. Er flog in seinem Eifer, den Menschen endlich zu erwischen, genau in die Falle. Pfeile und Speere schossen auf das Flugwesen zu, und die meisten trafen auch ihr Ziel. Das Flugtier schrie vor Wut und Schmerz auf und warf seinen dunklen Reiter letztendlich ab. Jemand war auf die Idee gekommen Brandpfeile einzusetzen, und als mehrere davon den Ringgeist trafen und dieser Feuer fing, stieß dieser einen lauten durchdringenden Schrei aus und löste sich vor ihren Augen in Luft auf.

„Zauberei!“, riefen einige, obwohl ihnen bewusst war, dass sie einen untoten Geist nicht töten konnten. Sein Flugtier jedoch schon. Es war kein Geist sondern eine Züchtung Morgoths, des bösartigen und abtrünnigen Valar, dessen treuester Diener Sauron gewesen war.

Nachdem es seinen unheimlichen Reiter abgeworfen hatte, wollte es davonfliegen. Da es jedoch schwer verletzt war, bekam es keine richtige Höhe. Weitere Pfeile trafen es und schließlich stürzte es mit lauten Schreien zu Boden. Die Krieger Gondors gaben ihm den Rest, als es sich, um sich schlagend, auf dem Boden wälzte und dabei noch einige Unvorsichtige mit seinen Klauen traf. Als es seine letzten Zuckungen tat, stimmten die Ritter einen Siegesschrei an. Sie hatten einen der gefürchteten Ringgeister besiegt. Das war aber nur dem Wagemut Ronons zu verdanken gewesen, dessen Kampf mit dem Flügeltier sie sich nun bewundernd untereinander erzählten.

„Ronon! Bist du verletzt?“ Boromir kam zu ihm, als er schwer atmend sein Pferd anhielt.

„Nein, dank deinen tapferen Kriegern ging alles gut.“

„Was du da tatest, war kühn und mutig. Es wird in die Geschichte eingehen.“

Ronon winkte ab. „Es war weder kühn noch mutig, sondern geschah nur in Todesangst. Das Untier hatte es auf mich abgesehen.“

Boromir sah seine Ritter an. „Ist jemand verletzt worden?“

„Hathol und Telchar. Sie waren unvorsichtig, doch die Verletzungen sind nicht so schwer, dass sie nicht mehr reiten könnten. Ihre Wunden werden bereits versorgt.“

„Den Valar sei Dank“, sagte Boromir. „Wir hatten Glück, dass wir so viele, und es nur ein Nazgúl war. Wir sollten lieber weiterreiten. Vielleicht kommt der Ringgeist mit Verstärkung zurück.“

Unbehaglich sahen sich alle um. So schnell es die Pferde erlaubten, verließen sie den Ort des Geschehens. Einerseits waren sie stolz, einen Nazgúl besiegt zu haben, andererseits hatten sie Angst, dass der Entkommene mit Verstärkung zurückkehren könnte.

Bis zum Abend ritten sie schnell weiter. Zum Glück tauchte kein weiterer Nazgúl auf und auch keine Orks. Es schien, als hielte der Feind den Atem an, oder aber, als lauerte er irgendwo auf sie.


Die Korsaren von Umbar

Gegen Abend, die Sonne würde in etwa einer Stunde untergehen, stand Sheppard am Bug und starrte in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Er glaubte, etwas gesehen zu haben. Doch trotz seiner ausgezeichneten Augen entdeckte er nichts. Er beschloss, auf die Rah zu klettern. Flink kletterte er den Mast hoch, bis er den kleinen Korb für den Ausguck erreicht hatte. Dann holte er sein kleines Fernglas heraus.

Faramir kam gerade auf das Deck und beobachtete ihn. „Hast du etwas gesehen, John?“, rief er nach oben.

Der Colonel blickte angestrengt über das Meer. „Ein Schiff! Ich kann es jetzt deutlich sehen.“

„Verfolgt es uns?“

„Ich weiß nicht, das ist schwer zu sagen.“

„Kann du eine Flagge erkennen?“, fragte Rhiana.

„Noch nicht. Dazu ist es zu weit weg!“, rief Sheppard nach unten.

Inzwischen näherte sich die Sonne immer mehr dem Horizont und ging bald darauf blutrot unter. Die Nacht senkte sich langsam herab und Sheppard konnte nichts mehr erkennen. So kletterte er nach unten zu den anderen. Sie beschlossen die ganze Nacht über zu segeln, um so viel Entfernung wie möglich zwischen sich und das Schiff zu bringen. Denn über eines waren sie sich sicher: Es war viel größer als ihres. Vielleicht ein Korsar auf Beutesuche.

Am anderen Morgen, keiner der sechs hatte Schlaf gefunden, kletterte Sheppard wieder nach oben. Das Wetter hatte sich verschlechtert. Wolken zogen auf und gerade, als er sich in dem Korb eingerichtet hatte, fing es leicht zu regnen an. Das bedeutete, dass er nicht viel erkennen konnte. Aber auch etwaige Verfolger würden nicht mehr sehen können.

Sie beschlossen, dass Sheppard oben bleiben sollte, während Haldir, Rhiana, Teyla und Faramir abwechselnd das Ruder hielten. Die See wurde immer unruhiger. Ein kräftiger Wind blies inzwischen von der großen See herüber und drückte die Seeschlange immer wieder gegen die Küste. Die vier mussten öfters zusammen das Ruder halten, um nicht gegen die Küste und damit auf etwaige Felsen gedrückt zu werden.

Zu weit auf die offene See hinaus wollten sie aber auch nicht, denn dann konnte es sein, dass sie die Orientierung verloren. Immer wieder schoss eine Welle über das Deck, so dass sie sich bald anleinen mussten. Das schlechte Wetter hatte aber auch den Vorteil, dass ihr Verfolger, wenn es denn einer war, ebenfalls mit dem Meer zu kämpfen hatte. Und im Gegensatz zu ihnen konnte er sich nicht so dicht an das Land heranwagen. Drei Tage lang hauste das Unwetter. Am Morgen des vierten Tages bedeckte dichter Nebel das Wasser, doch die See hatte sich etwas beruhigt.

Die meiste Zeit hatten die fünf, mit langen Leinen angebunden an Deck verbracht. McKay hatten sie nach unten geschickt. Nachdem es wieder ruhiger wurde, banden sie sich los. Der Nebel war so dicht, dass sie sich kaum an Deck erkennen konnten.

„Ist mit euch alles in Ordnung?“, fragte Sheppard.

„Alles klar!“, kam es zurück.

„Nichts ist klar! Ich bin hungrig, müde und total durchnässt.“

Sheppard grinste bei McKays Beschwerde. „Vielleicht sollten wir uns eine ruhige Bucht suchen, ausruhen und feststellen, wo wir sind“, Sheppard kämpfte sich durch die Nebelschwaden zu seinen Freunden durch.

„Eine ausgezeichnete Idee!“, rief McKay.

„Was ist mit dem anderen Schiff?“, fragte Faramir.

„Im Sturm war nichts von ihm zu sehen. Und bei dieser Nebelsuppe kann man erst recht nichts erkennen. Vielleicht hat es inzwischen einen anderen Kurs genommen, und es wollte gar nichts von uns.“

Davon war Faramir nicht so überzeugt, doch er ließ es erst einmal auf sich beruhen. Das Wichtigste war nun eine ruhige Bucht zu finden.


Minas Tirith

Eine einsame Gestalt stand auf dem obersten Felsvorsprung des Berges, in den die Weiße Stadt gebaut worden war. Wie ein Keil oder der Bug eines Schiffes stieß dieser nach vorne und erlaubte einen überwältigenden Blick über die umliegende Landschaft. Die Menschen von Gondor hatten den Felsvorsprung mit weißem Marmor gepflastert und zur Sicherheit ringsum eine Mauer aus Steinen errichtet. Am Anfang des Vorsprungs stand auf einem großen Innenhof der Weiße Turm, davor der Brunnen mit dem verdorrten Weißen Baum.

Genauso eindrucksvoll war der Blick über die Pelennor-Felder, die von Wegen durchzogen waren. Hier und da sah man die Gehöfte der Bauern stehen, umgeben von Zäunen, in denen Tiere weideten. Die Bauern versorgten die Stadt mit Lebensmitteln und garantierten zusammen mit den Handwerkern den Wohlstand der Stadt. Auf den Straßen herrschte reger Verkehr. Es war Erntezeit und die Menschen, klein wie Ameisen von hier oben gesehen, gingen ihrer schweren Tätigkeit nach.

Gandalf der Graue, von den Gondorianern Mithrandir genannt, warf einen Blick hinüber zu seinem Erzfeind Sauron, der sich die letzten Jahre wieder zu regen begann. Der Vulkan Orodruin, was Berg des lodernden Feuers bedeutet, auch Amon Amarth, Schicksalsberg, genannt, leuchtete feuerrot hinter den ersten Bergen des Schattengebirges. Daneben, von hier nicht erkennbar, stand der dunkle Turm Barad-Dûr, der Sitz Saurons, dessen Anwesenheit aber nur durch das große Auge gezeigt wurde. Solange er den Einen Ring nicht besaß, konnte er keine wirkliche Gestalt annehmen.

Gandalf dachte daran, wie es kam, dass er hier bei den Menschen lebte. Sie würden nicht verstehen, was er war, nämlich ein Aufgestiegener. Genauso wie Sauron, der ein Orii war. Sauron lebte wie alle Orii in dem Wahn, sich als Gott anbeten zu lassen. Die Aufgestiegenen hatten ihm mehrmals die Suppe versalzen, doch dann das Interesse an der Welt Mittelerde verloren. Nur ihm und einigen Wenigen hatten sie erlaubt zurückzukehren. Doch in Mittelerde musste er als Mensch leben, mit nur wenig seiner alten Macht, denn hier funktionierte keine Technik. Ebenso waren seine Kräfte als Aufgestiegener eingeschränkt.

Gandalfs Gedanken kehrten zurück zu Bilbo Beutlin, dem kleinen Hobbit aus dem Auenland. Vor über fünfzig Jahren hatte dieser einen Ring der Macht gefunden und Gandalf vermutete, es könnte der Eine Ring sein. Den endgültigen Beweis hatte er aber noch immer nicht gefunden. Der Ring war eines der wenigen technischen Geräte, die hier funktionierten. Er würde Sauron erlauben, in Mittelerde einen menschlichen Körper anzunehmen. Nur Gandalfs Stab, oder der von Saruman, dem Obersten seines Ordens, besaß etwas von der Macht der Aufgestiegenen.

Bilbo lebte nun in Bruchtal, dem alten Imladris, dem Sitz von Elrond, dem Halbelben. Elben wurde die nicht aufgestiegenen Antiker dieser Welt genannt. Inzwischen jedoch hatten sich die meisten von ihnen entschieden aufzusteigen, und verschwanden einer nach dem anderen von dieser Welt.

Den Ring hatte Bilbo seinem Neffen Frodo überlassen, der in Beutelsend im Auenland wohnte. Immer wieder besuchte Gandalf ihn dort, um sich zu überzeugen, dass der Ring noch da war. Sollte es der Eine Ring sein, würde er früher oder später vernichtet werden müssen, um Saurons Macht endgültig zu brechen. Das konnte aber nur in den Feuern des Schicksalsberges geschehen. Dort war er vor Tausenden von Jahren von Sauron selbst geschmiedet worden.

Gandalf besaß viele Namen: Gandalf, der Graue in den Ländern des Norden, in Gondor und bei den Elben Mithrandir, der graue Pilger, Tharkûn bei den Zwergen, Olórin im Westen, im Süden Incánus. Richtig zu Hause war er aber nirgends. Lieber wanderte er umher, gestützt auf seinen Stab, gehüllt in seinen grauen Mantel. Zu Hause, in Valinor, der Heimat der Aufgestiegenen, war sein richtiger Name Olórin.

In Mittelerde hatte er mit Bedacht die Gestalt eines alten Mannes angenommen, um schon von vornherein wie ein Weiser auszusehen. Die Führer der Völker von Mittelerde hätten sonst nicht auf seinen Rat gehört. Sie hatten die Macht und das Wissen ihrer Vorfahren, der normalen Antiker vergessen. Eines Tages, wenn seine Aufgabe, die Vernichtung von Sauron erfüllt war, würde er nach Valinor zurückkehren.

Gandalf schreckte aus seinen Gedanken auf, als ein Reiter vor dem Turm anhielt und eiligen Schrittes in die Zitadelle hineinlief. Die Nachricht musste wichtig sein, sonst hätte er sein Pferd im sechsten Ring zurückgelassen. Es musste der gleiche Reiter sein, der vor einiger Zeit unten im Tal über die Felder des Pelennor aus Richtung Osgiliath geritten kam. Osgiliath war die alte Hauptstadt von Gondor, am Ufer des Anduin gelegen, der sie in zwei Teile spaltete. Nun war die Stadt nur noch ein Ruinenfeld und von seinen Bewohnern verlassen.

Jetzt befanden sich in Ithilien nur noch die Waldläufer, die das Land auskundschafteten. Obwohl sie verlassen war, wurde die Stadt gehalten, denn sie war ein wichtiger Hafen für Gondor und der letzte Außenposten gegen Mordor und seine gewaltige Macht. Schiffe kamen den Anduin herauf und brachten dringend benötigte Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände, die in Minas Tirith oder seiner Umgebung nicht hergestellt werden konnten. Vor kurzem hatte dort ein großes Handelsschiff angelegt. Wahrscheinlich hatte es wichtige Nachrichten mitgebracht.

Gandalf war hier, um weitere Nachforschungen über den Ring anzustellen. Doch die Bibliothek war riesig und er würde noch Jahre brauchen, um alles durchzusehen. Er hoffte, dass ihnen diese Zeit noch gegeben war. Denethor sah ihn nicht gerne in seiner Stadt. Davon ließ sich Gandalf jedoch nicht abschrecken und kam weiterhin her, um seine Studien fortzusetzen.

Die Stadt besaß die umfangreichste Bibliothek in ganz Mittelerde, und sollte er je den Beweis finden, dass Frodos Ring der Eine war, dann hier in Minas Tirith. Außerdem verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Faramir, dem jüngsten Sohn Denethors. Faramir war ein aufgeschlossener junger Mann, ganz anders als Denethor oder auch sein älterer Bruder Boromir. Boromir wollte von seinen Geschichten nichts hören und traf sich deshalb nie mit Gandalf. Sein Handwerk war die Kriegskunst, und er war mehr an Ruhm und Ehre interessiert, als an der Wissenschaft. Nicht das Schlechteste in diesen Zeiten, denn Kämpfer wie Boromir wurden dann dringend benötigt, doch beides zu verbinden wie Faramir es tat, gefiel Gandalf bei weitem besser.

Einer seiner Freunde hatte ihm berichtet, dass Faramir entführt worden war. Gandalf hatte schon daran gedacht loszuziehen, um ihn zu suchen. Doch davon hatte ihn seine Pflicht abgehalten. In ein paar Tagen wollte er zum Auenland aufbrechen und Frodo Beutlin einen weiteren Besuch abstatten, um sich zu vergewissern, dass der Ring noch in Sicherheit war.

„Mithrandir!“

Die Stimme in seinem Rücken schreckte ihn erneut aus seinen Gedanken. Ein junger Ritter Gondors stand vor ihm. Der Krieger zeigte nach Osgiliath, wo das Schiff vor Anker lag. „Der Kapitän des Schiffes hat eine Botschaft von Faramir. Er konnte seinen Entführern entkommen. Ich dachte, diese Nachricht würde Euch interessieren.“

„Ja, und wie!“, rief Gandalf erfreut aus. „Wo ist Faramir denn?“

„Der Truchsess ist außer sich. Der junge Herr kehrte nicht mit dem Schiff zurück, sondern ging mit Fremden auf Schatzsuche.“

„Schatzsuche?“, fragte Gandalf erstaunt.

„Sie suchen das Aure. Das ist ein ...“

„... Edelstein, der noch einen Rest des Lichtes der Lampe Ormal in sich trägt und seit Jahrtausenden als verschollen gilt.“

„Das ist doch nur eine Legende“, sagte der Ritter.

„Meint Ihr, junger Freund? Nun, es gibt viele Dinge auf der Welt, die zwar Legende sind, aber trotzdem der Wahrheit entsprechen“, erklärte Gandalf geheimnisvoll.

„Wollt Ihr damit sagen, dass es das Aure gibt?“

Bevor Gandalf antworten konnte, sah er Denethor mit seinem Gefolge aus der Zitadelle stürmen. Sie kamen auf direktem Wege auf ihn zu.

Mit feuerrotem Kopf zeigte Denethor auf ihn. „Das ist nur Eure Schuld, Mithrandir! Ihr habt meinem Sohn solche Flausen in den Kopf gesetzt. Das Aure zu suchen! So ein Unsinn! Eigentlich sollte ich Euch festsetzen, aber dank meines guten Herzens weise ich Euch nur aus der Stadt. Verlasst Minas Tirith auf der Stelle, bevor ich meine Meinung ändere.“

Da Gandalf sowieso vor hatte zu gehen und Faramir in Sicherheit war, widersprach er Denethor nicht. „Beruhigt Euch, Truchsess! Ich war schon auf dem Weg, die Stadt zu verlassen. Und was euren Sohn angeht, er hat seinen eigenen Willen und ist ein guter, aufgeschlossener junger Mann. Kümmert Euch lieber etwas um ihn. Ihr habt es nicht verdient, ihn als Sohn zu haben.“

Damit drehte sich Gandalf um und ließ den perplexen Truchsess einfach stehen. Zu Fuß ging er zur vierten Ebene hinunter und suchte dort sein Pferd auf, dass er in einem warmen und sauberen Stall der Stadtwache untergebracht hatte. Die Soldaten mochten und unterstützten Mithrandir.

Das Pferd hatte er von Théoden, dem König von Rohan, geschenkt bekommen. Es war keines der Mearas, aber aus der Zucht der Rohirrim, den Pferdeherren. Sein Elbenname war Gildin, was in der Sprache der Menschen Silberfunke bedeutete. Silberfunke war ihm ein treues und zuverlässiges Pferd. So verließ Gandalf Minas Tirith und machte sich auf den weiten Weg nach Rohan.

An Bord der Seeschlange

Während das Schiff langsam an der Küste entlangsegelte, war der Nebel immer noch so dicht, dass sie nichts sehen konnten. Als vor ihnen ein kleiner Einschnitt auftauchte, steuerten sie ihr Schiff hinein. Hier konnten sie den Sturm abwarten, um später zu versuchen ihre Position zu bestimmen, denn sie hatten keine Ahnung, wie weit sie der Sturm vorwärts gebracht hatte.

Faramir stand neben Rhiana am Ruder und versuchte, in dem Nebel etwas zu erkennen. Die Nebelsuppe war jedoch so dicht, dass er nichts erkennen konnte. Immerhin hatte Rhiana es geschafft, einen einigermaßen sicheren Ankerplatz für sie zu finden. Nun mussten sie einfach abwarten.

Immer wieder kehrten Faramirs Gedanken zurück nach Minas Tirith. War es selbstsüchtig von ihm gewesen, dieses Abenteuer mitzumachen? Bisher hatte sein ganzes Dasein im Dienst des Volkes gestanden. Aber hatte nicht auch er das Recht, einmal im Leben das zu tun, was ihm Spaß machte? Es ging ihm nicht um das Aure. Es war ihm egal, ob das Artefakt existierte oder nicht. Aber einmal eine solche Reise zu machen, war sein geheimer Wunschtraum gewesen.

Nachdem sie sicher vor Anker lagen, beschlossen sie sich etwas Ruhe zu gönnen. Bevor der Sturm sich nicht beruhigte und der Nebel sich verzogen hatte, konnten sie sowieso nichts unternehmen.

Nach einigen Stunden Schlaf unter Deck kam Faramir wieder nach oben. Die anderen schienen noch zu ruhen. Nur Teyla stand am Ruder und hielt Wache. Faramir sah zufrieden, dass sich das Meer beruhigt und auch der Nebel sich verzogen hatte. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel herunter. Ihrem Stand nach, war es schon fast Mittag. Nun konnte er auch die nähere Umgebung betrachten. Sie lagen wie erwartet in einer kleinen Bucht, gerade groß genug für ihr kleines Schiff. Ein größeres Schiff hätte die Einfahrt niemals passieren können. Ringsum nur Felsen und dahinter Wüste, im Grunde ein trostloser Anblick.

Er trat zu Teyla, die ihm aufmunternd zu lächelte. „Es ist alles in Ordnung, Faramir. Der Nebel hat sich verzogen. Wir können jederzeit aufzubrechen.“

„Die anderen scheinen noch zu schlafen. Was ist mit dir, edle Dame. Hattest du nicht den Wunsch zu ruhen?“

Teyla lächelte angesichts der seltsamen Ausdrucksweise des jungen Fürsten. Doch es war üblich in diesem Lande so zu sprechen. Zumal der junge Krieger aus einem noblen Hause stammte. „Ich hatte meine Ruhepause schon. Da ich eine Kriegerin bin, ist es für mich selbstverständlich, mich an der Wache zu beteiligen.“

„Ihr seid seltsame Menschen. Fast so wie Mithrandir.“

„Wer ist Mithrandir?“

„Ein Zauberer und edler Mann. Er lebt schon viele Menschenalter in diesem Lande, und ist oft ein Gast in unserem Hause, auch wenn mein Vater das nicht gerne sieht.“

Teyla blickte ihn aufmerksam an. Faramir sprach oft von seinem Vater, obwohl dieser ihn wohl nicht sehr gut behandelte. „Meine Eltern leben leider nicht mehr. Sie wurden von den Wraith getötet.“

„Wraith“.

„Du würdest sie als Dämonen bezeichnen. Sie sind menschenähnlich, aber mit weißer Hautfarbe und seltsamen Gesichtern. Sie ernähren sich von Menschen, indem sie ihnen das Leben aussaugen. Zurück bleibt nur eine leere Hülle. Ihr seid von ihnen bisher verschont geblieben, weil in Mittelerde keine Technik funktioniert. Meine Leute jedoch werden seit mehreren Tausenden von Jahren von ihnen terrorisiert. Doch seit das Volk von Sheppard bei uns aufgetaucht ist, bekämpfen wir sie zum ersten Mal erfolgreich.“

„Sheppard und Rhiana gehören nicht zu deinem Stamm?“

„Nein, sie sind Fremde aus einer anderen Welt. Sheppards Leute tauchten aus dem Nichts auf, in fliegenden Schiffen. Sie sind fast noch wie unsere Vorfahren, die ein großes Wissen besaßen, das uns weitgehend verloren ging.“

Faramir erstarrte. Also hatte er recht gehabt. Sie waren von den Valar geschickt worden. Plötzlich stutzte er. Hatte er draußen auf dem Meer nicht eine Bewegung gesehen? Sicher war er sich aber nicht, schließlich besaß er nicht die scharfen Augen eines Elben.

„John! Haldir!“, rief er nach unten.

Sofort streckte Haldir seinen Kopf aus der Kajüte und war mit wenigen Sätzen bei ihm. „Gibt es Schwierigkeiten?“

„Noch nicht, aber ich glaube, da draußen auf dem Meer ist etwas. Deine Augen sind schärfer als meine.“

Haldirs Blick folgte Faramirs ausgestrecktem Zeigefinger. Und wirklich, als er sich einen Augenblick konzentrierte, sah er einen Flecken am Horizont.

Sheppard und Rhiana tauchten auf. John holte sein Fernglas heraus und blickte durch. Jetzt erkannte John deutlich das Segel eines Schiffes, das an der Einfahrt zu ihrer Bucht entlang segelte. Hoffentlich hatte es sie nicht gesehen.

„Da draußen ist ein Schiff“, meinte Haldir.

McKay tauchte als Letzter auf.

„Was ist los?“ rief er schlaftrunken.

„Ob es das gleiche Schiff ist, dass wir schon einmal gesehen haben?“, fragte Rhiana.

„Stark anzunehmen. Nicht sehr viele Schiffe kreuzen diese Gewässer. Und dann sehen wir in zwei Tagen gleich zwei Schiffe? Das ist kein Zufall“, meinte Faramir.

„Ob es uns bemerkt hat?“, fragte McKay besorgt.

„Das bezweifle ich“, Sheppard blickte immer noch durch das Glas.

„John hat recht. Es ist an der Bucht schon vorbei. Unsere Segel sind unten, und die Felsen vor der Einfahrt sind ein guter Sichtschutz“, meinte Haldir.

„Wir sollten dem Schiff einen Vorsprung lassen“, schlug Rhiana vor. „Wenn wir die Verfolger sind, können wir uns besser auf sie einstellen.“

„Der Vorschlag gefällt mir“, stimmte Faramir zu.

So warteten sie einige Stunden, bis sie sicher waren, dass der Vorsprung des Schiffes groß genug war. Dann hissten sie die Segel und steuerten die Seeschlange langsam aus dem winzigen natürlichen Hafen.

Den ganzen Tag und auch die folgenden vier Tage setzten sie ihre Fahrt fort, ohne den fremden Segler zu Gesicht zu bekommen. Schon begannen sie zu hofften, dass es nicht von ihnen gewollt hatte.

Als sich die Nacht des fünften Tages nach ihrer Abfahrt aus der kleinen Bucht über sie hereinsenkte, versuchte Faramir wieder einmal anhand der Sterne ihre Position zu bestimmen. Bisher hatte er damit kein Glück gehabt. Doch heute sollte sich das ändern. Der Gondorianer erkannte zu seiner Überraschung einige Sternbilder und fragte sich, warum er diese in den vergangenen Nächten nicht erkannt hatte. Er stellte fest, dass sie weiter gekommen waren, als angenommen. Der Sturm hatte sie weit in den Süden getrieben. Sie mussten ihr Ziel bald erreichen.

Die Nacht über segelten sie weiter. Am anderen Morgen entdeckten sie das fremde Schiff. Der Kapitän musste umgedreht sein, als er sie nicht fand. Und nun war er wieder hinter ihnen und schien sie entdeckt zu haben, obwohl sie dicht unter Land fuhren.

Eine wilde Verfolgungsjagd begann, denn der andere Segler war schnell. Zum Glück konnten sie dicht unter Land segeln und auch an Riffen vorbeikommen, die dem Verfolger die Bordwand aufgeschlitzt hätte. Gegen Abend hatte sich ihr Vorsprung trotzdem verringert. In dieser Nacht zündeten sie kein Licht an Deck an. Vielleicht konnten sie im Schutze der Dunkelheit entkommen.

Rhiana hatte das Steuer übernommen und Sheppard leistete ihr Gesellschaft, da er sowieso nicht schlafen konnte. Die Besatzung des fremden Schiffes war nicht so vorsichtig wie sie. Deutlich konnten die beiden die Lichter sehen, und das Lachen und Gegröle der Besatzungsmitglieder hören.

„Das schaffen wir nie“, sagte Rhiana zu John. „Sie sind immer noch hinter uns. Bald geht die Sonne auf und sie sehen uns. Sie sind jetzt auf gleicher Höhe wie wir, nur weiter draußen in der See.“

„Was schlägst du vor?“

„Gehen wir an Land und versuchen zu Fuß unser Ziel zu erreichen. Noch sehen sie uns nicht und wir ...“

In diesem Augenblick schlug dicht neben ihnen ein Feuerblitz ein, und gleich darauf ein zweiter, so dicht, dass das Wasser über die Planken spritzte.

„Sie schießen auf uns!“, John rief die anderen an Deck. „Anscheinend können sie uns doch sehen!“

Eine weitere Feuerkugel schlug in ihr Segel ein, woraufhin es Feuer fing. Zwar schafften sie es, den Brand zu löschen, doch ihr Segel war beschädigt. Es blieb ihnen nichts weiter übrig, als es einzuholen.

„Wir schaffen es nicht“, meinte Faramir schließlich nach einer weiteren Stunde Katz und Mausspiel mit dem Verfolger.

„Dann sollten wir an Land gehen“, schlug Sheppard vor. „Es wird auch schon dämmrig. In Kürze geht die Sonne auf.“

In der Tat konnten sie inzwischen deutliche Umrisse erkennen. Das fremde Schiff hatte sie, wie auch immer, die ganze Zeit über gesehen und nur darauf gewartet, nahe genug heranzukommen, um es mit ihren Feuerkugeln erreichen zu können. Da das Segel nicht mehr zu gebrauchen war, mussten sie die Ruder zu Hilfe nehmen. Jetzt lag vor ihnen eine große Bucht mit weißem Sandstrand. Felsenriffe und Klippen, die weit ins Meer hineinreichten, verhinderten jedoch, dass ein großes Schiff anlegen konnte. Ihr kleiner Segler würde es, mit etwas Glück und der Hand eines erfahrenen Steuermannes schaffen, sich zwischen den Felsen und Riffen hindurchzuschlängeln.

Rhiana übernahm das Steuer und manövrierte das Schiff mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Felsen und Klippen hindurch, die manchmal den Rumpf des Schiffes streiften. Mehrmals dachte Sheppard voller Schrecken, dass der Rumpf aufgerissen worden wäre, doch jedes Mal war das Glück auf ihrer Seite. Schließlich lagen die Riffe und Felsen hinter und der wunderschöne Strand vor ihnen. Ihr Verfolger konnte ihnen wie erwartet nicht folgen, doch schon wurden dort kleine Beiboote ausgesetzt. Somit hatten sie nur einen kleinen Vorsprung herausgeholt.

Sie verankerten die Seeschlange so dicht am Strand, wie möglich und sprangen ins Wasser. Jeder hatte sich schon einen Tragebeutel mit Lebensmitteln gepackt, um für den längeren Marsch bereit zu sein. Ein letzter Blick traf die Seeschlange. Hoffentlich sahen sie ihr Schiff wieder.

So schnell sie konnten, liefen sie über den weißen Sandstrand und verschwanden im angrenzenden Felsenwirrwar. Die Große Öde lag zum Glück hinter ihnen. Nachdem der Sturm sich verzogen hatte, war entlang der Küste zwar keine Wüste mehr zu sehen gewesen, dafür jedoch eine felsige und nicht weniger öde Landschaft. Riesige Felsblöcke und karger Boden säumten die Küste. Die Korsaren, sie hatten nun keinen Zweifel mehr, dass es welche waren, würden sie weiter verfolgen.

Kaum nahm das Felsenmeer sie auf, erreichten auch schon die drei Boote den Strand. In jedem saßen vier Korsaren, alle bis an die Zähne bewaffnet. Die Seeschlange war ihnen bereits als Beute sicher; die Gondorianer würden ihnen auch nicht entkommen. Sie zweifelten nicht daran, dass die sechs an der Küste entlang wandern würden. Daher war ihr Kapitän auf die Idee gekommen, von zwei Seiten die Verfolgung aufzunehmen. Mit den Besatzungen der Beiboote an Land, und mit der Feuerblitz weiter an der Küste entlang. Früher oder später liefen die Verfolgten ihnen in die Falle.

Mauhúr war wütend. Er hatte angenommen, es mit leichter Beute zu tun zu haben, doch sie hatten sich als ebenbürtige Gegner erwiesen. Trotzdem gedachte er nicht, sie durch seine Finger schlüpfen zu lassen.

Inzwischen eilten Faramir, Teyla, McKay, Haldir, Rhiana und Sheppard durch das Felsenmeer. Sie wussten nicht, wie weit es noch war. Das vor ihnen liegende Gelände war sehr unübersichtlich, dazu kamen noch die Verfolger. Zu weit vom Meer durften sie sich auch nicht entfernen, da sonst die Gefahr bestand, sich in dem Felsengewirr zu verirren. Außerdem hatte das Aure der Legende nach direkt am Strand gestanden. Das wussten aber bestimmt auch ihre Verfolger, und würden dort ganz sicher auf sie warten. Falls die Legende stimmte, mussten die großen Elbenfiguren nicht zu übersehen sein. Es sei denn, auch sie wären zerstört worden.

Der Weg, den sie gehen mussten, entpuppte sich als schwierigeres Gelände als gedacht. Es war im Grunde genommen kein richtiger Weg. Immer wieder hörte der schmale Pfad einfach auf und sie mussten über Steingeröll und Felsbrocken klettern, bis sie wieder so etwas wie einen begehbaren Pfad fanden. An manchen Stellen waren die Felsen haushoch, an anderen Stellen leicht überschaubar. Immer wieder kletterten sie auf einen hohen Felsen und hielten Ausschau nach ihren Verfolgern und dem Meer, um sich nicht zu verirren. Doch ihre Verfolger hatten mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so dass sie keinen zu Gesicht bekamen. Die sie verfolgende Galeere sahen sie nicht.

McKay hatte es am schwersten. Sheppard machte sich Sorgen seinetwegen. Er hoffte, dass Rodney durchhielt. Wenn er geahnt hätte, wie schwierig diese Mission werden würde, hätte er ihn nicht mitgenommen. Doch McKay war so scharf auf die Energiequelle gewesen, dass nichts ihn davon abgehalten hätte mitzukommen. So hoffte er, dass sich die Mühe auch lohnen würde, und sie am Ende das Ding auch fanden.

Er befahl öfters eine Ruhepause, um McKay Gelegenheit zu geben sich zu erholen. Längst hatte Rodney es aufgegeben, sich zu beschweren. Stattdessen verwendete er seine ganze Kraft darauf durchzuhalten .

Auch Faramir hatte bemerkt, dass Rodney Schwierigkeiten hatte mitzuhalten. Die Frauen dagegen zeigte für ihn ungewohnte Stärke, und hielten lässig mit ihm, Haldir und John mit. Als sie wieder einmal auf einem hohen Felsen hockten und Ausschau hielten, sahen sie weit draußen auf dem Meer das Segel des Korsarenschiffes, welches entlang der Küste in Richtung Süden segelte. Obwohl sie damit gerechnet hatten, entmutigte es sie etwas.

Am Abend des vierten Tages waren sie so müde und ausgelaugt, dass sie sogar auf eine Wache verzichteten, was natürlich großer Leichtsinn war. Doch da sie zwischen den Felsen so etwas wie eine Höhle fanden, in der sie sich verkriechen konnten, riskierten sie es einfach. Außerdem nahmen sie an, dass ihre Verfolger genauso geschafft wie sie waren.

Gegen Mittag des fünften Tages fanden sie, was sie suchten. Der Anblick ließ sie sofort alle Müdigkeit vergessen. Selbst McKay sammelte seine letzte Kraft und raffte sich nochmals auf.

Vor ihnen, direkt am Wasser, standen zwei große Statuen. Sie waren mindestens dreißig Meter hoch und stellten einen Mann und eine Frau dar. Es waren Finwe, der erste König der Noldor-Elben und seine erste Frau Miriel, die Eltern des großen Feanors, des Schöpfers des Aure und des Silmaril.

„Unglaublich!“, rief Faramir aus. „Die Figuren sind da! Vielleicht enthält die Sage dann doch ein Tröpfchen Wahrheit.“

„Vielleicht sogar mehr als ein Tröpfchen“, Rhiana zog die Karte hervor, die den genauen Standort des Aure anzeigte. Direkt am Wasser musste sie gestanden haben. Natürlich war nach dieser langen Zeit nichts mehr von ihr zu sehen, doch da die Figuren noch existierten, musste auch das Aure irgendwo sein.

Doch erst einmal mussten sie sich ausruhen. McKay sank in den warmen Sand, entschlossen keinen Schritt mehr zu tun, und war schon Augenblicke später vor Erschöpfung eingeschlafen. Die anderen ließen ihn ruhen. Sie waren genug, um Wache zu halten.

„Dein Freund scheint kein Krieger zu sein“, meinte Faramir.

„Nein, das ist er nicht. Er ist ein Mann der Wissenschaft. Ich bin ein Krieger, Rhiana und Teyla ebenso. Unsere Aufgabe ist es, Männer wie McKay zu beschützen. Diese Mission geht über seine Kräfte. Ich mache mir Sorgen um ihn.“

„Ich werde ebenfalls auf ihn aufpassen, denn ich habe Verständnis dafür, dass ein Mann sich auch für die schönen Künste interessiert.“

John war Faramir sehr dankbar für diese Worte. Zusammen mit dem Gondorianer stieg er auf einen Felsen, um mehr Übersicht zu gewinnen. Teyla, Haldir und Rhiana blieben am Strand, um über McKay zu wachen. Von ihren Verfolgern war nichts zu sehen, auch nicht auf dem Wasser, und so wagten sie es, ein kleines rauchloses Feuer anzuzünden, um ein warmes Essen aus ihren letzten Vorräten zu kochen. Teyla fing sogar mit einem improvisierten Speer ein paar Fische.

Wäre nicht die Gefahr mit den Korsaren gewesen, hätte das alles sogar ein gemütliches Picknick werden können. Am späten Abend war das Essen fertig und sie weckten McKay.

Fortsetzung folgt
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