Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 30.01.2008, 10:11 Titel: Christels Rezi Ecke |
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Ich denke, ich werde mich auch mal Hyn anschließen und hier die ein oder andere Rezi von Büchern einstellen, die euch gefallen könnten.
Mit einer Freundin gebe ich übrigens auch seit ca. 3 Jahren einen Bücherbrief heraus. Wer Lust hat, kann sich das auf dieser Archiv-Seite mal ansehen:
Rattus Libri
http://www.phantastik-news.de/modules.php?name=News&file=article&sid=3832
Und hier nun ein paar Rezis:
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Nikolai von Michalewsky (Buch) & Regina Schlehack (Skript)
Mark Brandis: Bordbuch Delta
Mark Brandis VII
Steinbach sprechende Bücher, Schwäbisch Hall, 06/2007
Sprecher: Martin Wehrmann, Gerhart Hinze, Michael Lott, Rasmus Borowski, Wolf Frass, Christine Mühlenhof, Dorothea Anna Hagena u. a.
Hörspiel, SF, 978-3-88698-918-8, 1 CD mit 62 min Laufzeit, EUR 9.95
Titelgestaltung von N. N.
www.sprechendebücher.de (Verlag)
www.markbrandis.de (Hörspiele)
Die erfolgreichste deutsche Science-Fiction-Serie neben „Perry Rhodan“ ist nicht, wie man vielleicht denken mag, eine andere Heftserie sondern eine Jugendbuchreihe: „Mark Brandis”. Mit insgesamt 31 Bänden verfasste Nikolai von Michaelwski seit 1970 eine Serie, die nicht nur bei jüngeren sondern auch erwachsenen Lesern über Jahrzehnte Anklang fand. Sie erzählte sowohl eine spannende Abenteuergeschichte und behandelte auch auf verantwortungsvolle Weise sehr ernste politische Themen.
Selbst wenn heute Einiges vom Setting her altmodisch erscheint, so hat die Serie kulturell und gesellschaftlich doch nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren. Sie verdient es deshalb, immer wieder neu aufgelegt zu werden, auch in einer Form, die sich im Moment großer Beliebtheit erfreut – dem Hörspiel.
Im 22. Jahrhundert dominieren zwei Machtblöcke die Erde. So haben sich unter anderem Amerika, Europa und Afrika zu einer Union zusammengeschlossen. Ihnen gegenüber stehen die östlichen Republiken. Die Kolonien auf Mars und Venus versuchen zwar, den Machtblöcken ihrer Gründer zu folgen, agieren aufgrund der Entfernung aber eher unabhängig.
Auch wenn man in Vielem verschiedener Meinung ist, so bewahrt man doch den Frieden. Die eigentliche Gefahr geht allerdings von anderer Stelle aus. Plötzlich und unerwartet stürzt der texanische General Gordon B. Smith den amtierenden Präsidenten der Union und baut ein Terrorregime auf. Der von langer Hand vorbereitete Putsch hat alle Eventualitäten berücksichtigt; die Gefolgsleute des Generals besetzen die empfindlichen Stellen.
Davon merkt die Besatzung der Delta VII zunächst nichts. Das mit dem Protoyp eines neuartigen und wesentlich schnelleren Antriebs ausgestattete Raumschiff kehrt erst jetzt von einem zweimonatigen Testflug nach Hause zurück.
Auch wenn Captain Mark Brandis, der Pilot, durch eine verstümmelte Botschaft seiner Lebensgefährtin Ruth o‘ Hara gewarnt wird, so trifft ihn die veränderte politische Lage doch genau so unvorbereitet wie Commander John Harris und den Rest der Crew.
Zunächst bleibt ihnen nichts anderes, als den neuen Befehlen von der Erde zu gehorchen, auch wenn ihr Unternehmen ein ziviles war. Dann aber erwacht in den Männern und vor allem in Mark der Widerwille. Können sie wirklich weiterhin einem Regime dienen, das gegen alle ethischen Grundsätze verstößt, die für sie selbstverständlich sind?
Ein Hörspiel kann zwar nicht die Komplexität eines gedruckten Buches wiedergeben, aber zumindest die wichtigsten Inhalte und Aussagen. „Bordbuch Delta VII” gelingt dies ausgezeichnet.
Eine ausgewogene Mischung aus Erzählung und Dialogen erweckt das Buch und seine Figuren zum Leben. Man spürt förmlich die Überraschung der Crew, als sie erfahren müssen, dass sich der Wind in ihrer Heimat gedreht hat.
Ebenso deutlich wird der ständig wachsende innere Widerstand gegen die Einschränkungen und Repressionen, die sie auf der Erde erwarten. Das alles wird garniert mit etwas ereignisreicheren Szenen, in denen die Gefahr verdeutlicht wird, die von dem skrupellosen Regime ausgeht.
Schon die Erzählung von Nikolai von Michalewsky geht an sich unter die Haut. Auch wenn wir längst schon nicht mehr in Zeiten des kalten Krieges leben, so hat sich doch nichts an der Aktualität geändert. Totalitäre Regime gibt es auch heute noch, und sie liegen näher, als wir denken; die Manipulation von Massen und Medien, die Einbeziehung von Wissenschaft in die politischen Ziele gibt es auch in so genannten Demokratien.
Schon der erste Band von „Mark Brandis“ geht weit über einen oberflächlichen Abenteuer-Roman heraus, was vor allem an der sehr menschlichen Schilderung der Charaktere liegt. Mark Brandis und Lt. Iwan Stroganow haben eine Familie zu verlieren und müssen deshalb abwägen, inwieweit sie ihrem Gewissen folgen können.
Die Sprecher lassen den Zuhörer diese Konflikte förmlich spüren. Sie sind mit großem Ernst und Eifer an der Sache und schlagen schnell in ihren Bann. Zusammen mit den Soundeffekten und der klug eingesetzten Musik zeugen sie von der hohen Qualität des Hörspiels.
„Bordbuch Delta VII” ist eines der ausgereiftesten und spannendsten Science Fiction-Hörspiele der letzten Jahre, das Jung und Alt gleichermaßen anspricht und sein Geld mehr als wert ist. Es bleibt zu hoffen, dass die Reihe sehr bald fortgesetzt wird. (CS)
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Max Allan Collins
CSY: NY - Blutiger Mord
CSI: NY Bloody Murder, USA, 2006
Paninicomics, Nettetal-Kaldenkirchen, 3/2007
PB, Comic, Krimi, 978-3-86607-375-3,124/1495
Aus dem Amerikanischen von Claudia Kern
Titelfoto von Timothy White
Zeichnungen von J. K. Woodward und Steven Perkins
Graphic Novel im Comicformat, vollfarbig auf Kunstdruckpapier
www.paninicomics.de
Krimiserien sind seit den Anfängen aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Standen früher jedoch eher die Ermittler, Polizei-Beamte, FBI-Ermittler oder Detektive im Mittelpunkt des Geschehens, so sind es seit einigen Jahren die Gerichtsmediziner, Forensiker und Profiler, die anhand dessen, was an den Toten und dem Tatort zurück geblieben ist, den Tathergang rekonstruieren und Hinweise auf die Schuldigen finden. Die sprunghafte Weiterentwicklung der Technik hat es möglich gemacht, auch aus feinsten Resten noch DNA-Spuren zu gewinnen, Computerdatenbanken machen den Vergleich mit bereits straffällig gewordenen Männern und Frauen einfach und schnell.
Zu den erfolgreichsten Serien dieser Art gehört „Crime Scene Investigation“, kurz „CSI“, die bereits auf sechs Staffeln und zwei Ableger zurück blicken kann. Neben dem bewährten Team aus Las Vegas gehen auch noch erfahrene Forensiker in Miami und New York auf Verbrecherjagd.
Letzter galt bisher als die düsterste der Reihen. Gerade der „Big Apple“ ist dazu prädestiniert, Schauplatz für ungewöhnliche, ja, bizarre Mordfälle zu werden. Und einen solchen präsentiert nun auch die neuste Graphic-Novel „Blutiger Mord“.
Werwölfe in New York? Diesen Eindruck bekommen Mac Taylor und Stella Bonasera vom CSI, als sie nach einem blutigen Mord in New York die Zeugen befragen, die einstimmig von einer grausamen Bestie berichten, die über das Opfer, eine junge Frau, hergefallen sein soll.
Sind die Menschen einer Massenhypnose erlegen? Oder ist doch ein Quentchen Wahrheit an den Erzählungen? Die Untersuchung der Leiche scheint zumindest die Behauptungen eher zu bestätigen, als zu widerlegen.
Da die Mitglieder des CSI schon eine Menge gesehen haben, sind sie durchaus geneigt zu glauben, als sie in die Unterwelt New Yorks hinab steigen und eine ungewöhnliche Entdeckung machen.
Menschen, die sich aus der Gesellschaft zurückgezogen haben, leben dort in friedlicher Gemeinschaft. Und ihr charismatischer und hochintelligenter Anführer Charon ist durchaus bereit, mit Mac Taylor und seinem Team zusammen zu arbeiten. Auch sie haben die vermeintlichen Werwölfe gesehen.
Als die Agenten des CSI den Hinweisen nachgehen, finden sie ein kleines New Yorker Theater und entscheidende Beweise. Doch ist der Fall wirklich so eindeutig, wie die Indizien weismachen wollen?
„Blutiger Mord“ ist noch in der ersten Staffel von CSI: NY angesiedelt, nicht später, da noch eine Ermittlerin im Team ist, die später ausscheidet. Die Stimmung der Graphik Novel ist sehr düster und fatalistisch.
Die fotorealistischen, aber dunklen und in kalten Farben gehaltenen Zeichnungen fangen die düstere Atmosphäre der Serie genau so geschickt ein wie der ausgefeilte Inhalt der Geschichte.
Der Fall, die Schauplätze und die Figuren sind genau so, wie man sie aus der Serie kennt, ein wenig bizarr, außergewöhnlich und unheimlich. Trotz der nüchternen Szenerie scheint man unter der Erde New Yorks in eine fremdartige Welt einzutauchen, die wie aus einem Märchen stammen könnte. Und das gibt der Geschichte einen leicht phantastischen Touch.
Auch wenn durchaus klar ist, dass sich für alles eine wissenschaftliche Erklärung findet, so entsteht doch über weite Strecken der Handlung Spannung allein durch die Tatsache, dass man sich nie wirklich ganz sicher sein kann, ob nicht doch etwas unerklärlich bleibt.
Wer bereits Fan von CSI: New York ist, kann die Wartezeit auf die neuen Folgen mit der Graphic Novel überbrücken, aber auch normale Krimileser werden von der atmosphärisch gestalteten Geschichte voller überraschender Wendungen gut unterhalten. (CS)
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J.R.R. Tolkien
Die Kinder Hurins
The Children of Hurin, GB/USA, 2007
Klett-Cotta, Stuttgart, 03/2007
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Fantasy, 978-3-608-93603-2, 334/1990
Aus dem Englischen von Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch
Titel- und Innenillustrationen von Alan Lee
Karte von J. R. Tolkien
8 Farbtafeln
www.klett-cotta.de
www.hobbitpresse.de
J. R. R. Tolkien ist wohl einer der Autoren, die überwiegend posthum veröffentlicht werden. Obschon er nun seit etwa fünfunddreißig Jahren in seinem Grab ruht, findet sein Sohn Christopher immer noch Möglichkeiten, den Namen seines Vaters durch eine neue Veröffentlichung wieder in das Interesse der Öffentlichkeit zu bringen. Dass er dabei nichts wirklich Unbekanntes außer kryptischen Textfragmenten veröffentlichen kann, ist inzwischen auch eine Tatsache, denn das unter Umständen vorhandene geheime Versteck in den Boden oder Deckenfliesen hat immer noch niemand entdeckt.
So ist auch „Die Kinder Hurins” bereits in den 1980er Jahren bei uns in dem Band „Nachrichten aus Mittelerde” erschienen. Da die Erzählung zu den wenigen Texten gehört, die auch für sich alleine stehen können, wurde sie später sogar ausgegliedert und in entsprechenden Sonderausgaben bei dtv herausgegeben.
Um den Lesern dennoch einen Anreiz zu geben, hat Christopher Tolkien die Geschichte neu bearbeitet, um Textstellen ergänzt oder gekürzt. Klett-Cotta hat eine Neuübersetzung auf Grundlage der vorhandenen veranlasst. Acht Farbtafeln und zahlreiche Illustrationen von Alan Lee, einem der Hauszeichner von Tolkien, seit Kalender mit Motiven aus seinen Romanen erscheinen, sollen zusätzliche Käufer anlocken.
Im sagenhaften Beleriand leben Menschen und Elben in friedlicher Koexistenz, ja, sie müssen sogar regelmäßig gegen einen übermächtigen Feind ins Felde ziehen, denn der dunkle Morgoth möchte all das zerstören, was seine Valar-Brüder und -Schwestern ins Leben gerufen haben.
Einer von den tapferen Kämpen ist Hurin, der Sohn von Hador Goldscheitel, einem edlen Fürsten der Menschen. Auch wenn die „Schlacht der ungezählten Tränen” mit einem Desaster für die Menschen endet, so kann Hurin doch einen schmerzhaften Schlag gegen den düsteren Feind führen und lässt sich trotz späterer Gefangenschaft und Folter nicht brechen. Aus diesem Grund verflucht Morgoth ihn und seine Nachfahren.
Und es scheint, als zeige die Verwünschung schon bald Wirkung, denn anstatt unter dem Schutz der Maiar-Fürstin Melian und am Hof eines mächtigen Elbenkönigs zu einem tapferen und klugen Krieger heran zu reifen, verschwindet Turin und schlägt sich in die Wälder. Er schließt sich einer Bande von Vogelfreien an, deren Anführer er bald wird. Versuche, ihn zu einer Rückkehr zu bewegen, scheitern. Stattdessen zieht Turin es vor, immer wieder andere Namen zu wählen und durch die Lande zu ziehen. Zwar kämpft auch er inzwischen gegen Morgoth, aber wer zu lange mit ihm zusammen bleibt, erfährt irgendwann Leid, Schmerz und Tod, so wie die Elbenmaid Finduilas und das geheimnisvolle Mädchen Niniel, das seine Gefolgsleute im Wald fanden...
Dass sich auch durch die Neubearbeitung der Inhalt der Geschichte nicht sonderlich ändert, ist logisch. Es sind winzige Details, die modifiziert wurden. Insgesamt liest sich die Erzählung jetzt aber etwas flüssiger, die ehemaligen Scharten und Ecken des Textes sind weitestgehend ausgebügelt. Der Neuübersetzung von Helmut W. Pesch gelingt es übrigens, einerseits den altertümlichen Sagenstil des Originals zu bewahren, aber dennoch modern genug zu sein, um auf junge Leser nicht all zu befremdlich zu wirken. Seine Wortwahl ist elegant und angenehm zeitlos.
Ansonsten sollte man sich darüber klar sein, dass „Die Kinder Hurins” keine moderne Abenteuergeschichte ist sondern ein klassisches, sehr tragisches Heldenepos mit all den Wendungen und Archetypen, die dazu gehören. Man merkt Tolkien deutlich an, welche Elemente der Geschichte ihm wichtig waren und welche nur beiläufig erwähnt wurden.
Die Illustrationen von Alan Lee stehen zumeist über den Kapitelanfängen, manchmal auch an deren Ende. Sie ergänzen die Geschichte atmosphärisch, auch wenn die Szenen, die sie zeigen, meist friedliche Moment- oder Landschaftsaufnahmen sind. Dennoch laden sie zum Betrachten ein und bringen dem Leser den Inhalt und die Figuren näher.
Es ist dennoch schwierig, eine vorbehaltlose Empfehlung auszusprechen. Für den Tolkien-Fan ist der Erwerb der Neuausgabe von „Die Kinder Hurins” sicher ein Muss. Diejenigen, denen es reicht, die Geschichte bereits in einer der älteren Ausgaben besitzen, sollten genau überlegen, ob ihnen die Illustrationen und der gefälligere Text das Geld wert ist oder sie nicht doch lieber zu einem anderen Buch greifen. Im Bücherregal macht sich die neue Ausgabe allemal sehr edel. (CS) |
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