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Leseprobe "Katzenspuren"



 
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Kris
Schreiberling



Anmeldungsdatum: 18.09.2007
Beiträge: 212
Wohnort: Solingen

BeitragVerfasst am: 15.01.2008, 09:38    Titel: Leseprobe "Katzenspuren" Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben! Ich will den Reigen der Fantasy mal mit einem Auszug aus meinen ersten Roman beginnen. Keine Sorge, irgendwann poste ich auch mal anderes.

Katzenspuren

(Heyne 06/6007, ISBN 3-453-08682-1, 255 Seiten erschienen 1995, im Handel bis mindestens 2003)

ist ein spannender, abenteuerlicher und humorvoller Fantasy-Roman in orientalischen Ambiente. Er entführt den Leser in das südliche Aventurien, in die Tulamidenlande nach Rashdul im Jahre 15 nach Hal.

Die Diebin Djamilla Azila und der Stadtwachenkommandant Ilnamar ay Shorn, die eigentlich erbitterte Feinde sind, haben beide sehr persönliche Gründe gegen den geheimnisvollen Orden der Dashinim zu arbeiten, der mit dem "Katzenblut" ein mächtiges, magisches und der Göttin Rondra geweihtes Artefakt an sich bringen will.
Während die beiden sich zusammenraufen und alten Vorurteile vergessen müssen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Koshul, ein Dashinim ist auf der Suche nach den Teilen des Artefaktes, die ihn in alte Gräber und die Unterwelt Rashduls führen.


Das klingt nicht gerade neu, aber ich habe versucht, eine für den Leser mitreißende Geschichte zu gestalten und auch Charaktere zu schaffen, mit denen er lachen und leiden kann. Ilnamar und Djamilla bleiben ein Liebespaar, wie man es nur selten findet - und vor allem stehen sie fernab jeden Klischees. Mit Koshul werden auch die Gründe und Wünsche der anderen Seite offenbar, und so spannend wie der Roman beginnt, endet er auch wieder.

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Prolog

Djamilla sprang blitzschnell hinter die Deckung eines Vorsprunges und zog eines ihrer kleinen Wurfmesser aus dem Gürtel. Dann hielt sie den Atem an und lauschte angespannt. Doch wie sie erwartet hatte, vernahm sie keinen verdächtigen Laut.
'Von den Zwölfen verdammt soll dieser Hund sein!' fluchte sie innerlich. 'Ich war nicht ganz bei Sinnen, als ich Nadans Herausforderung annahm! Ich hätte bereits bei seinem Lachen mißtrauisch werden sollen. Ich hätte ahnen müssen, daß er alles vorbereitet hat, und die Kechans besser kennt als ich! Schuld daran ist nur dieses verfluchte Amulett!'
Sie biß sich auf die Lippen, um ein haßerfüllte Stöhnen zu verschlucken, das sich in ihrer Kehle geformt hatte. Sie durfte sich nicht ablenken lassen! Langsam beugte sie sich vor, um in den Gang zu spähen.
In dem Dämmerlicht, das durch die wenigen Spalten und Erdrisse fiel, konnte jede vermeintliche Bewegung auch eine Sinnestäuschung sein.
In der angespannten Stille war nun ganz in der Nähe das Tröpfeln von Wasser zu hören. Djamilla fuhr zurück: In den Schatten hatte sich etwas geregt. Sie warf das Messer.
Ein höhnisches Lachen erklang und hallte von den Wänden wieder, als Metall gegen blanken Fels klirrte. »Heh, du kleine Katze! Streckst du deine Krallen aus, um den Fuchs damit zu kratzen?«
Djamilla nutzte diesen Augenblick, um ihren Standort zu wechseln und sich dem Rufer, die hellen Stellen meidend, zu nähern. Einen Wimpernschlag lang sah sie eine Gestalt vor sich, die aber sofort wieder mit der Dunkelheit verschmolz. Ein blitzender Gegenstand flog auf sie zu.
Die geschmeidige Diebin duckte sich gedankenschnell. Um Haaresbreite entging sie dem Wurfstern, dessen Lufthauch ihre linke Wange streifte. Sie konterte mit einem eigenen Wurfgeschoß, das sie im Abducken geschleudert hatte und grinste befriedigt, als ein zorniges Fluchen vor ihr erklang.
Da war er!
In einem Kreis aus mattem Licht zog der drahtige schwarzhaarige Mann die Klinge aus dem Arm und warf sie wütend beiseite.
Djamilla stürmte los, als sie bemerkte, daß er abgelenkt war, und hebelte ihm mit einem gezielten Fußtritt den gebogenen Dolch aus der Hand, den er versteckt in seiner Linken gehalten hatte.
Jeder Unerfahrenere wäre in die Klinge gelaufen, aber aus Jugendtagen kannte Djamilla den hinterhältigen Trick dieses listigen Phexsohnes. Ihr Rivale krallte seine Rechte in ihren Arm und versuchte sie von den Beinen zu reißen.
Die Diebin drehte sich. Sie schlug gegen seinen Oberkörper und fühlte im selben Moment, wie sich ihre freie Hand mit einer fettigen Schmiere bedeckte.
Mit einem wilden Schrei verkrallte sich Djamilla in seinen kurzen gelockten Haaren - und rutschte wiederum ab. Denn wie seinen Körper hatte Nadan auch seine Haare mit Öl eingeschmiert, um schlüpfrig wie ein Fisch aus den braunen Fluten des Mhanadi zu sein.
Ihre Hand glitt, einer Liebkosung gleich, über sein Gesicht, während sich Nadans Griff verstärkte. Erst jetzt bemerkte sie, daß er angerauhte Lederriemen um seine Hände gewickelt hatte, um selber Halt zu haben.
Er schaffte es nun, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen, doch Djamilla trat gegen seine Beine.
Gemeinsam fielen sie zu Boden. Vielen kleine Steinchen drückten schmerzhaft durch die Ledertunika in Djamillas Rücken.
Die Diebin fauchte. Dennoch gelang es ihr, Nadan seitlich abzudrängen, ehe er sie mit seinem Gewicht am Boden festnageln konnte. Sie wälzten sich mehrere Male über den unebenen Grund.
Für beide ging es um Leben oder Tod. Nadan wie Djamilla kannten die Gesetze der Unterstadt, auch dieses eine: Eine Herausforderung mußte mit dem Tod eines Kämpfers enden - sonst verlor der Sieger sein Gesicht und hatte einen unerbittlichen Gegner in seinem Rücken!
Nur einer würde die Kechans lebendig verlassen, die vergessenen Grabstätten und uralten Abflußkanäle unterhalb der verkommenen Häuser und Elendshütten der Unterstadt. Kechans: Diesen besonderen Namen hatten die Bewohner Rashduls geprägt.
Djamilla kämpfte um ihr Leben. Sie hätte den Zweiten ihrer Gilde, der schon ein besonderer Liebling Mawuds gewesen war, nicht aus den Augen lassen sollen...
Jetzt war es zu spät! Der drahtige schwarzhaarige Mann mit seinen 25 Jahren war wesentlich kräftiger und größer als sie - Vorteile, die er nun ausnutzte.
Er stieß Djamilla mit voller Wucht von sich, so daß die junge Frau gegen die unbehauene Felswand prallte, ehe sie ihm einen Tritt in den Unterleib versetzen konnte, der ihn mit Sicherheit ausgeschaltet hätte.
Und schon kam er wieder auf sie zu, glaubte sie noch benommen und handlungsunfähig. »Hurenbalg!« zischte er. »Wage das nicht noch einmal!«
Djamilla lachte. Sie hatte seinen wunden Punkt getroffen, denn Nadan prahlte unter den Dieben Rashduls mit seiner Manneskraft, die sie selbst schon einige Male genießerisch in Anspruch genommen hatte.
Sie achtete nicht auf ihre protestierenden Muskeln und die brennenden Striemen auf ihrem Rücken, als sie auf die Beine kam und mit einer Hand nach unten, mit der anderen aber in sein Gesicht zielte.
»Es wäre doch schade, wenn du mir keine andere Wahl mehr lassen würdest!« spottete sie und sprang hinter ihm her, als Nadan ihr auswich, drängte ihn in einen der wenigen lichtdurchfluteten Räume.
Nur die Überreste der vor langer Zeit von Golgaris Schwingen davongetragenen Toten sahen ihnen aus ihren Nischen zu. Staub wirbelte auf, als der Mann zu tänzeln begann, sich plötzlich krümmte und wie ein wilder Stier auf seinen kleineren Widerpart losging. Mit einem heftigen Schlag fegte er sie zu Boden, warf sich dann auf sie, um ihr keine Gelegenheit zu geben, sich aus der Bauchlage zu ihm zu drehen und zu treten.
Seine Rechte packte in die Flut kupferfarbener Haare und riß ihr den Kopf so weit in den Nacken, daß ihr die Tränen in die Augen schossen, während eines seiner Knie sich schmerzhaft in ihren Rücken bohrte. Über ihre Bemühungen, sich aus dieser Lage zu winden und mit einem verdrehten Arm nach ihm zu schlagen, lachte er nur.
»Nun Djamilla Azila, Shanja der Diebe?« stieß er höhnisch hervor und spuckte auf sie hinunter. »Wer ist jetzt der Sieger. Ich könnte dir ganz einfach das Genick brechen.«
»Warum tust du es dann nicht?« keuchte die Diebin unter Schmerzen und stöhnte leise auf. »Mach ein Ende!«
Sie wurde ruhig und entspannte sich, so gut sie es in dieser Lage vermochte, denn noch hatte sie nicht mit ihrem Leben abgeschlossen. Um einen besseren Halt zu haben, stützte sie sich ab, und wartete. Denn es gab noch einen Ausweg!
Nadan schien dies zu ahnen und verstärkte den Druck in ihrem Rücken.
»Versuch' nicht, mich wieder reinzulegen!« drohte er. »Sonst werde ich einen Weg finden, dich langsam zu töten. Wie würde es dir gefallen, zu sterben wie...« Er verstummte, und sie konnte sein boshaftes Grinsen förmlich vor sich sehen. »Du bist eine Frau, und eine reizvolle noch dazu. Ich glaube, es wäre eine Belohnung für dich, wie andere Weiber, die uns ärgern, zu sterben! Du würdest bei der für uns lustvollen Strafe noch Vergnügen empfinden...«
Er machte erneut eine bedeutungsschwere Pause. »Ich glaube ich werde dich leben lassen, aber so, daß du mir nicht mehr zur Gefahr werden kannst, nicht einmal durch deinen Körper...«
Djamilla durchfuhr ein kalter Schauer. Er wollte sie verstümmeln und entstellen! Sie bäumte sich unwillkürlich auf und schrie vor Schmerz, als Nadan ihren Kopf noch weiter nach hinten riß, und eine Hand aus den Haaren löste.
»Ich werde gleich damit anfangen...« Er verlagerte sein Gewicht, um sie zu drehen, damit sie auf dem Rücken und zu ihm gewandt unter ihm lag. Dies war ein Fehler. Nadans zweiter, in einer der Stiefelscheiden versteckter Dolch hatte sich verhakt, und er mußte Kraft aufwenden, um ihn herauszuziehen. Dabei lockerte sich sein Griff in Djamillas Haaren.
Djamilla krallte ihre Finger um Nadans Hand und trieb ihm die Nägel so tief ins Fleisch, daß er ihre Haare fahren ließ.
Sie wand sich unter ihrem Gegner heraus wie eine Schlange und wich dann mit einer Seitenrolle seinem Messer aus, schleuderte den Dreck, den sie mit einer Hand zusammengekrallt hatte, in sein Gesicht.
Nadan hustete und fluchte, versuchte sich den Schmutz aus den Augen zu wischen, während Djamilla sein Messer mit einem geschickten Griff an sich brachte.
Sie holte aus, um ihn zu erdolchen, als plötzlich der Bolzen einer Armbrust dicht an ihrer rechten Schulter vorbeisirrte und sich tief in die Wand bohrte.
Schritte, die rasch näher kamen, waren aus einem der nicht einzusehenden Gänge zu hören.
»Tötet sie!« brüllte Nadan und versuchte, Djamilla das Messer aus der Hans zu reißen, als seine drei Kumpane - die Diebeskönigin erkannte vor allem die kräftige Gestalt Maliks, des Schlitzers - in die kleine Halle stürzten. Nadan schaffte es, die Frau von sich zu stoßen und aus ihrer Reichweite zu kommen. Djamilla sah sich gehetzt um. Sie hatte anderes zu tun, als ihm nachzusetzen.
Zwei der unerwarteten Gegner hatten gespannte Armbrüste in den Händen, Malik warf Nadan nun seinen Säbel zu und zog sein gefürchtetes Messer mit der gezackten Schneide.
Sie kamen langsam auf Djamilla zu, die nur noch zurückweichen konnte...





1. Kapitel

Einen Monat zuvor.
Grüne Augen blitzten aufmerksam hinter dem Rand eines Zeltes hervor. Sie folgten dem Mann, bis er im Menschengewühl des Basares verschwunden war. Djamilla richtete sich auf und grinste so hinterlistig, daß der Tuchhändler, bei dessen Stand sie sich aufhielt, seine Börse fester packte und das zierliche, in eine bauchfreie Bluse und eine Pluderhose gekleidete Mädchen argwöhnisch musterte. Mit seiner freien Hand machte er eine Geste gegen Unheil.
Die Diebin schleuderte ihr rotes, nur durch ein schmales Band am Hinterkopf gebändigtes Haar von den Schultern zurück und strich über einen der zarten pfirsichfarbenen Schleier, während der Mann wütend das Gesicht verzog und auf sie zukam. Lachend drehte sie sich weg.
'Wo bist du, mein schöner, mutiger und stattlicher Hauptmann?', dachte sie und zwinkerte fröhlich, was ein junger Novadi als Einladung zu nehmen schien, löste er sich doch von dem Waffenstand auf der anderen Seite und kam auf Djamilla zu, die aufreizend ihre Hüften bewegte, ehe sie mit einem geschmeidigen Sprung zwischen einer Gruppe von schnatternden Dienerinnen und einer fremdländischen Schar blonder, hühnenhafter Thorwaler verschwand.
Enttäuscht gab der Mann sein Vorhaben auf, wie Djamilla mit Erleichterung feststellte, als sie aus der Deckung eines Früchtestandes wieder auftauchte. Grinsend spielte sie mit einem goldgelben Pfirsich und biß dann herzhaft hinein. Zu einer anderen Zeit hätte sie sicherlich erwogen, diesen Wüstenprinzen in eine Falle zu locken und sich mit ihm auf verschiedenste Weise zu vergnügen, aber an diesem Tage war sie auf der Jagd nach wohlhabendem Wild. Sie leckte sich den Pfirsichsaft von den Lippen und warf den Rest einem streundenden Hund zu. Einen Moment erwog sie, dem alten Haimamud ibn Haimamud al Abras zu lauschen, aber er erzählte heute nur wieder einmal die Geschichte von Dashim und den Götterjuwelen, die sie schon oft gehört hatte. Ihre Augen suchten im Gewühl des Basars eine grün-gelb leuchtende Uniform.
'Oh ja, es ist heute nicht ganz ungefährlich, hier zu sein, hat er doch seine Leute zur Bewachung auf den Markt geschickt, damit sie endlich ein paar von uns Dieben fangen', stellte sie fest und spielte mit der Verschnürung ihrer Bluse. 'Aber was wäre das Leben ohne ein bißchen Gefahr! Deine Bluthunde sind nicht besonders aufmerksam in dieser Hitze...', grinste sie, als einer der Stadtgardisten von Nadan, ihrem Stellvertreter in der Gilde, um seine Börse erleichtert wurde. Der drahtige, schwarzhaarige Dieb tändelte schon wieder unschuldig mit einer Sklavin, als der Mann den Verlust bemerkte und sich hastig, aber ergebnislos, nach allen Seiten umblickte.
Djamilla seufzte und blickte auf. Die Sonne brannte heiß von einem wolkenfreien blauen Himmel auf die Paläste, Häuser und Hütten und ließ nicht nur die goldenfarbigen Kuppeldächer jenseits der Mauer leuchten, sondern auch eine Glocke aus Gestank über dem Basar und der Unterstadt entstehen. Die Stadtmauern verschwammen in dem stinkenden Dunst
Die Mittelländer, die nicht davon lassen konnten, in ihrer dicken, steifen Wollkleidung oder gar in Rüstungen durch die Stadt zu schlendern, wischten sich immer wieder den Schweiß von der Stirn und waren die besten Kunden der Wasserverkäufer und Weinhändler.
Eine blonde Frau öffnete sich stöhnend das Lederwams, ein Brustbeutel kam zum Vorschein, Djamillas Rechte zuckte vor: Mit einem der scharfen, kleinen Wurfmesser, die sie in ihren breiten Armbändern verborgen hielt, trennte sie den Tragriemen der Börse durch.
Zufrieden summend schob sie das Beutelchen unter ihre Schärpe und steckte die Klinge fort. Vermutlich befand sich nicht viel darinnen - aber so viel Dummheit mußte einfach bestraft werden. Dann lehnte sie sich gegen einen Brunnen, um die Nordländerin weiter zu beobachten, die nun mit einem Wasserverkäufer feilschte und entsetzt zusammenzuckte, als sie bemerkte, daß ihr Geld verschwunden war. Hilfloses Suchen folgte... Djamilla konnte durch den Lärm des Marktes nicht verstehen, was sie sagte.
Doch schon nach kurzer Zeit ließ sie ihren Blick wieder über den Basar streifen. Der Platz war nicht groß, so daß sie ihn von ihrem leicht erhöhten Standpunkt am östlichen Rand übersehen konnte. Ein lauer Wind umschmeichelte sie und brachte die vielfältigsten Gerüche mit sich, den Duft gebratenen Fleisches von den Ständen der Essensverkäufer, Gewürze, die Ausdünstungen der Menschen und Tiere. Am gegenüberliegenden Rand des Marktes drängten sich Bauern aus dem Umland um Ziegen, Schafe und laut protestierende Mherwatis, die sogar die Rufe der eifrigsten und lautesten Händler noch übertönten. Sie beobachtete grinsend, wie Rhamun al Khar, der wie ein Ziegenbock stinkende alte Straßenhändler um einen dunkelhaarigen Mann herumwieselte und ihm mit quäkender Stimme seine Waren anbot, die er in einer Lade vor seinem Körper trug.
»Hört mich an, edelster aller Herren! Bitte gewährt Eurem unterwürfigen Diener ein bescheidenes Wort. Ich will Euch...«, schwatzte er drauflos und ließ sein Opfer nicht zu Wort kommen.
Djamilla verließ den Brunnen, um sich unauffällig zu nähern und verstand, als sie Rhamuns Kunden zu Gesicht bekam, warum sich der Alte gerade ihn ausgesucht hatte. Mit den Narben im Gesicht, die sich quer über die Wangen zogen und die Oberlippe wulstig enden ließen, und der unsauber zusammengewachsenen, gebrochenen Nase fand er nicht leicht eine Frau, die bereit war, mit ihm das Bett zu teilen, obgleich früher stattlich gewesen sein mußte. Kein Wunder, daß der alte Ziegenbock gerade ihm seine geheimnisvollen Mittelchen anpries, die die Mädchen gefügig und sinnlich machten.
»Sohn der Tapferkeit, höre mich, deinen armseligen Diener an! Soll deine Manneskraft - denn bei Ras'Raghs Hörnern, ich sehe sie in dir - nicht auch die schönen, wilden Blüten Rashduls erfreuen? Seht, Bruder des Schwertes und des wilden Stieres, dieses Pulver, in Wein aufgelöst, wird sie willig in deine Arme sinken lassen!«
»Geh weg, du stinkender Bock!« Der Mann stieß den alten Händler ärgerlich beiseite und eilte mit weit ausholenden Schritten an Djamilla vorbei, während Rhamun mit seinen Händen wütend herumfuchtelte, rot anlief und zeternd Flüche hinter dem »undankbaren Sohn einer Distelpflanze und eines Merwhati« herschrie.
Die Diebin beschloß, ihm zu folgen, hatte sie doch, als sein Mantel ob der schnellen Gangart aufklaffte, interessante Dinge an seinem Gürtel gesehen. Nicht nur einen vielversprechenden Beutel, sondern auch einen juwelenbesetzten Dolch und das abgenutzte Heft eines Kunchomers. Der Fremde war ein erfahrener Kämpfer, und das machte es noch spannender, ihm seinen Beutel zu entreißen.
Djamilla wartete geduldig, bis sich der Mann an einen der Pfannkuchenverkäufer wandte und mit diesem zu reden begann. Sie tat so, als betrachte sie die Seidentücher an einem der anderen Stände und beobachtete die Feilscherei, bis sie den richtigen Augenblick gekommen sah. Geschmeidig wie ein Katze zwängte sie sich durch die Menschen.
Der Schall von Posaunen ließ den Mann aufhorchen. Er blickte wie viele der anderen zum Madamaltor, das von den Wächtern geöffnet wurde. Dabei schob er seinen Mantel unwillkürlich zurück. Djamilla stolperte gegen ihn, als er sich reckte um die verschleierte, in einer Sänfte sitzende Gestalt, die eben durch das Tor getragen worden war, besser sehen zu können. Für Djamilla war es nichts neues, daß die Shanja den Basar besuchte. Sie hielt den Atem an, als sie das Leder ertastete und zückte ihren kleinen Dolch. Kaum hatte sie jedoch den schweren Beutel in ihrer Hand, umschloß eine eisenharte Faust ihr Gelenk, und der Bestohlene riß sie mit einem wütenden Schrei herum.
Djamilla war nicht bereit aufzugeben. Sie zielte mit ihrem Messer auf seine Augen und trat gegen seine Beine. Wie ein getroffener Löwe brüllte er auf und ließ sie wieder los, um der Klinge auszuweichen, die fast seine Haut berührte, während die Diebin herumwirbelte und sich mit den Ellenbogen einen Weg bahnte. Die Menschen um sie herum reagierten erst kaum. Sie waren noch immer von dem Schauspiel am Madamaltor abgelenkt und stolperten nur verwirrt zur Seite.
Erst als der Ruf »Haltet die Diebin!« über den Basar gellte, grapschten einige Mutige nach ihr, doch Djamilla teilte Tritte und Schläge aus, sprang auf eine niedrige Mauer und hieb auf das Hinterteil eines Mherwati, der laut schreiend auskeilte und die Menge zurückweichen ließ. Der Bestohlene verfolgte sie.
Auch einige Wachen, die durch den Tumult aufmerksam geworden waren bahnten sich einen Weg durch die gaffende Menge
Djamilla lachte und klemmte sich dann die Bänder des Beutels zwischen die Zähne. Die Vorsprünge einer Steinwand ausnutzend kletterte sie geschickt wie ein Äffchen auf die Trennmauer zwischen zwei Häusern und sprang dann zu einem Balkon hinüber. Sie landete zwischen zum Trocknen ausgelegten Blättern und hustete, als der scharfe Geruch ihre Schleimhäute reizte. Lachend winkte sie einer kreischenden Matrone zu, während sie ein Holzgerüst nutzte, an dem ein schweres Tuch befestigt war, um gänzlich nach oben zu klettern und über das Dach zu laufen. Hastig sah sie sich um. Nur mit einem Sprung konnte sie es schaffen, auf ein anderes Haus zu gelangen, das weiter in das Labyrinth der Unterstadt hineinführte. Hinten ging es hinab zu einem abgegrenzten Innenhof. Wenn man sie dorthin trieb, war sie gefangen, selbst wenn sie den Sprung unbeschadet überlebte.
Einer der Gardisten schob sich gerade auf das flache Dach und rappelte sich auf, ein anderer schien durch das Innere des Hauses über eine Treppe nach oben gelangen zu wollen. Krachend flog eine Holzluke, auf und sie sah sich dem Hauptmann der Stadtwache selber gegenüber, den sie an seinem dunkelbraunen Haar und bartlosen Gesicht erkannte. Ilnamar ay Shorn überragte sie um mehr als einen Kopf. Seine grauen Augen blitzen wütend und entschlossen.
»Du von Ratten gezeugte Ausgeburt der Dämonen!« zischte er. »Bleib wo du bist!«
Djamilla tänzelte über den kalten Stein.
'Ich darf nicht stehen bleiben!', dachte sie.
Ilnamar ay Shorn stieg gänzlich auf das Dach und versuchte Djamilla zwischen sich und den anderen Verfolger zu drängen. »Gib auf, du elende Schlange! Du kannst von hier aus nicht entkommen, es sei denn, du vermagst auf den Schwingen des Windes zu reiten!«
Die Diebin nahm die Bänder des Beutels aus dem Mund und streckte die Arme aus. »Du weißt, daß ich das nicht kann! Ich habe einen Ruf zu verlieren!«
»So!« spieh er aus. »Welchen hast du schon zu verlieren, Diebin?«
Djamilla spürte, daß er versuchte, sie zu reizen. Sie lachte und spielte sein Spiel mit. »Ich bin die Shanja der Diebe, Ilnamar, mein stattlicher Hauptmann. Mich fängt man nicht! Mich besiegt man!«
Sie holte tief Luft, als sie einen zweiten Soldaten auf das Dach kommen sah.
»Und dazu gehört mehr als die Tollpatschigkeit eines Kriegers!« rief Djamilla aus, ehe Ilnamar ihr antworten konnte, und nahm Anlauf. Sie sah unter sich die Soldaten in der engen Gasse und hörte Ilnamar fluchen. Dann landete sie katzengleich auf dem nächsten Dach und lief, ohne sich noch einmal umzublicken weiter. Über eine Stiege kletterte sie zu einem Balkon hinab, hangelte sich über ein zwischen den Häusern gespanntes Seil auf einen anderen zu, und ließ sich dann aus zwei Schritt Höhe in die Tiefe fallen, genau zwischen den Unrat und einem Wasserabfluß, in dem knöcheltief ölig schillerdes Wasser stand. In diesen sprang sie hinein, daß das Wasser spritzte und verschwand in der Dunkelheit.
Nur kurz sah sie sich noch einmal um und entdeckte Ilnamar ay Shorn kurz hinter sich. Er stand ihr in seiner Geschmeidigkeit kaum nach, doch vor den Abflüssen, die in die Kanäle Rashduls herabführten mußte er wegen seiner Größe und der Breite seiner Schultern kapitulieren. Flüchtig erinnerte sie sich, daß er ihr schon einmal gefolgt war, dann aber in einem der schmalen Löcher steckengeblieben war, weil er sich in dessen Größe verschätzt hatte.
Sie war - für heute, entkommen.

Ilnamar ay Shorn verfluchte die Diebin und starrte auf das dunkle Loch, in das das Abwasser floß. Dort hinein wagte selbst er ihr nicht zu folgen, denn der Tunnel war so schmal, daß er kaum durchkommen würde. Zudem war ihm diese streundende Hündin in dem Labyrinth weit überlegen, weil sie es wie alle Diebe besser kannte. Er ballte die Faust und murmelte einen Fluch, dann steckte er den Kunchomer wieder fort und musterte einen Straßenjungen, vermutlich einen Dieb so scharf, daß dieser mit einem Schrei Reißaus vor ihm nahm. Wie nah war er der Verhaftung dieser Verbrecherin doch wieder gewesen: Djamilla Azila, der selbsttitulierten Shanja der Diebe, die ihm in den fast drei Jahren ihrer Regentschaft mehr Ärger gemacht hatte als ihr Vorgänger Mawud!
Nicht nur, daß sie sehr intelligent war, und List vor Gewalt setzte, sie schien es auch noch darauf abgesehen zu haben, ihn zu verführen. Fast war es ihm, als stecke in dem Leib dieses lüsternen und verworfenen Weibes eine böse Dschinni, die gekommen war, um ihn zu vernichten.
Er blickte nach oben und gab seinen Männern das Zeichen, die Jagd abzubrechen. Manchmal wünschte er sich, die Verantwortung als Kommandant der Stadtwache von Rashdul nie angenommen zu haben. Schon Achan ibn Rahmud al Kashid, sein Va'thim und Onkel hatte ihm davon abgeraten. Aber damals, vor fast vier Jahren war es ihm sehr wichtig gewesen, eine solch schwere Aufgabe zu übernehmen...
Er ertastete die Lederschnur, die er unter seinem Hemd verborgen trug, und den Anhänger, den ihm sein Onkel zum Abschied gegeben hatte. Es war eine Fassung aus Golddraht, in die ein blutroter Edelstein, ein fünfeckiges Juwel, eingesetzt war. Ilnamar atmete tief ein und erinnerte sich, es noch vor einigen Jahren am Hals seines Onkels Achan gesehen zu haben - vor allem als er ihn aus dem Haus seines Vaters mit sich genommen hatte.
Damals hatte er Ilnamar erzählt, daß es immer dann an den nächsten seiner Linie weitergegeben wurde, wenn es für diesen an der Zeit war, seinerseits einen Neffen aus den Zelten oder Palästen seiner eigenen Brüder zu holen und zum Novizen zu machen.
Ilnamar erinnerte sich, daß dieser Brauch erst von dem Onkel Achans eingeführt worden war. Er selber wurde so daran gemahnt, daß es für ihn auch an der Zeit war, einen Nachfolger zu finden.
Er steckte das Amulett fort und vertrieb die Gedanken an seine Familie, die er seit seiner Zugehörigkeit zu den Hadjiinim nicht mehr gesehen hatte. Es gab wichtigeres zu tun.




2. Kapitel

Die weiß gekalkten Häuser des Dorfes Narjeh hoben sich deutlich vom bräunlich gefärbten Grün der Reisfelder ab, die sich an den Ufern des nahen Schuboch erstreckten. Mit gebeugten Rücken, die Beine bis zur Wade im schlammigen Wasser versunken, schnitten die Bauern die langen Halme mit den dünnen Ähren und brachten sie, sobald sie genügend große Bündel hielten, an die festen Lehmumrandungen. Leiser, montoner Gesang erklang, unterbrochen nur durch das Brüllen der Gandangstiere und die Rufe ihrer Treiber, die ein bereits abgeerntetes Feld umpflügten. Ab und an richtete sich eine der sonnengebräunten, dunklen Gestalten auf und musterte neugierig den Reiter, der auf dem Lehmpfad zielstrebig auf das Dorf zuritt. Doch dann setzte sie ihre Arbeit wieder fort. Fremde waren nichts Außergewöhnliches in Narjeh, führte durch die Stadt doch der Karawanenweg von Rashdul nach Al'Tamur, und Reisende oder Karawanen durchquerten regelmäßig das Dorf.
»Da, da kommt ein einsamer Krieger!« rief der Knabe, der zuvor eine blökende Schar von Ziegen in das Gehege getrieben hatte, warf seine Gerte beiseite, und wedelte aufgeregt mit beiden Armen, während er auf den Dorfplatz eilte. Mehrere weiße, flache Häuser gruppierten sich um den steinummauerten Brunnen im Schatten einiger Palmen. Bunte Vögel stoben, durch den Lärm aufgeschreckt, auf und flatterten zeternd davon, während sich eine Wasserträgerin hastig verschleierte, und ein paar Kinder die Matten liegen ließen, an denen sie zuvor geflochten hatten. Eine Matrone in dunklen Gewändern winkte die Mädchen herein, die vor einem der Häuser Kleidung geflickt hatten, während sich zwei Männer gemächlich von ihrer Bank erhoben, von der aus sie zuvor das Treiben im Dorf beobachtet hatten. Der ältere von ihnen stützte sich auf einen knorrigen Stock.
»Sie haben tatsächlich Wort gehalten, Sulim« sagte er mit rauher Stimme. »Sie haben einen ihrer Meister gesandt!«
Der Jüngere nickte zustimmend und rieb sich gedankenverloren seinen struppigen schwarzen Bart. »Ehrenwerter Haman, ich hoffe nur, daß Ihr mit Eurer Vermutung recht hattet, und ihn nicht sinnlos rufen habt lassen! Ich ehre Eure Weisheit, aber...«
»Ich irre mich nicht, du Sohn des Unglaubens« erklärte der Weißbart tadelnd und hob nun grüßend eine Hand.
Der Reiter brachte sein Pferd zum Stehen. Obgleich ein Tuch sein Gesicht verhüllte und nur die blitzenden, schwarzen Augen freiließ und der sandfarbene Umhang seine Waffen überdeckte, umgab ihn ein Gefühl von Macht. Ohne das Haupt zu beugen, musterte er die beiden Männer und ließ seinen Blick über die großäugigen Kinder streifen, die ihn mit offenem Mund begafften.
»Rastullahs allsehendes Auge wache über Euch, Edelster der Krieger!« sagte der Haman ernst. Sulim konnte die Ehrfurcht in der Stimme des Alten förmlich spüren und wich dem Blick des Hadjiinim verlegen aus. Das letzte Mal, daß er einen Angehöriger dieses glorreichsten aller Kriegerorden im Land der Ersten Sonne (bei Rastullah, es war der Traum vieler Jungen, ein Mitglied zu werden!) gesehen hatte, war er noch ein Knabe gewesen. »Und möge er Euch allzeit Kraft und Mut geben das Böse zu bekämpfen und die Klinge Eures Kunchomers schärfen.«
Stumm stieg der Mann von seinem Pferd. Auch jetzt überragte er den Sprecher noch um einen halben Kopf.
Dann löste er das Tuch vor seinem Gesicht und musterte die Männer erneut. Sie konnten in den wettergegerbten Zügen nicht erkennen, wie alt der Mann wirklich war, zumal nur einige graue Strähnen seinen schwarzen, wohlgepflegten Bart durchzogen. Plötzlich schien ihn etwas zu verärgern, denn die dunklen Augenbrauen senkten sich drohend. Sulim drehte sich kurz und machte eine wütende Geste, die das junge Mädchen, seine Tochter, die neugierig und unverschleiert aus dem Eingang gelugt hatte, schnell wieder im Inneren des Hauses verschwinden ließ.
Er würde sie bestrafen müssen, denn wie allen anderen Mädchen hatte er auch ihr eingeschärft, im Haus zu bleiben, wenn der Hadjiinim kam. War der Preis, den diese für ihre Tapferkeit und ihre Kraft bezahlten, doch der heilige Eid, allen Genüssen, ob nun der Völlerei, der Trunksucht und vor allem der Fleischeslust, zu entsagen. Eine Frau war für diese ausgezeichneten Kämpfer eine Versuchung, vor allem, wenn sie sich unverschleiert zeigte. Sulim hatte das gewußt, und ihn nicht verärgern wollen. Nun war es dennoch geschehen, und er blickte den Haman fragend an. Dieser zuckte nur mit den Schultern, während der Krieger fast unhörbar murmelte: »Möge der Allmächtige mir meine sündigen Gedanken vergeben!«
Noch bevor ihn der alte Mann besorgt ansprechen konnte, ergriff der Hadjiin wieder das Wort.
»Rastullah möge Eure Weisheit bewahren und Euch und die Euren segnen und mit Glück beschenken, Haman dieses Dorfes. Ihr wart es, der mich rufen ließ? Ich bin Achan ibn Rahmud.«
»Ja, so ist es. Bei dem Zorne des Allmächtigen, ich wußte mir keinen anderen Rat mehr, denn die Krieger des Sheik glaubten mir nicht und fürchteten sich vor den seltsamen Stimmen in der Ruine hinter den Felsen und dann...«
»Kommt zur Sache, alter Mann! Der Bote berichtete das alles bereits! Ich will sehen, was Ihr für mich aufbewahrt habt«, fiel ihm der Krieger ins Wort. Seine Hände verschwanden unter dem Burnus. Sulim war sich sicher, daß er sie auf die Griffe seiner Krummschwerter legte.
»Wir bewahren es in einem unserer kühlsten Keller auf, doch es wird kein erfreulicher Anblick sein, Meister der Schwerter.« Der Ältere verstummte verlegen. Dann hob er eine Hand und deutete auf eines der Gebäude. Der Hadjiin setzte sich in Bewegung, so daß sie ihm folgen mußten. Sie passierten einen spärlich möblierten Vorraum, stiegen eine steile Treppe hinab und gelangten in ein unterirdisches Gewölbe. Hier war es so kühl, daß Sulim seinen Burnus fester um sich zog. Auf einem Postament lag etwas unter einem Tuch verborgen. Der Hadjiin deutete darauf, wartete aber das Nicken des Dorfoberhauptes nicht ab. Mit einem energischen Ruck zog er die Decke herunter und erstarrte. Keine Regung zeigte sich in seinem Gesicht, das nun einer steinernen Maske glich. Sulim hätte viel darum gegeben, zu erfahren, was der Krieger dachte und fühlte, während er selber mit einer leichten Übelkeit kämpfen mußte. Dort, auf dem Stein lag Shennya, oder was von ihr noch übrig geblieben war.
Das lebenslustige, fröhliche Mädchen, die farbenprächtigste Rose unter den Wiesenblumen des Dorfes, war vor fast drei Monaten verschwunden. Obgleich alle jungen Männer unter der Führung des jungen Ariman ausgeschwärmt waren, um sie zu suchen - vermutete man doch Sklavenhändler oder Barbaren aus dem Norden hinter ihrem Verschwinden - hatte keiner hatte eine Spur von ihr finden können. Vor einem Mond hatte Hassim, der die Ziegen hütete, Shennya in einer kleinen Höhle in den Hängen gefunden, genauer: ihre mumifizierten Überreste. Aber auch jetzt noch war zu erkennen, daß sie durch Gewalt ihr Leben verloren hatte. Tiefe Schnitte, noch immer blutverkrustet, verunzierten ihren Oberkörper und ihr Gesicht und die Kehle schien durch eine Tierkralle zerfetzt. Der wie zum Schreien geöffnete Mund zeugte davon, wie qualvoll das Mädchen gestorben war. Zuletzt hatte jemand Dornen in der Form einer Pranke in ihren Oberkörper gebohrt, um keinen Zweifel daran zu lassen, wer sie getötet hatte.
Sulim musterte den Hadjiin, der nun eine Hand ausstreckte und diese über das Dornenzeichen legte. Seine Augen waren zu schmalen Schlitzen geschlossen, als er den Kopf wieder seinen Begleitern zuwandte. »Vater der Weisheit, Ihr habt wohl getan, mich zu rufen, denn dies ist fürwahr ein bedeutungsschweres Omen. Möge Rastullahs mächtiger Zorn diese Hyänen tausendfach zerschmettern und in die tiefsten Tiefen verdammen! Fluch über sie und ihre Samen, und Verdammnis ihren Seelen! Die Dashinim haben uns zum letzten Mal durch ihre Untaten herausgefordert!«
Die letzten Worte spieh er förmlich aus.
Dann ballte er die Fäuste und schlug sie gegeneinander, machte das Zeichen gegen den bösen Blick, überkreuzte schließlich die Finger und hob sie zu Stirn. Sulim starrte ihn überrascht an, denn der Haß sprühte förmlich aus den Augen des Kriegers, so, als wisse er genau, was geschehen war.
Das aber war die einzige Gefühlsregung des Mannes vor ihm. »Ich habe genug gesehen« erklärte der Hadjiin dann. »Wickelt die Leiche in eine Decke, verschnürt sie gut und bringt es zu meinem Kamel. Ich werde bei Sonnenaufgang wieder fortreiten.«

Der Himmel über Rashdul war wolkenlos, und doch blieb er dunkel, da das Madamal noch nicht aufgegangen war. Die schattenhafte Gestalt eines Mannes stand an einem der fünf Fenster des Turmzimmers und blickte hinaus auf die Stadt, während ein zweiter Mann auf einem hochlehnigen Stuhl vor einem breiten Tisch saß. Feingliedrige Hände bar jeden Schmucks streichelten das buschige, silbergraue Fell einer edlen Al'Anfaner-Katze, während ein angenehmer Bariton erklang. Jedoch mit einem Unterton, der die andere Person leicht zusammenzucken und sich umdrehen ließ.
»Ich hatte recht mit meinen Vermutungen. Was unsere Spione schon lange beobachtet haben, tritt ein: Tar Honak streckt seine Hand nach der Khom aus. Nicht umsonst hat der Kalif den weisen alten Mullah ibn Hassan al Khamassan, seinen beredsamsten Gesandten geschickt, um die erhabene Shanja«, die Stimme des Mannes bekam einen spöttischen Unterton, »und ihren Wesir, Sheik Almut, in Unruhe zu versetzen. Dank dir, alter Freund, weiß ich wie sehr.«
Eine ganze Weile herrschte Schweigen, nur von dem lauten Schnurren des Tieres durchbrochen, in dem Turmzimmer, das bis auf einige seltsame Gerätschaften nur kärglich möbliert war. Die Katze befreite sich schließlich mit einem unwilligen Miauen aus den Händen des Sitzenden und sprang auf den Boden. Mit hochgerecktem Schwanz stolzierte sie auf den einzigen Ausgang, die im Boden verschwindende Wendeltreppe zu und sprang die Stufen hinab.
Der Mann erhob sich und trat an den anderen heran. Erst jetzt blitzten die vier Juwelen seiner Halskette im schwachen Dämmerlicht, während er einen davon berührte. »Nicht mehr lange, und wir werden die Schmach reinwaschen, die uns vor über hundert Jahren angetan wurde. Der Schrei der Löwin wird wieder über Rashdul erklingen und die Neunundvierzig der Stadt treu dienen« sagte er leise. »Dann werden die Träume unserer Väter wahr! Das Katzenblut wird uns dazu verhelfen.«
»Aus diesem Grunde also laßt Ihr die Juwelen suchen!« antwortete der zweite Mann. »Jetzt erst verstehe ich Eure Befehle Krallenherr! Aye - die schwarze Brut muß zurückgeschlagen werden!«

Eine Hand lag auf dem Rist des Pferdes, die andere ruhte auf seinem Schenkel, dicht neben dem Griff des Kunchomers. In zügigem Trab durchquerte der Hadjiin das schmale Felsental mit den zerklüfteten Hängen und der kargen Vegetation. Die Felswände boten etwaigen Angreifern mehr als genug Schutz gab, zumal die Sonne bereits recht tief stand und lange Schatten warf, in denen sie sich verbergen konnten. Wachsam suchten die dunklen Augen die Gegend ab, achteten auf jede verdächtige Bewegung zwischen den rötlichen Felsspitzen. Das Zischen einer Speinatter auf einer Steinplatte in Augenhöhe ließ den Reiter zur Waffe greifen, doch zog er sie nicht.
Einmal tastete er hinter sich nach dem fest hinter dem Sattel verschnürten Bündel und gab ein verächtliches Schnauben von sich.
'Rastullahs allsehendes Auge! Diese Dashinim-Brut muß endgültig zerschlagen werden!' durchfuhr es seinen Geist. 'Es scheint ein uns auferlegter Fluch zu sein, daß sie jedes Menschenalter einmal auftauchen und ihre grauenhaften Taten verüben, um unsere Aufmerksamkeit zu erwecken. Dieser Mord ist eine Kampfansage.'
Er war noch ein junger Mann gewesen, ein Novize, als er zum ersten Mal von den Dashinim gehört hatte. Kurz zuvor hatte der damalige Großmeister von Shalat ihren Schlupfwinkel aufgespürt und ihnen einen schweren Schlag versetzt.
»Der Kult der Krallenträger!« zischte er leise. »Sie verachten das Leben und alle Ideale des wahren Kriegertums. Was auch immer sie treibt, es muß der Shei'tan sein, dem sie sich verschrieben haben!«
Er verstummte. Wieder umschloß seine Rechte den Griff des Kunchomers, diesmal zog sie ihn aus der Scheide.
Seine Augen täuschten ihn nicht. Der obere Rand eines Turbanes lugte hinter einem Felsen vor, und sein unvorsichtiger Träger ließ einen Teil seines Körpers sehen.
'Wegelagerer! Rastullah vernichte sie mit einem Blitz aus deinem allsehenden Auge und gib mir Kraft!' sandte der Hadjiin ein stummes Stoßgebet zum Himmel.
Der Hadjiin machte sich bereit die Deckung durch sein Pferd auszunutzen, falls die Räuber Bogen oder andere Schußwaffen mit sich führten, denn diese Hunde hielten nichts von ehrenhaftem Kampf. Seine Beinmuskeln spannten sich, doch ehe er aus dem Sattel gleiten konnte, vernahm er den harten Schlag einer gelösten Armbrustsehne. Unwillkürlich wandte er den Kopf: ein tödlicher Fehler.
Der Bolzen bohrte sich in sein linkes Auge und tauchte die Welt um den Mann in ein Meer aus Blut und Schmerz. Er schrie auf, faßte sich mit der Hand an den Kopf und spürte den feuchten Lebenssaft über seine Haut rinnen. Schon flog das zweite Geschoß heran und durchschlug seinen Waffenrock. Nur noch schemenhaft konnte er die Schützen erkennen, der hinter einem Felsen auftauchten. Dann wurde es dunkel um ihn, und in den letzten Augenblicken seines Lebens kam die Einsicht, daß ein Armbrustbolzen keine Unterschiede zwischen Hadjiinim und gewöhnlichen Sterblichen macht...

Zufrieden mit ihrer Beute hatte sich Djamilla in ihr persönliches Versteck zurückgezogen und saß nun auf dem weichen Lager, das die Hälfte der Höhle einnahm. In ihren Händen wog sie den prall gefüllten Beutel, betastete das weiche Leder, das ebenfalls seinen Wert hatte. Die Börse der Nordländerin mit den wenigen Münzen darinnen hatte sie längst an einen zerlumpten Bettlerjungen verschenkt, der ihr auf dem Weg nach Hause mit ausgestreckter Hand entgegengekommen war.
»Mal sehen, was ich hier habe...« murmelte Djamilla zufrieden und löste die Knoten, schüttete den Inhalt des Beutels auf die buntgewebte Decke und verteilte mit den Fingern die Münzen und Edelsteine.
Plötzlich hielt sie in ihrem Tun inne und nahm eines der Metallplättchen auf. Zunächst hatte sie es für eine Münze gehalten, doch ein kleines Loch an einer Seite deutete auf einen anderen Zweck hin.
Was mochte das sein? Ein Amulett? Ein Göttertalisman?
Djamilla drehte die Bronzescheibe und erstarrte.
Ihre Augen weiteten sich, als sie den Gegenstand näher an das Licht hielt, um die Erhebungen genauer deuten zu können. Es waren fünf flache Ovale, die an den Pfotenabdruck einer Katze erinnerten.
Plötzlich war die fröhliche Gelassenheit aus Djamillas Gesicht verschwunden. Haß und Schmerz verzerrten ihre Züge, und ein lautes Stöhnen erklang aus Djamillas Mund.
Sie kannte dieses Zeichen, und die Erinnerungen, die sich mit ihm verbanden, waren die eindringlichsten ihres jungen Lebens.
»Durnah!« wisperte die Diebin und umklammerte das Amulett, als wolle sie es zerdrücken. »Durnah, meine Schwester! Ihr, wer auch immer ihr seid, habt sie ermordet!«
Als sei es erst vor kurzem geschehen, sie erinnerte sich an jene schreckliche Nacht vor mehr als vier Jahren, als läge sie erst einen Tag zurück:

Man schrieb die namenlosen Tage. Nach einem heftigen Gewitter war Nebel im Tal des Mhanadi aufgekommen, und selbst in den Gassen Rashduls vermochten die wenigen Wanderer, die zu der späten Nachtstunde noch unterwegs waren, kaum weiter als ein paar Schritt zu sehen. Es bedurfte einigen Mutes, sich hinauszuwagen, hatte man zuvor den Erzählungen der Haimamud gelauscht, die von den rachsüchtigen Geistern jener Verstorbenen erzählten, die noch nicht in Borons Hallen eingegangen waren. Aber auch von den Dämonen und anderen übel gesonnenen Geschöpfen der Finsternis, die den dünnen Schleier zwischen ihren Reichen und der Menschenwelt nun leichter zu durchschreiten vermochten, um Leichtsinnige zu verführen und Unachtsame als Opfer zu verschlingen, berichteten die alten Märchenerzähler und schmückten ihre Geschichten mit grausigen Schilderungen aus. Deutete nicht auch das unnatürliche Wetter auf das Wirken des Bösen hin? War nicht auch diese Nacht wie geschaffen für schaurige Opferriten und das Beschwören von entsetzlichen Dämonen?
Nur wenigen wurde es bei den Worten der Haimamud nicht bang ums Herz, kaum einer schlug ihre Warnungen aus.

Ein Schrei gellte durch die unbeleuchteten, engen Gassen der Unterstadt - lähmende Stille folgte. Läden schlossen sich knarrend, zugerissen von erschreckten Bewohnern, als eine schemenhafte Gestalt durch den Nebel rannte und vor einem großen, bunt bemalten und rankenbewachsenen Haus in der Straße der rahjagefälligen Freuden haltmachte. Kleine Fäuste hämmerten gegen die schlichte Seitentür des dreistöckigen Gebäudes. »Öffnet! So öffnet doch!« flehte eine helle Stimme, und der herabgleitetende Schleier enthüllte das zarte Gesicht einer Kindfrau, von zerzausten kupferfarbenen Haaren umrahmt. Weit aufgerissene Augen starrten die Frau nun verzweifelt an, die mit einem energischen Ruck die Tür geöffnet hatte. »Ashil...! Kind...Wo wart ihr so lange? Wo ist Durnah?«
Das Mädchen drängte sich an sie, hielt sich an ihr fest. »Es ist meine Schuld...« schluchzte sie und begann zu weinen. »Ich war es, die nach dem Unwetter durch die Unterstadt laufen wollte, um nach Hause zu kommen, Abrizah, obgleich Sherimee uns warnte und Durnah Angst hatte ... Aber ... Aber ich lachte nur über sie und zog sie mit hinaus...« Der Rest ging in ein unverständliches Gemurmel über, so daß die Ältere das Mädchen zunächst einmal gänzlich in das Haus hineinschob und dort beruhigte.
Einen Diener anweisend, heißen Tee zu bringen, führte Abrizah das Mädchen in einen kleinen, wohnlichen Raum des Erdgeschosses und drückte sie auf einen der Divane nieder.
»Ashil...Nun berichte mir in Ruhe, was geschehen ist...« sagte sie mit ruhiger Stimme. Sie setzte sich neben das rothaarige Mädchen, und begann, deren Haar sanft zu ordnen. Das war eine Möglichkeit, das Kind, das ihr wie eine eigene Tochter ans Herz gewachsen war, zu beruhigen. Dank dieses wortlosen Trostes hörte Ashil auf zu zittern und atmete langsamer.
Aber noch immer lag ein gehetzter Blick in ihren Augen, als sie schluchzend ihre Erzählung fortsetzte. »Und dann liefen wir durch die Straßen. Ich hatte keine Angst vor den Nebenschwaden, aber Durnah jammerte, und um ihr zu zeigen, daß es doch gar nicht so schlimm war, ließ ich sie los und huschte um eine Ecke. Durnah schrie nach mir, begann zu weinen... und dann plötzlich war sie still. Ich habe geglaubt, nun würde sie mich narren, aber als ich dann nach ihr sah, war sie weg. Ich bekam Angst ... rief nach ihr, suchte sie, während es immer dunkler und schließlich Nacht wurde. Aber ich fand keine Spur von ihr, bis ... bis ...« Ashil begann zu zittern und sprang auf. »Bis ich sie fand!« schrie sie fast heraus. »Wir müssen sie holen!« Flehend blickte sie auf die ältere Tulamidin, die ihre jettschwarzen Haare mit Schmuckkämmen hochgesteckt hatte und ein blaues Seidengewand mit silbernen Verzierungen trug. Sorge zeichnete sich in Abrizahs Gesicht ab. »Lebt sie noch? Warum hast du das nicht gleich gesagt!«
»Nein ... nein ... sie ist tot! A-aber ...« Ashil wurde bleich. »Sie wurde ermordet!«
Abrizah erhob sich vom Divan und schlug gegen einen kleinen Gong. Während sie einen Umhang ergriff, bedeutete sie dem Mädchen: »Zeig sie mir. Wir werden sie holen! Ich kann meine Adoptivtochter doch nicht dort liegen lassen!« Sie verbarg nur mit Mühe ihr Entsetzen, wobei ihr die Erfahrung als Besitzerin und erste Dame des »Hauses der tausend Freuden« half. Innerlich verspürte sie den Wunsch, laut loszuschreien. 'Boron, warum trifft dein Wort nur immer die, die ich am meisten liebe? Erst Delhena, und nun ihre Tochter! Was haben sie nur getan, um von Golgari so früh in dein Reich getragen zu werden?'
Sie erklärte dem eintretenden Mohasklaven knapp, worum es ging, und folgte dann dem schlanken schwarzen Mann, der eine Fackel in der Hand hielt, mit Ashil aus dem Haus. Erst jetzt erlaubte sie sich, ihrem Schmerz durch Tränen Ausdruck zu geben. Weder der Sklave noch das Mädchen konnten sie sehen. Abrizah ballte eine Faust und spürte wie sich die langen Nägel in den Handballen drückten. Sie flehte Rahja an, nicht noch mehr geschehen zu lassen. 'Und wenn ich alles dafür geben müßte, was ich je in meinem Leben errungen habe, ich würde es tun. Du, Delhena hast mir geholfen, mein Haus zu dem zu machen, was es heute ist, denn nur für deine Töchter habe ich um seinen Erhalt gekämpft...'
Dicht vor ihr eilte Ashil voraus, ihren Weg überraschend sicher durch die Schwaden findend, so daß sich Abrizah wieder etwas beruhigte, bis das Mädchen in einer dunklen Seitengasse, unweit der Straße der rahjagefälligen Freuden plötzlich stehenblieb und neben einem zusammengekrümmten Körper auf die Knie sank.
Auf einen Wink der Älteren beleuchtete der Moha die liegende Gestalt, und Abrizah konnte einen leisen Schrei des Entsetzens nicht zurückhalten, denn selbst für jemanden wie sie, die sie manche Grausamkeit der Menschen am eigenen Leibe erfahren hatte, war der Anblick kaum zu ertragen.
Halb von einem Tuch verdeckt lag das Mädchen, das ein Ebenbild Ashils war, in einer Lache aus Blut und Schlamm. Gebrochene Augen in einem schmerzverzerrten Gesicht glitzerten schwach im Fackelschein und schienen noch immer um Hilfe zu flehen. Eine Hand war in den lockeren Boden gekrallt, als steckte noch Leben in ihr. Überall waren dunkle, blutverkrustete Schnitte und Kratzer zu sehen, der größte und tiefste hatte die Halsschlagader durchtrennt. Abrizah beugte sich tiefer und würgte, als sie das Glitzern in den Wunden genauer in Augenschein nahm. Nun wußte sie, warum Durnah so gelitten hatte - ihre grausamen Mörder hatten ihr Sand oder irgendeine andere Substanz in die Schnitte gestreut, um ihre Qual zu erhöhen, um sie mit kaltem Feuer zu verbrennen.
Ashil aber schob plötzlich das Tuch beiseite, als habe sie etwas entdeckt und deutete mit den Fingern auf ein Mal oberhalb der rechten Brust ihrer Schwester. Fünf ovale Steine waren dort in in der Form einer Katzenpfote in die Haut eingesetzt.

Fünf Ovale wie auf diesem Amulett. Djamilla vertrieb die Erinnerungen an den grausamen Mord an ihrer Zwillingsschwester. Warum hatte es gerade Durnah treffen müssen, ihre liebliche, stille und so zarte Schwester? Wer waren ihre Mörder gewesen? Selbst die lebenserfahrene Abrizah hatte keine Antwort gewußt und nur vermutet, daß ein skrupelloser Beschwörer oder die Anhänger einer fanatischen Sekte Durnah getötet hatten, weil sie sich Macht aus ihrer Lebenskraft erhofften.
Sie hatte nur dafür gesorgt, daß der Körper des Mädchens von der Straße geholt und in einer der Kechans unterhalb des »Palastes der 1000 Freuden« begraben wurde. Djamilla erinnerte sich an den Schwur, den sie am Grab ihrer Schwester getan hatte und hob das Amulett vor ihre Augen: 'Ich werde deine Mörder finden und dich rächen! Und sollte es Jahre dauern, vielleicht auch mein ganzes Leben! Das bin ich dir schuldig!'
Damals hatte sie noch nicht die Gelegenheit gehabt, so intensiv zu suchen wie heute. Sie war die wohlbehütete Adoptivtochter der Besitzerin des »Palastes der 1000 Freuden« gewesen, die nur gelegentlich auf den Straßen Rashduls herumstreunte und Abenteuer suchte, nicht Djamilla Azila, die Anführerin der Diebesgilde.
»Ich muß den Vernarbten finden!« sagte sie leise und versuchte sich wieder zu beruhigen. Sie durfte jetzt nicht die Selbstbeherrschung verlieren und unüberlegt handeln, auch wenn sie darauf brannte, aufzuspringen und die Stadt nach ihm abzusuchen. Sie legte das Amulett wieder beiseite und widmete sich der anderen Beute, doch sie fand keine Freude daran. Schließlich fegte sie Piaster, Dukaten und die anderen Münzen auf den Boden und sprang auf, um wie eine gefangene Löwin mehrmals in dem kleinen Raum hin und her zu laufen, ehe sie mit den Schultern zuckte und durch die schmale Öffnung im Boden verschwand.
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Hyndara
Gast






BeitragVerfasst am: 15.01.2008, 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Und für den Cliffhanger könnte ich dich heute noch erdolchen *argh*!

Kleine Notiz von mir für die, die es interessiert:

Kris hatte mir mal gesagt, welche Romane sie geschrieben hatte in der DSA-Reihe. Ich bin damals zum Buchhändler meines Vertrauens und hab mir erst Katzenspuren bestellt. Einen Tag später war das Buch da. Ich in die Stadt, da ich eh einkaufen mußte, zum Buchhändler, den Roman abgeholt. Dann saß ich an der Bushaltestelle und hatte noch jede Menge Zeit. Okay, dachte ich, dann kann ich ja auch schon mal ein bißchen schmökern. Gesagt, getan. Buch raus, aufgeschlagen, gelesen.
Als ich das nächste Mal aufblickte, war es ungefähr eine halbe Stunde später, mein Bus war weg und ich hatte gerade die Auflösung des Cliffhangers gefunden.

Mein Kommentar:
Achtung! Dieser Roman kann süchtig machen. Man will nämlich unbedingt wissen, wie es weitergeht und er ist ungeheuer spannend.
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Kris
Schreiberling



Anmeldungsdatum: 18.09.2007
Beiträge: 212
Wohnort: Solingen

BeitragVerfasst am: 12.02.2008, 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

Danke.
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Katzen, Liebe



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