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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 20.02.2008, 11:50 Titel: SGA-Hidden Scenes 5:3 Versuche&eine geheime Leidenschaft |
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Stargate Atlantis - Hidden Scenes 5:
Drei Versuche und eine geheime Leidenschaft
Genre: Allgemein/Humor
Charaktere: John Sheppard, Rodney McKay, Elisabeth Weir, Teyla Emmagan, Sergeant Bates, und andere
Rating: PG-12
Inhalt: Manchmal ist es gar nicht so einfach, etwas Wichtiges zu besprechen. Vor allem nicht, an einem Ort wie Atlantis, an dem es manchmal drunter und drüber geht. Und nicht immer ist die uralte Technik daran schuld, sondern ganz besondere geheime Leidenschaften.
Die Geschichte spielt kurz vor "38 Minuten". und ist die wesentlich lustigere Urfassung der Wettbewerbsgeschichte, weil hier eigentlich noch viel mehr drin vorkommt und Johns Seite wesentlich ausführlicher ist. Und auch er und Rodney agieren wesentlich mehr miteinander, da es immer noch etwas zwischen ihnen zu klären gibt.
Disclaimer: Stargate Atlantis und SG-1 und alle Stargate Charaktere sind Eigentum von MGM/UA, Double Secret Productions, Gekko Productions und dem SciFi Channel. Diese Fanfiction wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen.
Teil 1/4
Ist das ihr Ernst?
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Atlantis, Dr. Weirs Büro und im bewohnten Bereich von Atlantis
Mehrere Tage nach dem Vorfall mit dem Schattenwesen
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"Alles kehrt langsam wieder zur Normalität zurück", stellte Dr. Elizabeth Weir ruhig fest und sah ihrem Gegenüber fest in die Augen. Auch wenn John Sheppard zustimmend nickte und lächelte, so blieb sein Blick doch ernst.
Sie beide wussten, dass der Frieden nur oberflächlich war. Jeder noch so kleine Vorfall konnte die Stimmung wieder umschlagen lassen und Mitglieder der Expedition zu unerklärlichen Taten treiben, wie den französischen Techniker Rogiere Fállon, der sich erst vor wenigen Tagen selbst erhängt hatte.
Der medizinisch-psychologische Bericht von Dr. Heightmeyer, den die Expeditionsleiterin gerade eben erst abgezeichnet hatte, nannte als Tatmotiv schlicht das Tenerson-Nakajama-Syndrom.
Major Sheppard und sie wussten jedoch um die menschliche Tragödie, die eigentlich dahinter steckte. Der Luftwaffenoffizier noch mehr als sie, denn er hatte vor Jahren schon einmal eine ähnliche Situation miterlebt. Von dieser bitteren Erfahrung hatte auch sie profitiert, um die Situation wieder zu entspannen.
Elizabeth las die Zustimmung in seinen Augen. Es erstaunte sie, dass sie beide schon jetzt keiner Worte bedurften, um den anderen zu verstehen. Und das machte ihr seltsamerweise Mut und gab ihr Zuversicht. Es erwies sich immer mehr als Segen, John Sheppard für die Expedition gewonnen und mitgenommen zu haben, auch wenn General O' Neill noch einmal versucht hatte, ihn ihr abspenstig zu machen. Nicht nur wegen dem bei ihm so ausgeprägten ATA-Gen, auch aufgrund seiner immer mehr zu Tage tretenden menschlichen Qualitäten.
Sie war sich sicher, dass sie mit dieser Zusammenarbeit weitere Krisen meistern würden, und ähnliche Vorfälle hinauszögern konnten so lange es nur ging..
Eines war ihr jedoch klar: Die Angehörigen der Expedition brauchten sehr viel mehr Ablenkung als jetzt. Und zwar einen Berg von möglichst vielfältigen Aufgaben, die sie von unnötiger Grübelei und Langeweile ablenken würden und die Angst vergessen lassen.
Elizabeth dachte an das, was sie schon einmal zu Major Sheppard gesagt hatte - am Ende jenes ereignisreichen ersten Tages nach ihrer Ankunft.
Es war an der Zeit endlich etwas anderes in Angriff zu nehmen. Sicherlich gab es auf Atlantis noch viel zu erforschen und entdecken, aber nur dafür waren sie Millionen von Lichtjahren gereist. So wie die Wissenschaftler und Soldaten aus dem Stargate Kommando sollten auch sie die Möglichkeiten nutzen, die ihnen das System der Sternentore bot.
Teyla Emmagan hatte schon angedeutet, dass ihr Volk viele besiedelte Planeten mit den unterschiedlichsten Zivilisationen kannte. Mit einigen von diesen teilten die Athosianer sogar freundschaftliche Bande.
Und hier - fernab von der Milchstraße, war es um so aufregender, sich umzusehen. Was auch immer sie auf der anderen Seite des Ereignishorizonts erwarten würde - außer den Wraith vielleicht - würde eines Tages auch der Erde zu Gute kommen.
Der dunkelhaarige Mann auf der anderen Seite runzelte die Stirn.
Sah sie da ein ahnungsvolles Aufblitzen in seinen haselnussfarbenen Augen?
Elizabeth holte tief Luft. "Wir haben nun auch die Schattenseiten unserer neuen Heimat kennengelernt, aber das sollte uns nicht davon abhalten, sie endlich einmal zu verlassen und sich zwischen den Sternen umzusehen. Deshalb habe ich Sie hergebeten, Major Sheppard. Haben Sie sich mittlerweile für die drei Personen entschieden, die Teil Ihres Teams werden sollen?"
John Sheppard straffte seinen Rücken.
Er biß sich auf die Lippen. Das war die einzige Verlegenheitsgeste, die er sich erlaubte, bevor er antwortete: "Warum ich Miss Emmagan von den Athosianern und Lieutenant Ford mit dabei haben möchte, wissen Sie ja bereits." Er hielt kurz inne. "Was den vierten Mann angeht, so hatte ich bisher nicht die Gelegenheit, noch einmal mit den vielversprechenden Kandidaten unter vier Augen zu sprechen."
"Wir wissen beide, dass Sie damit nur eine ganz bestimmte Person meinen." Elizabeth lächelte, während sie das aussprach, was der Major bisher gekonnt umgangen hatte. "Warum glauben Sie, dass Dr. McKay der geeignete Mann ist? Bisher hat er sich nicht gerade als teamfähig erwiesen, und als Chefwissenschaftler der Expedition fallen hier sehr viele Aufgaben für ihn an."
John Sheppard neigte ein wenig den Kopf zur Seite und schien sich die geeigneten Argumente zurecht zu legen.
"Vielleicht ist Dr. McKay als Mensch nicht leicht zu nehmen, aber ich halte es für unumgänglich, dass gerade er uns begleitet. Von allen Männern und Frauen hat er das am breitesten gefächerte Wissen über die Technologie der Antiker und er beherrscht ihre Schriftsprache schon recht gut. Und wer weiß, worüber wir da draußen stolpern. So ist er gleich an Ort und Stelle und kann das genauer unter die Lupe nehmen."
Er grinste schief. "Da Dr. Becketts Gen-Therapie so ausgezeichnet angeschlagen hat, kann ich ihn später ebenfalls zu einem Piloten ausbilden. Nicht nur Sergeant Markham. Sollte mir also etwas passieren, ist immer noch jemand da, der das Team nach Hause bringen kann."
Er holte tief Luft und setzte seine Rede fort. "Außerdem hat Rodney McKay erst kürzlich bewiesen, dass er trotz aller Jammerei und der üblichen Wehleidigkeit durchaus über seinen Schatten springen und sich für die Gemeinschaft einsetzen kann."
Elizabeth nickte. Der Major spielte auf das beherzte Eingreifen des Chefwissenschaftlers an, als dieser geholfen hatte das Schattenwesen loszuwerden. Nicht wissend, ob ihn der persönliche Schild aus den Labors der Antiker wirklich schützen würde, hatte er sich mitten in die lichtundurchlässige Substanz gewagt, die schon bei leichtester Berührung Brandwunden verursachte. Nur um den Naquadah Generator durch das Sternentor zu schleudern, den sie dem Wesen als Köder vorgeworfen hatten.
Ja, das war sehr mutig gewesen - und selbstlos. Vor allem von einem Mann, dem man diese Tugenden sonst nicht nachsagte.
Sheppard setzte ein verschmitztes Lächeln auf. "Außerdem habe ich bei unserer Zusammenarbeit in den letzten Wochen ein paar Dinge über ihn herausgefunden, die mir sicher helfen werden, ihn zu überzeugen. Wissenschaftler halten sich gerne für unnahbare Götter der Logik, aber was Gefühle angeht, so sind sie darüber nicht erhaben, schon gar nicht..." Er verstummte abrupt, als fühle er sich ertappt.
"So, meinen Sie?" Elizabeth schmunzelte, dann wurde sie wieder ernst. "Dennoch sollten wir die erste Exkursion nicht all zu lange hinauszögern. Ich denke, wenn wir uns morgen Mittag um 0100 mit dem restlichen Stab treffen, um das erste Ziel auszuwählen, sollten Sie ihr Team komplett haben."
Der Major machte eine bejahende Geste. "Ja, Madam. Das ist nur fair." Er erhob sich. "Dann werde ich die Sache jetzt einmal angehen."
Die Expeditionsleiterin sah ihm nach. Trotz des lässigen Ganges sah sie ihm an, dass ihr kommandierender Militäroffizier ziemlich angespannt war.
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"Nein! Sagen Sie nicht, dass die letzten zwei Stunden Arbeit für die Katz' waren!"
Sofort war Rodney McKay auf den Beinen und umrundete den Tisch, um nachzusehen, warum seine Assistentin plötzlich so entsetzt dreinblickte. "Wir haben die Simulation doch schon einmal durchlaufen lassen, und da war alles in Ordnung. Was wir jetzt nur noch brauchten waren Vergleichswerte! Was ist los?"
Mit einer heftigen Bewegung stellte der Kanadier den Kaffeebecher auf dem Tisch ab und zog den Laptop mit einem heftigen Ruck zu sich hinüber. Miko Kusanagi, die Wissenschaftlerin japanischer Abstammung, quietschte erschreckt auf und fing das Plastikgefäß auf, noch ehe es umfallen und den restlichen Inhalt über ihren Kittel ergießen konnte.
Der Kanadier beugte sich angespannt über den Bildschirm und studierte die Anzeigen. Dann tippte er etwas hektisch in die Tastatur. "Da stimmt etwas nicht. Aber was kann das verursacht haben? Woher kommen diese seltsamen Abweichungen?" murmelte er und wandte sich dann der dunkelhaarige Frau mit der großen Brille zu. Seine Augenbrauen senkten sich drohend.
"Sie haben doch nicht etwa die Einstellungen verändert? Oder etwas aufgespielt, von dem ich nichts weiß?"
Die ohnehin zierliche und kleine Frau wirkte plötzlich noch winziger. Man hatte das Gefühl, als wolle sie den Kopf zwischen den Schultern verstecken.
"Haben Sie?" McKay Stimme hatte einen lauernden Unterton angenommen. "Und was?"
Er widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm. Wie schon vor zehn Jahren funktionierte es noch immer mit der Alt- und der Tabulator-Taste zwischen den Fenstern hin und her zu schalten.
Und schon hatte er den Übeltäter.
Der Kanadier schnappte nach Luft. Im ersten Moment war er nur verblüfft, so als könnte er nicht fassen, was er da auf dem Bildschirm sah. Zwar war die dort angezeigte Version sehr modern, aber die Urversion des Spiels kannte er noch aus seiner High-School und College-Zeit.
"Wie zum Teufel kommt das auf den Rechner?" zischte er wütend. "Tetris gehört nicht zu den Programmen, die Sie für Ihre Arbeit benötigen! Wenn Sie sich unbedingt beschäftigen müssen, während die Simulation läuft, dann nehmen Sie entweder ihren Rubik's Cube zur Hand - oder noch besser: Sortieren Sie den Papierkram auf dem Tisch oder katalogisieren Sie endlich die kleinen Artefakte aus der Kiste."
"Ich ... ich..." Tränen standen in den Augen der kleinen Wissenschaftlerin. "Er hat mir versichert, dass das Spiel wirklich nicht stören würde", versuchte sie sich zu verteidigen. "Es tut mir leid, ich..."
"Wer ist eigentlich "er"?" Rodney McKay kam in Fahrt. Er schlug so heftig auf den Tisch, das die Frau vor ihm zusammenzuckte und Miko Kusanagis rosafarbener Hello Kitty-Lieblingstift hochhüpfte und über die Kante auf den Boden fiel.
Das war ja kaum zu glauben! Da stattete die Regierung sie mit nagelneuen Hochleistungslaptops aus, die ihnen die Arbeit erleichtern sollten, und dann kamen doch tatsächlich einige Leute auf die dumme Idee, Dinge aufzuspielen, die nichts darauf zu suchen hatten.
Er konnte es immer noch nicht fassen.
Wer wusste schon, was der ein oder andere sonst noch alles nach Atlantis geschmuggelt hatte? Womöglich warteten modifizierte Versionen von "World of Warcraft", "Final Fantasy Online" oder anderen Multi-Player-Games nur darauf, aufgespielt zu werden, wenn das Netzwerk erst einmal stand und stabil genug war.
Rodney schüttelte den Kopf. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was das dann für die Arbeitsmoral bedeutete.
Obwohl – ein Spielchen in der Freizeit war er auch nicht unbedingt abgeneigt. In Maßen natürlich . Ärgerlich verwarf er den Gedanken und ignorierte das Kribbeln in seinen Fingern. Er vermisste wirklich manchmal seine...
Nein, nur nicht daran denken. Er war keine zwanzig mehr, sondern fast doppelt so alt und ein anerkannter Wissenschaftler, der so einen Unsinn wie Computerspiele – zumindest offiziell - seit seiner Zeit im College nicht mehr anrührte.
"Dr. McKay?" Eine Stimme, die er zwar kannte, die aber nicht in das gewohnte Umfeld seines Labors passte, schreckte ihn aus seinen Gedanken.
Er sah auf.
Major Sheppard stand an seiner Seite und beäugte interessiert den Bildschirm. Sofort drehte Rodney diesen weg, so dass der Offizier nicht mehr sehen konnte, was sich darauf abspielte. Womöglich kam der hochgewachsene dunkelhaarige Mann dann auch noch auf dumme Ideen. Zuzutrauen war es ihm.
"Ja, Major?" erwiderte der Kanadier ruppiger als er eigentlich wollte.
Sein Gegenüber zog eine Augenbraue hoch. Irgendwie sah es auch so aus, als verkneife er sich ein breites Grinsen. In den Mundwinkeln Sheppards zuckte es verdächtig.
"Haben Sie einen Moment Zeit für mich, oder können Sie ihre Arbeit nicht unterbrechen?" Er reckte noch einmal seinen langen Hals, um auf den Bildschirm zu blicken, so dass Rodney kurzerhand den Laptop zuklappte.
"Es kommt darauf an, was Sie von mir wollen. Für Beschwerden oder Forderungen irgendwelcher Art bin ich im Moment nicht so ganz empfänglich."
"Okay..." Sheppard blickte vorsichtig auf das zitternde Häufchen Elend. Dr. Kusanagi verschwand hastig unter dem Tisch, um ihren Stift aufzuheben. Dabei rutschte ihr ein kleiner Gegenstand aus der Tasche, den Rodney nicht richtig erkennen konnte, weil eines der Tischbeine dazwischen war. Zumindest schien es ihr peinlich zu sein, denn sie sammelte alles hastig wieder ein.
Major Sheppard beobachtete sie, dann zuckte er zusammen und wandte sich wieder Rodney zu. "Nun, eigentlich wollte ich Sie nur fragen, wie es mit..."
"Sir, ein Zwischenfall an der Waffenkammer!", unterbrach ihn das Funkgerät, ehe er den Satz vollenden konnte. "Ich benötige dringend Ihre Hilfe."
Rodney wusste nicht, ob es Verärgerung oder Erleichterung war, die sich im Gesicht des Majors abzeichnete, als dieser sein eigenes Gerät aktivierte und antwortete: "Ja, Sergeant Bates. Ich komme sofort!"
Dann blickte er noch einmal zu Rodney. "Ich hoffe, wir kommen heute noch dazu, uns unter vier Augen zu unterhalten." Mit diesen Worten drehte er sich schon um und eilte mit langen schnellen Schritten hinaus.
Rodney legte den Kopf schief. Der Major wollte ihn in einem Gespräch unter vier Augen etwas fragen?
Einen Moment war er ratlos.
Was konnte das sein?
Dann kam die Erleuchtung über ihn.
Es konnte doch nur das sein: Sheppard hatte es immer noch nicht aufgegeben, ihn für sein Team gewinnen zu wollen. Schon als er ihn kurz nach dem Vorfall mit dem Schattenwesen besucht hatte, waren deutliche Andeutungen gefallen.
Rodney holte tief Luft und starrte die Regale neben der Tür an, während er die Vermutung in Gedanken durchspielte.
Wenn er ehrlich war mit sich war, dann hatte er schon selbst ein- oder zweimal erwogen, den Luftwaffenoffizier auf das noch immer offenstehende Angebot anzusprechen. Auch wenn er damit Gefahren und Unannehmlichkeiten auf sich nahm.
Denn manchmal wünschte er sich geradezu, sich nicht tagaus, tagein den üblichen Wahnsinn antun zu müssen. Da waren Dr. Kusanagis Versuche alles richtig zu machen, doch statt dessen brachte sie in ihrem Ungeschick alles mehr durcheinander. Er hasste es, dass Peter Grodin oder Radek Zelenka nicht einfach seine Wünsche klaglos umsetzten, sondern ständig mit Einwänden oder Verbesserungsvorschlägen ankamen, so als ob sie mehr Ahnung als er von der Vernetzung von antikischer und irdischer Technik hätten. Und nicht zuletzt war da Dr. Kavanaughs übliche Rechthaberei und Arroganz.
Zugegebenermaßen schmeichelte es ihm auch, dass sich jemand so hartnäckig um seine Mitarbeit bemühte und er nicht nur mit Murren und Zähneknirschen herangezogen wurde, wie von Samantha Carter.
Nun, wenn der Major wirklich nur das wollte, dann konnte er sich im Laufe des Tages ja überlegen, ob er wirklich bereit war, zuzusagen. Denn immerhin riskierte er bei Außenwelt-Missionen ja jedesmal sein Leben. Das hatte er oft genug im Stargate-Center miterlebt. Und vielleicht konnte er Sheppard ja noch ein wenig zappeln lassen und sich zieren, als Rache für die vielen dummen aber nicht unbedingt immer witzigen Sprüche, die er sich schon von dem Offizier hatte anhören müssen.
Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, dann aber wurde er wieder ernst und setzte eine strenge Miene auf. Abrupt drehte er sich zu Dr. Kusanagi um, die den Laptop inzwischen wieder vorsichtig zu sich herangezogen und aufgeklappt hatte. Versuchte sie etwa das Spiel zu löschen? Zumindest geschlossen hatte sie es schon.
Er entzog ihr den Rechner und musterte sie finster. Miko zuckte förmlich unter der Härte seiner Stimme zusammen. "Wir waren mit unserer Unterhaltung noch nicht fertig. Also, Dr. Kusanagi, dann legen Sie mal los..."
Überraschungen der unerwarteten Art
Schon durch das Funkgerät hatte John eine leise Ahnung bekommen, was ihn erwartete. Denn die Stimme von Sergeant Bates hatte nicht so ganz das wütende Heulen eines Kindes übertönen können.
Ein Grinsen zuckte über sein Gesicht, als er im Lauf um die Ecke bog und die Spur der Verwüstung sah, die sich über den Gang verteilte. Er setzte mit einem mehr oder minder geschickten Sprung über die vertrockneten Reste eines zehntausend Jahre alten Zierbusches hinweg und ging dann zu Schritten über. Erde verteilte sich über den Boden und knirschte unter den Sohlen seiner Stiefel. Sie war durchzogen von Schleifspuren. Der Kübel stand indessen umgedreht vor der Waffenkammer.
Unglaublich - all das sollte ein nicht mal drei Jahre altes Kind angerichtet haben?
Andererseits, gab es einen Racker, bei dem er sich das sehr wohl vorstellen konnte.
John blickte zwischen Sergeant Bates, der eine Lederleine um seinen rechten Arm gewickelt hatte, und dem braunhaarigen Dreikäsehoch hin und her, der sich abwechselnd aus dem Geschirr oder von dem Zugriff mehr als zwei Mal so großen Soldaten zu befreien versuchte.
"Lass los. Blöder Mann. Böser Mann", fauchte Shanao. Als das Kind dann auch lossprang, um ihn anzugreifen, wehrte Bates das Kleine instinktiv mit der Linken ab. Aber er war umsichtig genug, um ihm nicht weh zu tun. Er schubste es eher sanft als grob um.
Shanao landete auf dem Hosenboden und begann lauthals zu brüllen - doch weniger aus Schmerz und Erschrecken, als aus Wut.
"Sie sehen Sir, dieses Kind ist unverbesserlich!" rief der Sergeant über das Geschrei hinweg. "Wenn die Athosianer nicht einmal schaffen, ihren jüngeren Nachwuchs unter Kontrolle zu bekommen, wie sollen wir dann hier Ordnung halten und ..."
John verdrehte die Augen und hob die Hand. "Nicht jetzt, Bates. Wir wollen doch nicht schon wieder die alte Diskussion anfangen. Das kann nur zu einem unbefriedigenden Ende führen." Er ging in die Hocke.
"Shanao", sprach er das Kind gezielt an. "Shanao, ich bin es. Onkel John!"
Das Kind wandte ihm sein Gesicht zu. Sofort verschwanden Wut und Trotz aus den weichen Zügen und machten einem flehenden Blick Platz. "Du musst mich da rein lassen", sagte es mit einem Schniefen und putzte sich die tropfende Nase und die Augen mit dem Ärmel ab. "Ich muss doch das Ei des Stahlvogels finden und ausbrüten." Und dann fügte es tadelnd hinzu: "Du hattest gar nicht recht. Das sind gar keine Eier in den Kübeln. Nur blöde Steine."
"Ich habe dir doch erzählt, dass man lange suchen muss, um ein Ei zu finden. Manchmal sogar sehr lange." John holte tief Luft und musste unwillkürlich grinsen. "Wer hat das denn mit den Kübeln gesagt?"
"Jinto! Der hat mich ausgelacht!"
"Ach, der hat doch wirklich keine Ahnung."
Bates stöhnte. "Sir, können wir nicht kurzerhand dafür sorgen, dass..."
John machte eine abwehrende Geste, damit er den Mund hielt, und sprach weiter. "Jinto kennt das Geheimnis der Stahlvögel nicht, ich glaube, der weiß nicht einmal, wie die aussehen."
"Ja, das glaube ich dir!" Shanao nickte eifrig und deutete auf die Tür. "Aber da sind die Eier drin. Das weiß ich. Das sind die mit der lustigen Schale."
"Ich wünschte, das wäre so, aber du täuscht dich..." John überlegte. "Die Eier, die da drinnen sind, gehören zu anderen Tieren. Ganz gefährlichen und bösen. Und die dürfen wir nicht ausbrüten. Das sind ganz hässliche und hungrige Metallbeißer. Die fressen die Stahlvögel auf. Das willst du doch nicht."
"Nein!" Shanao nickte eifrig. Dann jedoch schien das Kind zu überlegen. "Metallbeißer machen mehr Spaß. Da kann ich mit spielen. Ich will so einen haben!"
John biss sich auf die Lippen. Das hatte er jetzt nicht beabsichtigt. Nicht nur, dass das Kleine hartnäckig war, es besass auch eine blühende Phantasie. "Wenn ein Metallbeißer mein Freund ist, dann frisst er Löcher in die Türen und Wände." Es strahlte. "Dann kann ich überall rein. Das ist doch toll."
"Und was ist, wenn dein Metallbeißer so hungrig ist, dass er dann auch noch den Boden weg futtert? Dann fällst du ins Meer. Willst du das?"
Shanao überlegte wieder ganz angestrengt und schüttelte sich. "Ich mag Wasser nicht. Das ist ganz nass und eklig. Wasser ist blöd." Das Kind schnappte nach Luft, nur um entschlossen weiter zu sprechen. "Das verbiete ich ihm. Und wenn er böse ist, dann haue ich ihn."
Es rappelte sich wieder auf und versuchte auf den Kübel zu klettern, doch Bates verkürzte die Leine so, dass Shanao es nicht einmal schaffte, auf das Gefäß zu klettern.
Das Kind japste und setzte zu neuem Gebrüll an.
John seufzte innerlich. Wann wurde das Kleine denn endlich einmal müde? Oder einsichtig? Vielleicht sollte er es einfach hochheben und trotz seines Protestes zu den Athosianern bringen.
Gerade als er seine Überlegung in die Tat umsetzen wollte, huschte eine Frau in archaischer Lederkleidung an ihm vorbei. Es war die Mutter des kleinen Wildfangs - Jheynira.
Sie kauerte sich hin und hob tadelnd die Hand. "Ich habe dich gesucht. Was machst du nur wieder für Sachen? Warum kannst du nicht einfach gehorchen?"
John, der nichts mehr sah, richtete sich auf. Shanao lehnte jetzt am Kübel und sah die Mutter mit großen Augen und kleinem gespitzten Mund an. Dann streckte es die Ärmchen aus und sagte "Mama, ich hab dich lieb!" in die Stille.
Sergeant Bates verdrehte die Augen. Unauffällig lockerte er den Griff um die Leine ein wenig, aber nicht so weit, dass das Kind auf dumme Ideen kam. John konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
"Trotzdem bist du ständig unartig!" ließ sich Jheynira nicht beirren. "Wenn du nicht aufpasst, dann läufst du noch den Wraith in die Arme!"
"Nein ... hier sind keine von denen. Ich habe extra nachgekuckt!"
John bekam immer mehr Achtung vor dem Kind. Das ließ sich wirklich von keinem Argument einschüchtern und offensichtlich konnte die Leine es auch nicht davon abhalten, weiter in der Stadt herum zu stromern.
Schlagartig wurde er nachdenklich. Genau das machte es um so schlimmer. Denn wenn Shanao einfach nicht zu halten war und weiterhin unbeobachtet herumstreifte, würde sein Leichtsinn und Übermut unweigerlich zu einer Katastrophe führen. Er mochte gar nicht an die Folgen denken: Das Kind konnte sich verirren und nicht mehr zurückfinden, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit verletzen oder sogar sterben.
"Es ist schön, Shanao, das du so aufmerksam bist", erwiderte John ruhig. "Aber die Wraith haben Schiffe, mit denen sie durch den Himmel fliegen können. Und nicht nur durch die Tore. Sie können schneller da sein als du denkst. Deshalb musst du bei deiner Mama bleiben und auf sie hören."
Jheynira nahm das Kind auf den Arm. Erst als Bates sich sicher war, dass sie den Wildfang auch fest genug hielt, lockerte er die Lederleine um seinen Arm und übergab sie der Frau. Irgendwie wirkte er dabei ziemlich erleichtert.
Shanao sah indessen John groß an. "Die habe ich schon gesehen, die sind über das Dorf geflogen. Und der da hat eins tot gemacht." Das Kleine deutete auf Bates, der heftig zusammenzuckte und verdutzt dreinblickte. "Das kann er wieder tun. Bumm!", ahmte der Dreikäsehoch ungefähr die Haltung beim Abfeuern eines Raketenwerfers nach und quietschte vor vergnügen. „Darf ich das auch mal?“
Der Sergeant räusperte sich verlegen. "Ich befürchte, dafür bist du noch zu klein. Das Rohr, das ich gehalten habe ist ziemlich schwer."
"Das schaffe ich ganz bestimmt. Ich will ein großer Krieger werden, und Papa sagt, da muss man schon früh anfangen", sagte Shanao aufmerksam. "Deshalb muss ich auch das „Bumm“ lernen!"
„Darüber können wir in ein paar Jahren vielleicht einmal reden.“
„So laaaaannnnngggge?“ Shanao machte einen Schmollmund. Dann wurde das Kind aber wieder ernst. „Dann musst du weiter die Wraith alleine kaputt machen!“ Es machte eine Geste, die seine Mutter benutzte, wenn sie den Dreikäsehoch ausschimpfte. „Hast du verstanden?“
Sergeant Bates schien sich sichtlich unwohl zu fühlen, und da spielte nicht nur Shanaos Verhalten eine Rolle. Vermutlich scheute er sich davor, noch einmal mit den Wraith konfrontiert zu werden. Aber John konnte ihm das auch nicht verübeln. Die Wraith, und auch ihre kleinen Schiffe, die er "Darts" getauft hatte, waren mehr als beängstigend und der Mann vor ihm war schließlich eine Weile deren Gefangener gewesen.
"Du auch!" wandte Shanao sich ihm ebenfalls ernst zu. "Tante Teyla sagt, du bist ein großer Krieger! Die dürfen niemals Angst haben und müssen die anderen beschützen..."
"Jetzt ist es aber genug!" fiel Jheynira ihrem Kind ins Wort.
Shanao streckte ihr die Zunge heraus und machte im nächsten Moment ein ziemlich empörtes Gesicht, weil die Mutter nicht zögerte, ihm einen leichten Klaps auf den Hosenboden zu versetzen.
Das Kind schwieg beleidigt.
Derweil sah die Athosianerin John gequält an. "Bitte entschuldigen Sie den Ärger, den mein Kind ihnen schon wieder gemacht hat. Wenn Sie erlauben, dann bringe ich Shanao nur kurz in die Obhut der Alten und komme dann mit meinem Mann wieder, um die Unordnung zu beseitigen."
Er wollte schon zustimmen, da sah er den ernsten Blick und die wenig begeisterte Miene von Sergeant Bates. In diesem Fall musste er dem Chef der inneren Sicherheit recht geben. Sie hatten die Waffen absichtlich eingeschlossen und von den Athosianern fern gehalten. Damit eben nicht wieder ein unnötiger Verdacht und daraus resultierender Ärger entstünde, mussten sie es auch dabei belassen und sich selbst um die Aufräumarbeiten kümmern.
Deshalb schüttelte er den Kopf. "Das ist sehr freundlich von Ihnen, Jheynira, aber nicht nötig. Wir übernehmen das schon. Das ist kein Problem für uns."
Er lächelte die junge Frau unverbindlich an. Ob sie bemerkte, das Shanao begonnen hatte, ihr langes Haar zu verknoten?
Jheynira nickte, dann stutzte sie plötzlich und sah ihr Kind streng an. "Shanao, wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann bekommst du heute Nachmittag nichts von süßen Brei, den Avea Charin für die Kinder machen wollte, und auch kein Abendessen."
Das Kleine hielt inne. Wieder schien es zu überlegen, dann versuchte es ganz artig zu wirken, was nicht so ganz funktionierte, weil es immer noch Schnuten zog. Schließlich kuschelte es sich liebesbedürftig an die Schulter der Mutter.
Selbst ein wenig genervt vom Treiben ihres Nachwuchses, seufzte Jheynira und verabschiedete sich hastig. John sah ihr nach, bis sie um die nächste Ecke verschwunden war.
"Sir", sagte Sergeant Bates. "Ich kann nur noch einmal wiederholen, das geht so nicht weiter. Wir können nicht ständig jemanden abstellen, um die Waffenkammer zu bewachen." Die Stimme des Sergeanten zeugte von seiner Wut.
"Da gebe ich ihnen recht", erwiderte John schnell, um sich eine weitere Tirade gegen die Athosianer zu ersparen. Er überlegte kurz. "Atlantische Türen haben sich als sehr zäh erwiesen, um sie per Hand zu öffnen, es bedarf da schon die Kraft eines erwachsenen Mannes und ein wenig technisches Verständnis. Vielleicht reicht es fürs Erste schon, einen der Kristalle aus der Schaltung zu entfernen. So hat zunächst nur der zuständige Waffenoffizier Zugriff. Das wäre zumindest eine Übergangslösung."
Bates holte tief Luft. "Dem kann ich zustimmen, Sir."
"War das dann alles?"
"Ja, Sir!"
John nickte und wandte sich ab. Während er beschloss, sein Gespräch mit Dr. McKay fortzusetzen, dachte er an sein Verhältnis zu dem Marine. Bates war immer noch nicht gewillt, ihn wirklich als Vorgesetzten zu akzeptieren und würde jede unnötige Freundlichkeit nur als Anbiederungsversuch und Schwäche auslegen. Also ersparte er sich das besser.
Doch gerade, als er in den Gang zum Labor des Kanadiers einbiegen wollte, kam ihm Randolph Masterson, entgegen, der zusammen mit einem Techniker und einem Soldaten, die Überwachung und Ausgabe der Vorräte übernommen hatten.
"Major Sheppard", sagte der junge Mann in der grauen Jacke mit den roten Streifen , der direkt Dr. Weir unterstand. "Gut, dass ich Sie hier treffe. Denn beim täglichen Check des Lagers habe ich Differenzen festgestellt, die nicht nur durch Rechenfehler entstanden sein können. Ganz offensichtlich hat sich jemand hier in unredlicher Absicht bedient."
John seufzte. Was konnte verschwunden sein? Doch nicht etwa die Fertignahrung der Army? Energieriegel? Schokolade? Bei dem Bedarf an Süßkram, den die Wissenschaftler an den Tag legten, gut vorstellbar.
Es war fast schon zum Lachen. Hier gab wirklich eine menschliche Schwäche der anderen die Klinke in die Hand.
"Und um was handelt es sich?" fragte er mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme.
Der Mann schlug einige Blätter auf seinem Klemmbrett zurück. "Einer unserer beiden Kartons mit USB-Sticks ist fast vollständig geleert und zwei 25-er Boxen mit DVD Rohlingen sind verschwunden."
Johns Augen weiteten sich. "Das sind doch alles Speichermedien? Was will der Dieb damit anstellen?" |
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FelixE Bestsellerautor

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.09.2007 Beiträge: 554 Wohnort: Fränkische Schweiz
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Verfasst am: 20.02.2008, 17:02 Titel: |
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Ahh ich kannte schon die Kurzfassung..ja ja der mensch spielt eben sehr gern..das wird sich ja noch potenzieren. *g*
Kusangi tut mir ja immer total leid. Da will sie was von McKay aber der denkt nicht mal im Traum dran...*seufz*
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil. |
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Kathi90 Autor

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 332 Wohnort: Etzenricht
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Verfasst am: 21.02.2008, 09:41 Titel: |
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Ja, beim erneuten lesen gehts mir wie beim ersten mal schon *g*
Shanao hat es faustdick hinter den Ohren und ich würde am liebsten jeden Satz zitieren, so super hast du das gemacht!
Doch den muss ich einfach zitieren:
| Zitat: |
| "Nein ... hier sind keine von denen. Ich habe extra nachgekuckt!" |
*giggel*
Erst macht er einen auf so:
und dann ist er doch wieder:
Mit Johns Vorschlag den Kristall raus zu nehmen, hätte Bates nun nicht gerechnet. Mei, da hätt der Bua a bissl sein Kopf a strenga müssen... |
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Scout Schreiberling

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 220 Wohnort: im Taunus
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Verfasst am: 14.03.2008, 20:08 Titel: |
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Hallo Kris,
so langsam starte ich die große Aufholjagd, auch wenn ich eigentlich die 60 Aufsätze erst mal korrigieren sollte, aber ich habe jetzt viel mehr Lust zu lesen. Der Anfang hat mir gleich wieder gut gefallen, da kommt so richtig das Menschliche rüber!
Dann sind wir bei der Wahl von Johns Team. Schön, wie du die leicht angespannte Atmosphäre eingefangen hast. Und er steht für Rodney ein, das ist interessant! Wenn er wüsste, in welche Lagen der den jetzt-Colonel noch bringen wird *g*
Und dann Auftritt McKay! Bestens! Und sein Verhalten ist ja so typisch für ihn. Finde es klasse, wie du ihn getroffen hast!
| Zitat: |
| Und nicht zuletzt war da Dr. Kavanaughs übliche Rechthaberei und Arroganz. |
Wie wir ihn kennen und nicht lieben!
Die Szene rund um Shanao war lustig. Kann mir auch Bates dabei gut vorstellen Sicherlich sind alle Beteiligten bisschen froh, wenn die Athosianer ihr Lager auf dem Festland aufschlagen, obwohl es dann in Atlantis so ganz ohne Kinder wohl leer wird…
War wieder super! _________________
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 18.03.2008, 10:59 Titel: |
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@ Felix: So, dann werde ich mal den nächsten Teil einstellen. Ja, es passiert noch eine Menge mehr, wie du sehen wirst.
@ Kathi: Na ja, so ist das mit den jungen Flöhen. Nur Unsinn im Kopf, und Shanao kostet unbewusst auch noch den Niedlichkeitsfaktor aus. Na ja, und das Gekabbel mit Bates musste einfach sein. Auf jeden Fall geht es jetzt weiter
@ Scout: Schön, dass du es auch geschafft hast, da kann ich dich mit dme nächsten Teil beglücken, Zeit dazu wird es ja. Na ja, und damit habe ich schon die drei Themen der Geschichte eingeführt. Wie du noch sehen wirst. Nun aber will ich keine weitere Worte machen.
Teil 2/4
Wo bleibt die Arbeitsmoral?
"Es war Philipp Landon von den Technikern", gab Miko Kusanagi schließlich mit Tränen in den Augen zu. "Sie wissen doch, dass er gestern nach dem Crash meine Festplatte ersetzt und den Computer neu eingerichtet hat. Und dabei hat er auch gesagt, dass ich keine Angst haben müsse wegen der Spiele."
Davon hatte Rodney nicht viel mitbekommen, da er nur kurz im Labor gewesen war. Nun aber horchte er auf. "Der ... Spiele?"
Miko Kusanagi schluckte und blickte verlegen zu Boden. Sie steckte die Rechte in eine der Kitteltaschen und spielte nervös mit einem kleinen länglichen Gegenstand herum. "Sudoku ... Backgammon ... Schach ... Mahjongg ... und ... Moorhuhn."
Der Chefwissenschaftler ließ zischend die Luft aus seinen Lungen entweichen. " Moorhuhn?"
Er hatte von diesem, schon einige Jahre altem, Spiel aus Deutschland gehört, aber nie mehr als Screenshots gesehen. Es war ein simples Ballerspiel, bei dem es darum ging Hühner mit Schüssen aus einer imaginären Jagdflinte aus dem Himmel zu holen und dabei Punkte zu sammeln. Angeblich hatten sich damit vor allem die Angestellten aus den Verwaltungen vergnügt.
Und jetzt wollte das seine Assistentin Miko Kusanagi, die sonst keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte? Da taten sich wirklich Abgründe auf.
"Und das war alles?" fragte er scharf.
"Ja, mehr wollte ich nicht annehmen", gab sie kleinlaut zu.
"Oh, das ist sehr rücksichtsvoll von Ihnen, Dr. Kusanagi." Rodney schnappte sich den Laptop nachdem er den Deckel geschlossen hatte. "Das werde ich höchstselbst überprüfen, zusammen mit Peter Grodin. Den wird es sicherlich auch interessieren, was seine Techniker so hinter seinem Rücken treiben."
Miko Kusanagi nickte gehorsam und dienstfertig. "Und ich werde derweil das Chaos auf dem Tisch richten und die Artefakte katalogisieren, wie Sie gesagt haben."
"Tun Sie das und lassen Sie Ihre Finger ja von den anderen Rechnern in diesem Raum, ist das klar?"
"Ja, Doktor McKay."
Rodney schüttelte den Kopf und klemmte sich den Rechner unter den Arm. Als er das Labor verließ blickte noch einmal streng zurück. Dr. Kusanagi schrumpfte wieder in sich zusammen und machte sich daran, seinem Befehl Folge zu leisten.
Draußen aktivierte er das Funkgerät. "Grodin, wo halten Sie sich gerade auf?"
"Im Labor bei Generator zwei. Warum wollen Sie das wissen, Dr. McKay?"
"Rühren Sie sich nicht vom Fleck. Ich habe dringend etwas mit Ihnen zu bereden!"
Rodney beendete die Verbindung und machte sich auf den Weg. Es traf sich gut, dass sich der Cheftechniker in der Nähe eines dieser praktischen Transporter aufhielt und womöglich noch allein.
Er war wirklich gespannt auf dessen Gesicht, wenn er ihm genüsslich von den Schandtaten seiner Techniker berichtete. Und dann gerade auch noch Philipp Landon. Er hatte den unscheinbaren und ruhigen Mann mittleren Alters eigentlich für wesentlich vernünftiger und erwachsener gehalten.
Andererseits war durchaus etwas an dem Sprichwort mit den stillen Wassern... Gerade die waren mit Vorsicht zu genießen.
Rodney verließ den Transporter. Es war immer noch irritierend, sich der antikischen Technik auszusetzen, ohne genau zu wissen, wie sie eigentlich funktionierte.
Und darüber dachte er jetzt auch besser nicht nach.
Nur noch ein paar Schritte den Gang hinunter, dann war er im Generatorraum zwei. Tatsächlich befand nur eine Person im Raum.
Wenn noch andere mit dem Cheftechniker zusammen gearbeitet hatten, dann musste Peter Grodin sie bereits weggeschickt haben. Er beendete gerade seine Arbeiten und richtete sich auf. Er stellte gerade die Schilder an ihren Platz zurück, die Rodney geschrieben und lächelte dabei sonderbar, so als amüsiere er sich über die übertriebene Vorsicht.
Der Kanadier verzog das Gesicht. "Sie und ich wissen vielleicht, wie gefährlich die Generatoren sein können, aber ich bezweifle, dass sich andere Expeditionsteilnehmer - speziell das Militär - dessen bewusst ist."
"Auf wen spielen Sie da an? Etwa unseren Major Sheppard? Er hat sich sehr interessiert und verständig gezeigt, als ich ihm vor ein paar Tagen die Unterschiede der Naquadah- zu den üblichen Generatoren erklärte."
"Das ist mir gerade der Richtige..."
Rodney beschloss sich dass zu merken.
Nicht, dass der Luftwaffenoffizier noch auf die überaus dumme Idee kam, einen der kostbaren Generatoren als Bombe missbrauchen zu wollen, nachdem er ja schon von sich aus vorgeschlagen hatte, einen als Köder für das Schattenwesen auszulegen.
Dadurch würde ihr Bestand nur noch mehr schrumpfen. Aus neun wurden schnell acht oder sieben, und dann sahen sie alt aus. Denn fünf Generatoren brauchten sie mindestens, um den Betrieb der wichtigsten Bereiche in Atlantis aufrecht zu erhalten. Und es war wichtig, Ersatz zu haben, falls einer der Reaktoren instabil...
Doch das war nicht der Grund für sein Hiersein.
Rodney räusperte sich und stellte den Laptop auf einen der Tische. "Nun, ich wollte nicht nur nett mit Ihnen plaudern, sondern Ihnen eigentlich etwas ganz bestimmtes zeigen. Sehen Sie sich das bitte einmal ganz genau an, und dann sagen Sie mir, was Sie davon halten."
Das Gerät fuhr summend hoch.
Grodin runzelte die Stirn. "Ist mit dem Gerät etwas nicht in Ordnung? Für die Wartung der Laptops in ihrem Bereich ist eigentlich Landon zuständig. Warum wenden Sie sich nicht an ihn?"
"Ich will doch nicht den Bock zum Gärtner machen." Rodney grinste böse und beugte sich über den Rechner. Er machte ein paar Eingaben. "Und ihm womöglich auch noch erlauben, die Spuren seiner Untaten zu beseitigen? Oh, nein!" Er startete eines der Programme und deutete er auf den Bildschirm.
Musik erklang und eine nordenglische Moorlandschaft tat sich vor ihnen auf. Ein comicartig überzeichnetes Huhn tauchte vor ihnen auf und sah sie mit großen Augen an. "Gock?"
So sahen die also aus? Lustig, wenn auch schon recht primitiv.
Rodney verbarg sein Interesse hinter einer strengen Miene.
"Halten Sie dies hier für einen Teil unserer Arbeit?"
Peter Grodin blickte ziemlich verdutzt drein. Fast so wie das Moorhuhn, das nun den Kopf schieflegte und wieder einen Laut von sich gab:"Go-Gock?"
"Was ist das? Etwas ein..." Grodin schluckte. "Pausenspiel?"
Der Kanadier nickte bekräftigend. "Ja, ganz richtig. Und zwar eines der netten Spiele, die Simulationen stören und sich auf Arbeitsrechnern befinden, wo sie eigentlich nicht hingehören."
"Eigentlich haben Sie recht", meinte der Cheftechniker zögerlich. "Aber normalerweise kann bei einem verantwortungsvollem Umgang mit den Spielen nichts passieren."
Rodney rieb sich ein Ohr.
Hörte er da richtig?
"Sie heißen das gut? Nehmen Sie etwa Ihren Techniker auch noch in Schutz?"
"Nein, natürlich nicht." Grodin sah ihn empört an. "Was denken Sie von mir? Mir gefällt auch nicht, dass Spiele unkontrolliert aufgespielt und während der Arbeit benutzt werden. Das ist mehr als bedenklich, weil es später durchaus das Netzwerk stören kann. Wenn ich davon erfahren hätte, hätte man darüber reden können." Er holte tief Luft. "Denn es ist ja auch erwiesen, dass Spiele durchaus eine entspannende und die Konzentration fördernde Wirkung haben."
"Das ist nicht der Punkt."
Rodney lenkte ein, ehe der Cheftechniker das Gespräch in Bahnen lenkte, die peinlich waren. Ja, die ein oder andere Konflikt- und Wirtschaftssimulation hatte ihm schon manchmal bei der Lösung von mathematischen oder physikalischen Problemen geholfen. Und wenn er nur wüsste, wie das Ballerspiel hieß, mit dem er in Russland seine Frustration abgebaut hatte, dann hätte er vielleicht in Erwägung gezogen...
Aber jetzt und hier sprach er hochoffiziell vom Chef einer Abteilung zum anderen und musste sein Gesicht wahren. Deshalb schaltete er das Spiel wieder ab und deutete mit einem Wedeln seines Fingers auf das Verzeichnis. "Ich persönlich werde die Spiele von Dr. Kusanagis Rechner entfernen, sorgen Sie gefälligst dafür, dass Landon - oder sonst jemand, die nicht noch einmal bei ihr aufspielt."
Peter Grodin sah ihn schief an und nickte dann. "Ich werde meinen Leuten ins Gewissen reden. Tun Sie das aber auch bei Ihren, denn ich denke, das hier beruht auf Gegenseitigkeit. Und anders geht es wohl nicht, um den Frieden zu wahren."
"Oh, das werde ich", bekräftigte Rodney. "Und wie!"
Es ärgerte ihn ein wenig, dass Grodin nicht ganz so kleinlaut geworden war, wie er sich erhofft hatte. Und jetzt war er neugierig auf das geworden, was er auf den Rechnern der anderen Wissenschaftler seiner Abteilung so vorfinden würde. Lust darauf, jemanden wie Kavanaugh zur Schnecke zu machen hatte er schon seit ein paar Tagen. Und vielleicht ergab sich ja die Gelegenheit dazu...
x o x o x o x
"Warum haben Sie sich nicht an Sergeant Bates gewandt? Eigentlich ist dieser als Chef der Inneren Sicherheit für Diebstähle zuständig und nicht ich", meinte John, nachdem er die Überraschung verdaut hatte.
Speichermedien - USB-Sticks und Rohlinge - Himmel, wer stahl so etwas? Und dann in solchen Mengen? Sie hatten hier das Neuste vom Neusten, und da brauchte man doch nicht so viel auf einmal...
Die Athosianer konnten doch wohl kaum daran interessiert sein. Selbst wenn die Männer und Frauen wussten, was sie da vor sich hatten, so konnten sie doch kaum etwas damit anfangen, denn die Speichermedien waren auf die irdische Technik ausgerichtet.
Also gab es nur einen logischen Schluss. Der Dieb musste aus den Reihen der Expeditionsteilnehmer stammen.
Aber was wollte der Unbekannte damit anfangen? Für wen oder was kopierte er Daten? War es dann nicht viel einfacher eine der externen Festplatten mitgehen zu lassen, auf die das Fünfzig- oder Hundertfache an Daten passte?
Fragend sah er zu Randolph Masterson, während dieser schief lächelte und antwortete: "Während unserer Zusammenarbeit in den letzten Wochen habe ich immer mehr den Eindruck gewonnen, dass ich mich an Sie wenden kann, ohne gleich einen Rattenschwanz an streng militärischen Untersuchungen auszulösen. Vielleicht täusche ich mich ... aber ich glaube, dass Sie eher bereit sind, Dinge unter der Hand zu regeln."
"Wenn sie sich so regeln lassen und sich das Ganze problemlos aufklärt, bin ich auch dafür, obwohl so etwas eigentlich gegen das militärische Protokoll ist", stellte John klar. Er wusste nicht so recht, was er von der Aussage halten sollte. Einerseits war es schmeichelhaft, dass jemand so großes Vertrauen in ihn fasste, andererseits zeigte das wieder einmal, welchen Ruf er unter den Leuten hatte.
"Trinken wir einen Kaffee in der Kantine", schlug er dann vor. "Dabei erzählen Sie mir bitte alles, was Sie wissen."
Masterson nickte. "Das ist eine gute Idee."
"Eines noch." John sah den Mann ernst an. "Warum wollen Sie die Angelegenheit unter vier Augen regeln? Haben Sie eine Vermutung oder gar einen Verdacht?"
Der junge Verwaltungsmitarbeiter wich einen Moment seinem Blick aus und nickte dann zögerlich. Er biss sich auf die Lippen und sah sich dann verstohlen um, ehe er sich vorbeugte und flüsterte: "Ich befürchte ja. Mein Kollege, der Techniker Williams, muss etwas damit zu tun haben."
"Und warum glauben sie das?"
"Ich habe in den letzten Tagen mehrfach seinen Kollegen Phillip Landon in unserem gemeinsamen Büro gesehen. Die beiden steckten die Köpfe zusammen, fuhren dann aber auseinander, wenn ich hineinkam. Und sie haben sich mehrfach etwas gegenseitig zugesteckt, was ich schon sehr verdächtig fand. Eigentlich ist der Mann ganz nett, und ich kann gut mit ihm zusammenarbeiten, aber das hat mich dann doch stutzig gemacht."
John zog eine Augenbraue hoch. Das klang ja wirklich wie eine Verschwörung, wenn er auch nicht verstehen konnte, was die beiden Techniker miteinander ausheckten.
Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her und schlugen dann den Gang zur Kantine ein. Der Aufenthaltsraum war nur mäßig besetzt.
Zwei Wissenschaftler spielten Schach und aßen dabei ihr Sandwich, drei andere gluckten am Ende einer Tischreihe eng zusammen und unterhielten sich im Flüsterton. Sie lachten hin und wieder auf und prosteten sich mit den Kaffeebechern zu.
Auch Masterson und er bedienten sich aus der bereit stehenden Thermoskanne und zogen sich dann in eine Ecke des Raumes zurück. John setzte sich so, dass er den Raum überblicken konnte und grinste dann den hellhaarigen Mann an.
"Nun, dann schießen Sie mal los."
"Also. Bei der routinemäßigen Überprüfung meiner Bestände nahm ich mir heute morgen den Bereich der technischen Kleinteile vor. Alles war in bester Ordnung, der Zählbestand stimmte mit dem im Rechner abzüglich der noch nicht vom Programm verarbeiteten Materialentnahmescheinen überein. Die Abweichung bei den..."
John ließ seinen Blick schweifen, denn leider schien Masterson sich eine Angewohnheit vieler Verwaltungsmenschen angeeignet zu haben - alles haarklein und punktgenau aufzulisten und dabei weit auszuholen.
Er lehnte sich lässig zurück und blickte an der Schulter seines Gegenüber vorbei, um die drei Wissenschaftler zu beobachten, die etwas lauter geworden waren und über etwas lachten, das verdächtig nach der Beschreibung eines verrückten Erlebnisses klang. Interessanter als die pantomimischen Gesten des einen – was zum Teufel machte der schlacksige Kerl da eigentlich nach? – war aber die verstohlene Handbewegung der beiden anderen.
Warum berührten sich plötzlich ihre Hände? Was steckten sie da einander heimlich zu?
Für einen Moment sah John etwas Rotes aufblitzen.
Er stutzte und versuchte sich zu erinnern, denn irgendwo hatte er einen ähnlichen Gegenstand vor kurzem schon einmal gesehen. Dann plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
"Sagen Sie mal", unterbrach er Masterson, der noch immer nicht zum Kern der Angelegenheit gekommen war. "Wie sieht die Hülle der USB-Sticks aus der Kiste, die sie erwähnt haben, eigentlich aus?"
Masterson hielt überrascht inne. "Wieso fragen Sie mich das jetzt? Ich wollte gerade dazu kommen ..." Er wirkte ein wenig verärgert, weil John so offenkundig zeigte, dass er ihm nicht richtig zugehört hatte und gab dann Antwort: "Sie sind schwarz mit zwei breiten roten Wellen als Muster."
"Hm, genau wie das da eben...", murmelte John leise und zählte in Gedanken eins und eins zusammen. Wenn das, was er vorhin in McKays Labor auf Miko Kusanagis Rechner erspäht hatte, wirklich Tetris gewesen war, dann hatte er eine leise Ahnung, was hinter den Kulissen ablief.
Konnte es sein, dass hier eine gemeine Verschwörung hinter dem Rücken der Vorgesetzten ablief? Tauschten die Wissenschaftler etwa Spiele miteinander, weil sie es einfach nicht ohne aushalten konnten?
"Wie meinen Sie das?" riss ihn Masterson aus seinen Gedanken. Der Verwaltungsmitarbeiter wirkte nun sichtlich irritiert. Vermutlich auch, weil nun ein breites Grinsen in Johns Gesicht trat. ‚Stelle dich niemals zwischen ein Genie und sein Computerspiel, das könnte üble Folgen haben', dachte der bei sich.
Auf McMurdo hatten sich die Techniker einmal auf ziemlich hinterlistige Art und Weise gerächt, als der wissenschaftliche Leiter der Basis ihnen verbieten wollen, sich während der langen und eintönigen Nachtschichten mit kleinen Spielen und dem Surfen im Internet wach zu halten.
Der Mann hatte sich eine schwere Erkältung eingfangen, weil die Heizung in seinem Arbeitsraum verrückt gespielt hatte, und die Männer über Tage den Fehler in der Steuerung nicht hatten finden können. Der Kleinkrieg wäre vermutlich noch weiter gegangen, hätte Colonel Matheson, sein eigener Vorgesetzter, nicht eingelenkt und eine für alle Seiten einvernehmliche Lösung gefunden.
Auch John hatte wie die meisten der anderen Piloten die Vorteile der nächtlichen Beschäftigung genossen. Denn Zivilisationen aufzubauen und Schlachten zu schlagen hatten ihm über so manche langweilige Sturmnacht und den ersten und einzigen Winter auf der Basis am Rande des sechsten Kontinents hinweg geholfen.
Sich mit virtuellen Gegnern zu duellieren oder imaginäre Flugzeugmodelle und Raumschiffe durch eine täuschend echte Simulation zu jagen, hatte besser als jede Therapie gegen die Depressionen gewirkt, die sich in der fast lichtlosen und eisigen Jahreszeit bei jedem einschlichen.
Was hatte Matheson doch damals zu den beiden Rädelsführern gesagt? Etwas wie: Jungs lasst Gras über die Sache wachsen und geht ein wenig umsichtiger mit den Sachen um? Nutzt die Schwächen eures Chefs, sobald ihr sie kennt, und schließt mit ihm dann einen Kompromiss. Konnte er das vielleicht nicht für sich nutzbar machen?
"Ich glaube, ich rede mal ein paar Worte mit ihrem Kollegen!" sagte er dann spontan und ignorierte die letzte Frage seines Gegenüber. "Ich denke, wir haben das Problem in ein oder zwei Tagen behoben. Und wenn es dann noch Differenzen geben sollte, sind die vielleicht eher zu erklären."
"Glauben Sie wirklich, dass das reicht?" Mastersons Blick war nun auch recht kritisch geworden, als zweifle er an Johns Verstand.
"Warum nicht?" Er zuckte mit den Schultern. "Einen Versuch ist es wert, das sagt mir die Erfahrung. Wenn es nicht funktioniert, werden wir Sergeant Bates hinzuziehen und eine offizielle Untersuchung einleiten. Einverstanden?"
"Ja!" Masterson klang nicht mehr ganz so überzeugend von ihm wie am Anfang, schien den Vorschlag aber zu akzeptieren.
John warf einen Blick auf die Uhr. Inzwischen waren zwei Stunden vergangen, es ging auf den Mittag zu. Vielleicht hatte Dr. McKay ja jetzt mehr Zeit für ein Gespräch unter vier Augen.
Deshalb leerte John seinen Kaffeebecher und erhob sich. "Doch nun entschuldigen Sie mich, ich habe noch etwas anderes zu erledigen."
Der zweite Versuch
Als Rodney in das Labor zurückgekehrt war, hatte er nur eine Notiz von Dr. Kusanagi vorgefunden. Offensichtlich war ihre Mitarbeit in einem der anderen Labore erbeten worden. Umso besser. Dann konnte er sich ihren Rechner ansehen, ohne dass sie ihm dabei immer über die Schulter blickte.
So machte er es sich auf seinem Stuhl bequem und ging die Verzeichnisstruktur durch. Na, immerhin hatte sie es wirklich nicht übertrieben. Er fand nur das, was ihm direkt aufgefallen war, und das war schnell markiert. Doch als er auf die Enter-Taste drücken wollte, um den Löschvorgang zu starten, hielt er inne.
‚Warum Beweismittel vernichten, wenn man es noch brauchen kann?' Und ihn interessierte das deutsche Spiel. Nur zu Forschungszwecken natürlich. Und um zu wissen, was er vor sich hatte, wenn er wieder jemanden dabei erwischte...
Also war es doch nur recht und billig, wenn er sich eine Kopie zog und sie in seinem Raum aufbewahrte.
Gedacht und getan. Er brach den Vorgang ab. Schnell war der eigene USB-Stick gezückt und das entsprechende Verzeichnis darauf kopiert. Dort nahm es einen verschwindend kleinen Teil an Speicherplatz ein. Und es würde nicht auffallen, wenn er in seiner Freizeit die Sachen genauer unter die Lupe nahm. Die meisten dieser simplen Spiele für Zwischendurch funktionierten schließlich auch, ohne sie gleich auf den Rechner aufzuspielen.
Gerade noch rechtzeitig bevor der, dessen Schritte er auf dem Gang wahr nahm, das Labor betrat ließ er den Stick in seiner Hosentasche verschwinden und blickte dem unerwarteten Besucher entgegen.
"Ah, ja, Sie schon wieder. Warten Sie einen Moment, ich habe noch etwas zu erledigen."
Rodney löschte noch schnell das Spieleverzeichnis auf dem Rechner und wandte sich dann Major Sheppard zu. "Wollen Sie unser eben abgebrochenes Gespräch fortsetzen?"
"Aus keinem anderen Grund bin ich gekommen."
Der hochgewachsene schlanke Mann lehnte sich gegen einen der Tische.
"Na, dann schießen Sie mal los." Rodney lehnte sich erwartungsvoll zurück und faltete die Hände vor dem Bauch. "Worum geht es denn?" fragte er ganz unschuldig, obwohl er genau wusste, was der andere von ihm wollte. Aber er genoss es, den Major im Unklaren und vielleicht noch ein wenig zappeln zu lassen. Mal sehen, wie weit dieser bereit war zu gehen, um ihn...
"Ganz einfach", ignorierte der Major sein Verhalten. Er zog zwar kurz eine Augenbraue hoch, kam dann aber ohne Umschweife zur Sache: "Ich würde Sie gerne als ..."
In nächsten Moment wurde es dunkel im Raum.
Das Licht und alle elektrischen Geräte, die an die Stromversorgung durch die Generatoren angeschlossen waren, erloschen mit einem Mal. Nur noch ein paar Dioden der auf Akku-Basis arbeitenden Computer blinkten und die Bildschirme der Laptops im Raum spendeten ein wenig Helligkeit.
Rodney hielt die Luft an. Das durfte doch nicht wahr sein!
Seine Laune sank auf den Nullpunkt, und Wut stieg langsam in ihm auf. War das jetzt nur ein dummer Zufall oder vielleicht schon ein Racheakt, weil irgend jemand doch mitbekommen hatte, was er mit Grodin besprochen und Dr. Kusanagi klar gemacht hatte?
Studenten und auch Untergebene kamen manchmal auf ziemlich dumme Ideen, wenn sie verärgert waren. Dabei hatte er das größere Recht dazu.
Schließlich ging es nicht an, dass jemand hier etwas ohne sein Wissen und seine Erlaubnis tat.
"Ähem," räusperte sich Major Sheppard und riss ihn aus seinen Gedanken. Der Luftwaffenoffizier wirkte ziemlich irritiert. "Also, das finde ich jetzt sehr seltsam. Wen haben Sie bestochen, damit ich nie dazu komme, meine Frage zu Ende zu stellen und vielleicht sogar eine Antwort zu erhalten?"
"Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass ich etwas damit zu tun hätte. Das gleiche könnte ich Sie fragen."
Es knackte in den Funkgeräten. Beide Männer aktivierten instinktiv ihre Headsets und vernahmen die Stimme Peter Grodins. "Dr. McKay, der Generator in Ihrem Sektor scheint ausgefallen zu sein. Ich werde gleich ein Team nach unten schicken, das nach dem Rechten sieht." Er schwieg einen Moment. "Allerdings orte ich in der Nähe des Generators ein Lebenszeichen."
"Danke, dass der Saft weg ist, haben wir auch bereits gemerkt", erwiderte Rodney säuerlich. "Lassen Sie ihre Leute erst einmal, wo sie sind. Der Generator ist nur ein Stockwerk unter dem Labor und ich werde mir das persönlich ansehen. Vielleicht hat ja jemand nur aus Spaß den Stecker gezogen, oder eine der Verbindungen am Verteiler gelockert. Und wenn, dann können wir den Verursacher des Stromausfalls gleich zur Rede stellen."
"Ich bin der gleichen Meinung und werde Dr. McKay einfach begleiten. Nur für alle Fälle!" fügte Sheppard mit einem amüsierten Unterton in der Stimme hinzu.
Rodney funkelte ihn an.
Was grinste der so blöde? Ahnte der Major etwas, oder steckte er gar mit den Verschwörern unter einer Decke?
"In Ordnung. Ich warte auf Ihre Rückmeldung, ehe ich etwas unternehme!" Grodin schaltete ab, während der Kanadier sein Gegenüber anfunkelte. "Ich brauche nun wirklich keinen Geleitschutz."
"Man weiß ja nie, was einen da unten erwartet. Unser mutmaßlicher Saboteur könnte auch handgreiflich werden. Und dann ist es besser, wenn jemand dabei ist, der sich im Nahkampf auskennt." Der Major setzte wieder eine ernste Miene auf. Aber ob die echt war, wagte Rodney zu bezweifeln...
x o x o x o x
John wünschte sich jetzt eine P-90. Aber leider waren die größeren Waffen sicher in der Waffenkammer weggeschlossen, an eine zu kommen hätte einmal zu lange gedauert und zum zweiten zu viele Leute mit hineingezogen.
Die Taschenlampen aus dem Labor und auch seine Handfeuerwaffe mussten reichen, falls da unten doch eine Gefahr für ihr Leben bestand.
Andererseits konnte nicht jeder kleine Zwischenfall mit einer Katastrophe enden, auch wenn es schon merkwürdig war, dass sich heute alles gegen ihn verschworen zu haben schien. Wer wollte hier eigentlich nicht, dass er McKay in sein Team holte?
Das Schicksal? Eine höhere Macht?
Oder nur wieder einmal Murphys Gesetz?
Er warf einen kurzen Blick hinüber zu dem Kanadier, dessen sauertöpfische Miene im Schein der Lampen noch grimmiger wirkte. Irgendwie war diesem heute eine ziemliche Laus über die Leber gelaufen.
John seufzte. Da musste er wohl durch, wenn sie den Zwischenfall geklärt hatten. Denn so viel Zeit blieb auch nicht mehr, um eine Alternative zu finden, wenn der Kanadier ablehnte.
Hoffentlich war es also etwas, was diesen nicht noch mehr verärgerte. Das konnte er jetzt nicht brauchen.
Schweigend waren sie nebeneinander die Treppe hinuntergegangen und befanden sich nun ein Stockwerk tiefer. Es war schon seltsam, wie fremdartig und unheimlich die Gänge der Stadt wirkten, wenn kaum Licht in sie fiel.
Unwillkürlich bewegten sie sich vorsichtiger durch die Gänge und auf den Raum zu, in dem sich der Generator befand. Die unbekannte Person musste sich noch hier unten aufhalten, denn in diesem Stockwerk gab es zum einen keinen Transporter und zum anderen auch keinen Ausgang zur anderen Seite.
Plötzlich hörte John ein Geräusch in der Dunkelheit vor sich, das nicht hierhin passte. Er gab McKay Handzeichen, so dass sie beide gleichzeitig an die Wände auswichen, dort stehenblieben und angestrengt lauschten. Am Rande des Lichtkreises ihrer Taschenlampen bewegte sich etwas. Unwillkürlich fuhr Johns Hand zum Hüftholster. Er lockerte die Waffe, um sie notfalls zu ziehen.
Wieder eine Bewegung. Und das seltsame Geräusch.
John spannte sich an. "Hallo?" rief er. "Wer auch immer Sie sind, kommen Sie ins Licht, und Ihnen wird nichts passieren."
Einen Moment tat sich nichts, dann sah er wieder eine Bewegung im Dämmerlicht. Der Major stieß die Luft zischend aus, während McKay auf der anderen Seite eher danach schnappte. "Ich glaube nicht, was ich sehe! Nein, das ist eine Halluzination, das kann nur ein Trugbild sein ..."
Eine kleine, vielleicht drei Fuß große Gestalt taumelte mehr, als das sie ging, in den Lichtkreis der Taschenlampen. Die sonst eigentlich schon ziemlich wuschelige Haarmähne stand nun deutlich sichtbar vom Kopf ab und umrahmte ein verweintes Gesichtchen.
"Mich wundert bei diesem Kind inzwischen nichts mehr, Dr. McKay", erwiderte John und trat auf den Dreikäsehoch zu, alle Vorsicht vergessend. "Shanao?"
Das Kind blinzelte schluchzend und hob eine Hand, um das blendende Licht abzuwehren. "Mama?" |
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Scout Schreiberling

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 220 Wohnort: im Taunus
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Verfasst am: 18.03.2008, 12:39 Titel: |
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Hi Kris!
Diesmal bin ich schneller und habe direkt gelesen Der Anfang war schon mal der Knaller: Moorhuhn? Ich lach mich tot! Da war ich gerade so Ende meiner Teenagerzeit, als das Moorhuhn rauskam. Mannomann, was haben wir uns dumm und dämlich geballert mit diesen Hühnern.
Hat mir gut gefallen diese Szene, wobei ich mir recht schwer vorstellen kann, dass man vor Rodney regelrecht Angst haben könnte. Aber toll dargestellt! Also, Verbesserung – kommt auf die Person an und Kusanagi hast du wirklich super dargestellt, so ist sie ja auch die wenigen Momente, die man sie in der Serie sieht!
Die Generatorenproblematik kam auch sehr gut rüber. Mal etwas Technisches zwischendurch – das war cool. Und Grodin ist dabei, den mag ich ganz besonders gern! Das kleine Geplänkel zwischen den Wissenschaftlern war amüsant, passt wie die Faust aufs Auge. Und ich finde es gut, dass Peter sich nicht hat einschüchtern lassen von Rodney.
Es geht also drunter und drüber auf Atlantis, sehr witzig irgendwie, vor allem, weil so kleine Details ja wirklich immer fehlen in der Serie und dann schiebt einer dem anderen die Schuld zu *g* Johns kleine Rückblicke passen da auch sehr gut dazu. Die ganze Geschichte ist einfach super strukturiert *Hutab*
| Zitat: |
| John wünschte sich jetzt eine P-90. |
Wer wünscht sich die nicht manchmal
Aber es war doch nur das Kind *g* _________________
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 22.03.2008, 13:45 Titel: |
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So, dann will ich gleich weiter machen, aber hier noch meine Antwort an Scout:
Danke für deinen fixen Kommentar. Ja, ich hatte sehr viel Spaß beim schreiben, und mit der Gekalauerei auf mehreren Ebenen geht es ja gleich auch noch munter weiter.
Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat aber es machte unzheimlich Spaß, gerade durch die vielen Kleinigkeiten die Leser, also auch dich zum grinsen zu bringen. Das ist meine Art Humor zu schreiben glaube ich.
Aber nun weiter im Text:
Teil 3/4
Wer nicht hören will, muss fühlen, und wer sich all zu lange ziert...
"Shanao? Ich bringe dich gleich zu deiner Mama. Es wird alles wieder gut." John kauerte sich vor das Kind und senkte die Lampe, damit er es nicht länger blendete. "Dr. McKay, bitte", ermahnte er den Wissenschaftler, das gleiche zu tun.
Das Kleine schluckte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und streckte die Arme aus. John bemerkte, die punktförmigen Verbrennungen an Mittel und Ringfinger und wusste sofort, was geschehen war.
"Arm. Mama." Shanao ließ dabei achtlos einen Gegenstand fallen.
Der Major verzog das Gesicht, als er die Form erkannte. Das war doch ein Seitenschneider, der da auf den Boden polterte und neben dem Kind liegenblieb ...
Wenigstens ließ sich Shanao ohne Gegenwehr auf die Arme nehmen. Bei der ersten Berührung der Händchen mit der bloßen Haut an seinem Hals durchfuhr ihn ein Kribbeln, wie bei einem leichten elektrischen Schlag, ähnlich dem, den man bei der Berührung eines Metall- oder Plastikgeländers bekam, wenn man sich selbst statisch aufgeladen hatte. Deshalb roch es also schon die ganze Zeit nach verschmortem Leder.
Das Kleine hatte verdammt viel Glück gehabt. Es hätte schlimmer kommen können. Sehr viel schlimmer. John schluckte und beschloss sich die anderen Möglichkeiten erst gar nicht auszumalen.
Er sah zu McKay hinüber, während er sich wieder aufrichtete. Der runzelte die Stirn, sah zu ihm und dem Werkzeug am Boden, dann setzte er sich blitzschnell in Bewegung und begab sich in den nur wenige Meter entfernten Generatorraum.
John seufzte und verlagerte das Gewicht des Kindes auf seinen Armen. Es drückte sich fest an ihn und zitterte dabei am ganzen Leib. Für einen Moment hatte er den Eindruck, dass es eher unter einem Schock stand als unter den Nachwirkungen des elektrischen Schlages. Vermutlich nahm es ihn gar nicht einmal richtig wahr.
Shanao vergrub den Kopf an seiner Brust. "Mamfma. Medallbeiffer find plöd. Der had miff feh gepan", murmelte es und begann wieder zu weinen.
"Ist ja gut. Ich bin ja jetzt hier und beschütze dich. Es wird alles wieder gut. Und den Metallbeißer werde ich bestrafen." John trat das Werkzeug ein Stück durch den Gang. Shanao blickte nur kurz auf, als es das Poltern hörte und legte dann wieder den Kopf an seine Brust.
In diesem Moment begann auch der Kanadier im Raum zu fluchen.
John zuckte zusammen und grinste dann. Das konnte nun wirklich nicht an seiner Aktion liegen, denn der Seitenschneider lag nun an der Wand. Deshalb ging er zur Tür und blickte hinein, um sich das Schlamassel selbst anzusehen, ehe er Shanao in die Krankenstation brachte.
McKay hockte vor einem Gewirr aus Kabeln. An einigen von ihnen zeigten sich Schnittspuren, eines war durchtrennt. Der Generator war ein Stück über den Tisch gerutscht und stand hart an der Kante. Klemmen waren abgesprungen und Stecker aus dem Umwandler gezogen.
Der Kanadier sah hoch und machte hektische Drohgebärden. Glücklicherweise bekam Shanao die nicht mit. Das Kind klammerte sich weiter benommen an ihn.
Der Chefwissenschaftler sah ziemlich genervt aus. "Richten Sie der Mutter von mir aus, sie soll diesem kleinen Monster eine gründliche Abreibung verpassen!", knurrte er. "Und gefälligst darauf achten, wo es überall herumstreunt. Das hätte auch anders ausgehen können."
John nickte. "Sie brauchen mir das mögliche Katastrophenszenario nicht auszumalen." Er beäugte den Generator. "Ich kann mir das bildhaft vorstellen." Er holte tief Luft. "Sagen Sie Grodin Bescheid und bitten Sie ihn Miss Emmagan und die Mutter des Kindes Shanao zur Krankenstation zu schicken. Ich bin auf dem Weg dorthin."
"In Ordnung. Je weiter Sie dieses ... dieses ... unmögliche Etwas von hier entfernen, umso besser."
John grinste über den empörten und zugleich wütenden Gesichtsausdruck des Kanadiers. Bevor der das jedoch genau sehen und noch eine Bemerkung loswerden konnte, wandte John sich um und lief los.
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Elizabeth Weir saß ruhig in dem bequemen Stuhl hinter ihrem Schreibtisch und folgte den hektischen Bewegungen ihres Chefwissenschaftlers nur mit den Augen. Sie ließ sich nicht von Rodney McKay nervös machen, der aufgebracht und wild gestikulierend in ihrem Büro auf und ab wanderte und dabei ohne Unterlass redete.
Allerdings fragte sie sich, ob das wirklich ein sachlicher Bericht des Vorfalls sein sollte. Für sie klang es eher wie eine Beschwerde.
Zumindest hatte sie sich schon nach den ersten Worten denken können, um wen es ging, noch bevor er den Namen genannt hatte.
Sie hatte den frechen Dreikäsehoch schließlich schon in Aktion gesehen. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Die alte Athosianerin Charin schien recht mit der Behauptung zu haben, dass das Kind im Flohalter war, denn es schien wirklich überall und nirgends zu sein, auch wenn die Eltern es schon mit einer Leine zu halten versucht hatten.
Allerdings konnte man dem süßen Fratz irgendwie nicht lange böse sein. Zumindest als Frau. Was auch immer das Kind anstellte, sie mochte in ihm einfach keinen lästigen Parasiten oder Schlimmeres sehen.
" ...Sie sich vor, dieses kleine Monster hat an den Kabeln gerissen, die den Generator mit dem Umwandler verbanden und es geschafft, sie dabei auseinander zu ziehen. Glücklicherweise fielen die Klammern ab, ehe das Gerät ganz vom Tisch fallen konnte, und was dann passiert wäre, möchte ich mir nicht ausmalen, und Sie sicher auch nicht", erklärte er wütend. "Tatsache ist, dieses Balg war damit nicht zufrieden und hat danach die Kabel aus den Steckverbindungen am Umwandler gezogen und dann auch noch versucht, die Isolierung mit dem Seitenschneider zu durchtrennen. Glücklicherweise war es nicht stark genug, um allzuviel Schaden anzurichten, Die meisten Isolierungen sind nur angekratzt. Allein ein relativ dünnes Kabel mussten wir austauschen, aber das hat auch schon gereicht..."
Während er Luft holte, nutzte Elizabeth die Gelegenheit, um eine Frage zu stellen. "Und dem Kind ist nichts passiert? Hat es Verbrennungen oder anderweitige Verletzungen?"
"Ach das? Dieser unmögliche Wildfang scheint unverwüstlich zu sein." Er winkte ab. "Soviel kann wirklich nicht passiert sein, denn es konnte noch laufen und sprechen, als wir es fanden. Außerdem hat sich Major Sheppard gleich darum gekümmert und das Kind in die Krankenstation gebracht. Wahrscheinlich springt es jetzt schon wieder durch die Gegend und stellt neuen Unsinn an. Ich glaube nicht, das es eine Lektion bekommen hat, aus der es lernen konnte..."
"Rodney!" Elizabeth sah ihn tadelnd an. "Dieses Kind ist nicht einmal drei Jahre alt."
"Um so schlimmer. Weder ich noch meine kleine Schwester haben uns jemals so wild aufgeführt. Wer weiß, was ihm... oder ihr ... dann vielleicht mit vier Jahren einfällt? Zwar hätte diesmal nicht viel gefehlt, um sich selbst zu rösten, aber..."
"Bedauern Sie etwa, dass wir das Kleine nicht tot vorgefunden haben, Dr. McKay?", mischte sich nun eine dritte Stimme ein. Sheppard betrat den Raum und wich unwillkürlich einer Hand des Kanadiers aus.
"Nein, natürlich nicht. Halten Sie mich etwa für einen Kinderhasser?", fragte der erbost zurück. "Aber ich bin schon der Ansicht, dass derjenige, der einfach nicht hören kann, irgendwann auch einmal schmerzhaft fühlen muss."
"Oh, das erinnert mich an jemanden, der seine neu gefundenen Fähigkeiten gleich an einem Schutzschirm ausprobiert hat, ohne sich das Kleingedruckte in der Gebrauchsanleitung durchzulesen", erwiderte der Luftwaffenoffizier frech und zog den Stuhl vor dem Schreibtisch zu sich heran, um sich falsch herum darauf zu setzen, während der Kanadier empört nach Luft schnappte und Sheppard ansah, als wolle er ihn erdolchen.
"Major ...." Die unausgesprochene Drohung in der Stimme störte den Luftwaffenoffzier wenig. Er legte die Arme auf die Lehne und streckte gelassen die Beine aus. Dabei grinste er jungenhaft von einem Ohr zum Anderen.
Elizabeth hielt die Hand vor den Mund, um ihr Schmunzeln zu verbergen. Die beiden schenkten sich wirklich nichts. Aber sie hatte auch das unbestimmte Gefühl, dass die Männer auf dem besten Wege waren, Freunde zu werden, wenn das zwischen ihnen so weiter ging.
Warum auch nicht?
Es konnte nicht schaden, wenn sich der Leiter des Militärs mit dem der Wissenschaftler gut verstand. So eine harmonische Kombination fand man selten und sie konnte der Expedition in Krisenzeiten nur zu Gute kommen.
"Bei Shanao wage ich keine Aussage zu machen, ob es aus dem Stromschlag gelernt hat oder nicht", entgegnete Sheppard ruhig. "Dr. Beckett und das medizinische Team verwöhnen das Kleine jetzt jedenfalls nach Strich und Faden und das nutzt es vermutlich gründlich aus, wenn die Mutter das zulässt. Ob irgendwelche Schädigungen durch die Spannung zurückbleiben, konnte mir der Doktor jetzt jedenfalls noch nicht sagen."
Er blickte zu McKay. "Und wie sieht es bei Ihnen aus? Ist der Schaden im Generatorraum behoben? Und lebt der Patient noch?"
"Ja, dafür brauchte sich nicht einmal Grodin hinunter bemühen. Auch wenn ein Teil der Kabel jetzt so aussieht, als hätten Ratten oder Mäuse an ihnen genagt. Letztendlich musste nur eines von denen ersetzt werden. Aber das geht so nicht weiter. Sie sollten öfters mal jemanden da unten nach dem Rechten sehen lassen. Und außerdem..."
Der Kanadier stutzte und runzelte die Stirn. "Was haben Sie jetzt schon wieder, Major Sheppard? Warum starren Sie mich so an?"
Elizabeth blickte vom Einem zum Anderen.
Es stimmte in der Tat. Der Luftwaffenoffizier hatte zwar aufmerksam zugehört, mitten in der Erkärung des Chefwissenschaftlers wechselte allerdings sein Gesichtsausdruck. Es wirkte einen Moment kritisch, dann lausbübisch, als sei ihm eine weitere boshafte Bemerkung in den Sinn gekommen ... und nun musterte Sheppard McKay eher erwartungsvoll. Er setzte sich gerade hin und öffnete den Mund. "Da ist noch etwas anderes. Die Gelegenheit erscheint mir günstig ist, Dr. Weir muss es sowieso erfahren. Also ..."
Der Luftwaffenoffizier hielt plötzlich in seiner Rede inne und sah sich vorsichtig um, als erwarte er die nächste Katastrophe. Erst als ein paar Sekunden nichts passierte – weder der Alarm im Torraum los- oder das Licht ausging, noch jemand in das Büro der Expeditionsleiterin gestürmt kam - sprach er weiter.
"Nachdem die ersten beiden Versuche, mit Ihnen zu sprechen, gestört oder sabotiert wurden, will ich gleich Nägel mit Köpfen machen und Sie einladen, der vierte Mann des Außenweltteams zu werden." Sheppards Stimme nahm einen ernsten Klang an. "Und ich meine es ernst, wenn ich sage, dass Sie von allen hier der beste Mann für diese Position sind. Auch wenn Sie mir jetzt vielleicht tausend Gründe dafür nennen, dass Sie es nicht sind oder sein wollen, täuschen können Sie mich nicht." Er deutete auf die Brust des Wissenschaftlers. "Geben Sie es doch endlich zu: Tief in Ihnen drin schlägt sehr wohl das Herz eines Abenteurers und Entdeckers."
Elizabeth richtete ihren Blick auf Rodney McKay.
Völlig überrumpelt sah der von ihr zu Major Sheppard. Scheinbar brauchte er einen Moment, um sich zu fassen und seine Gedanken zu ordnen, deshalb machte er ein paar Schritte durch den Raum, drehte sich um und kehrte zurück. Spiegelte sich da einen Moment nicht sogar eine Mischung aus Stolz und Zorn in den Zügen des Kanadiers wieder?
"Sie wissen, auf was sie sich da einlassen?", konterte er spitz.
Der Luftwaffenoffizier grinste schief und nickte. "Ich werte das als Zustimmung", entgegnete er und wandte sich Elizabeth mit einem versteckten Zwinkern zu. "Sehen Sie, nun habe ich meinem vierten Mann schneller als gedacht. Er hat "ja" gesagt."
Die Expeditionsleiterin zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Sie hatte nichts dergleichen gehört. Ob Rodney McKay die eigenmächtige Entscheidung so einfach hinnehmen würde, stand auf einem anderen Blatt.
Und sie hatte richtig vermutet : Der Kanadier schnaubte und trat nun dicht an Sheppard heran Er blickte wütend auf den Sitzenden herab.
"Ich wüsste nicht, dass ich irgendwann im letzten Teil unserer Unterhaltung "Ja" oder Ähnliches gesagt hätte. Ich habe Sie nur darauf aufmerksam gemacht, dass mit mir nicht leicht auszukommen sein wird, wenn ich mich wirklich darauf einlassen würde."
"Gerade eben habe ich ein "ja" gehört!" stichelte der Luftwaffenoffizier. "Sie haben bisher auch noch nicht deutlich "nein" gesagt. Das ist ebenso wie ihre Warnung ein Beweis für mich, dass Sie selbst schon mit dem Gedanken gespielt haben, zuzusagen."
"Ach ja? Woher wollen Sie das wissen? Können Sie neuerdings Gedanken lesen?"
Sheppard antwortete nicht, sondern lugte nur spitzbübisch unter seinen dunklen Haarfransen hervor.
McKay schnaubte, als er das sah. "Sie hinterhältiger, vorlauter ..."
"Wollen Sie jetzt vor Dr. Weir wirklich einen Rückzieher machen?" forderte ihn der Major weiter heraus. "Dabei glaube ich schon eine ganze Weile an Sie. Sie überstehen einen Ausflug in die Weiten der Pegasus-Galaxie genau so gut wie den Ärger mit dem Schattenwesen vor ein paar Tagen. Und wenn es Probleme unangenehmer Art gibt, dann sind ja noch wir anderen da, um Sie aus der Bredouille zu holen. Schließlich werden wir Ihnen aufgrund Ihres immensen Wissens bis dahin sicher auch viel zu verdanken haben. Oder etwa nicht?"
Elizabeth hielt sich aus der Diskussion der beiden heraus. Sie fand die Unterhaltung mehr als faszinierend, gab sie doch erneut eine Facette ihres kommandierenden Offiziers preis, die sie an ihm so nicht vermutet hätte. Für viele mochten seine Worte nur wie vordergründige Fopperei wirken, sie erkannte in Wortwahl und Verhalten eine geschickte Art der Diskussionsführung.
Indem Sheppard den Chefwissenschaftler reizte und ihm gleichzeitig Honig um den nicht vorhandenen Bart schmierte, bekam er ihn dorthin, wo er ihn haben wollte. Und ja, der Luftwaffenoffizier wusste, was er tat, auch wenn er das vor anderen nicht unbedingt zugeben würde.
Rodney McKay schien unsicher zu werden und nicht zu wissen, ob er weiter verärgert oder geschmeichelt sein sollte. Ganz offensichtlich war er durchschaut worden, vor Sheppard zugeben wollte er das jetzt allerdings nicht.
Schließlich räusperte er sich, straffte seinen Rücken und suchte Elizabeths Blick. "Ich werde den Major und seine Leute aus rein wissenschaftlichem Interesse begleiten", erwiderte er dann. "So kann ich mir ein Bild von der in dieser Galaxis vorherrschenden Technik machen und Hinterlassenschaften der Antiker aus erster Hand in Augenschein nehmen."
Er drehte sich wieder dem Sitzenden hin und wedelte drohend mit der Hand. "Aber eines sage ich Ihnen: Wehe Sie schleppen mich in unwirtliche Landschaften, provozieren Weltraumschlachten und halsbrecherische Verfolgungsjagden mit wild gewordenen Eingeborenen oder diesen Wraith!"
"Ich werde mein Bestes tun, um Ihren Wunsch zu erfüllen..."
"Das will ich auch hoffen, sonst..."
"Was sollte dann geschehen?" Der Major so nicht so aus, als könnte ihn die Drohung schrecken. Er stand auf und blickte zufrieden auf den Kanadier hinunter.
Der verdrehte die Augen "Das wissen Sie ganz genau. Dann bin ich nämlich..."
"Meine Herren", unterbrach Elizabeth das Schauspiel.
Sie hätte dem Dialog zwischen den beiden Männern noch länger zusehen können, aber sie erinnerte sich nach einem kurzen Blick auf die Uhr, dass sie noch einen Termin bei den Biologen wahrnehmen wollte, den sie schon viel zu lange aufgeschoben hatte.
"Vielen Dank, dass Sie sich geeinigt haben. Aber nun sollten Sie sich gemeinsam Gedanken über das Ziel Ihrer ersten Mission machen, damit wir bei der Besprechung morgen zu einem schnellen Entschluss kommen können." Sie lächelte entschuldigend und erhob sich ebenfalls. "Ich würde mich gerne noch länger mit Ihnen unterhalten, aber die Pflichten warten. Wenn Sie mich bitte entschuldigen wollen."
Major Sheppard trat ihr aus dem Weg. "Natürlich Madam."
Als Elizabeth ihr Büro verließ hörte sie noch, wie die Männer wieder in eine hitzige Debatte verfielen.
Der Luftwaffenoffizier schien etwas gesagt zu haben, was dem Kanadier nicht so passte, denn der erwiderte gut hörbar: "Ach so, dann begründen Sie mir einmal ganz genau, warum Sie wieder auf den Planeten zurück wollen, auf dem Colonel Sumner und die anderen gefangen gehalten wurden. Haben Sie da nicht schon genug Unheil angerichtet?"
Von Mensch zu Mensch
Etwa eine Stunde, und eine Auseinandersetzung mit Sergeant Bates aufgrund eines angeblichen Streiches der Athosianer-Kinder unter der Führung von Jinto, später klopfte John an die Tür des Raumes, den die drei Versorgungsoffiziere als Büro nutzten.
Mittlerweile wusste er seinen Untergeben so zu nehmen wie er war und kannte die meisten der Argumente bereits, so dass er ihnen viel gelassener begegnen konnte und sich in keinen Streit mehr einlassen musste.
Von Masterson wusste er, dass sich Williams um diese Zeit alleine dort aufhielt, weil sein militärischer Kollege gerade Pause machte. Es war also sinnvoll, jetzt ein paar Worte unter vier Augen zu wechseln.
"Herein!"
Williams sah ihm überrascht entgegen, denn seit der Ausgabe der Standardausrüstung und der restlichen persönlichen Gegenstände hatten sie sich nur noch aus einiger Entfernung gesehen, aber nicht mehr gesprochen.
Das Gesicht des Mannes wirkte leicht angespannt und gerötet unter den braunen Haaren mit den tiefen Geheimratsecken. Er saß an seinem Schreibtisch, vor sich einen kleinen Karton, auf dem eine Nummer und eine Bezeichnung stand. Allerdings befand sich in dem geöffneten Karton etwas anderes als Eierbecher.
John musste unwillkürlich grinsen.
Auch der Techniker fasste sich und lachte. "Ich habe auch dumm geschaut, weil sich an Stelle von Eierbechern Eieruhren in diesem Karton befinden. Gerade eben kam Suzie Mayland von der Küche zu mir und stellte mir den Karton auf den Tisch. Nun, das wird meinen Kollegen Masterson freuen, er ist eigentlich für diesen Bereich verantwortlich. Er wird nicht begeistert sein, dass trotz der dreifachen Überprüfung aller Kartons, doch etwas schief gegangen ist. Vermutlich hat er geglaubt, auf das Öffnen jeden Kartons verzichten zu können. Und nun haben wir das..."
"Na ja, niemand ist perfekt. Nicht einmal die Verwaltungsleute." John trat vor den Tisch und beäugte den Karton. "Und wer weiß, vielleicht kann man mit den Dingern durchaus etwas anfangen. Wenn alles andere versagt haben wir notfalls immer noch mechanische Zeitmesser."
"Die wir jede halbe oder ganze Stunde aufziehen müssen, ja..." Williams grinste breit, als stelle er sich das Szenario gerade vor. Dann wurde er schlagartig ernst. "Deswegen sind Sie doch nicht zu mir gekommen, Major Sheppard, oder? Benötigen Sie etwas bestimmtes?"
So sehr Willams nun versuchte, geschäftsmäßig und offen dreinzublicken, so wollte ihm das doch nicht recht gelingen. Für einen Moment las John nervöse Unsicherheit und Sorge in den weichen Zügen des Technikers.
Das machte es für ihn leichter. "Nun, da ist etwas", sagte er und setzte sich auf den Rand des Tisches, "Ihr Kollege Masterson bat mich, wegen einer Unstimmigkeit in den Beständen ein paar Worte mit Ihnen zu wechseln."
Sein Gegenüber schluckte, versuchte aber die Fassung zu wahren und das Zittern seiner Hände zu verstecken Der Kopf wurde immer roter. "Ähem ... Ich verstehe nicht so ganz ... Wie meinen Sie das jetzt genau?"
‚Ertappt.' John lächelte innerlich in sich hinein und legte den Kopf schief. Er beschloss, den Mann nicht so lange zappeln zu lassen. "Ach, kommen Sie, Williams. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Moment aus ganz bestimmten Gründen ein kleiner Notstand an Speichermedien ausgebrochen ist."
Der Techniker holte tief Luft und öffnete den Mund, als wolle er sich verzweifelt verteidigen. Doch John schüttelte den Kopf und bedeutete ihn zu schweigen. Er wollte nicht unbedingt allzuviele Details wissen und schon gar keine Ausflüchte hören.
"Vielleicht war das ein wenig zu unbedacht und ungeschickt. Aber ich kann mir vorstellen, dass, wenn dieser Missstand über Nacht weitestgehend beseitigt wird, und die Betreffenden darauf achten etwas vorsichtiger zu sein, es keinen Grund geben muss, eine offzielle Untersuchung einzuleiten. Was meinen sie?" Er beugte sich leicht vor und fragte neugierig. "Was haben Landon und Sie in den letzten Tagen eigentlich in Umlauf gebracht?"
"Nun ja ... äh ... ich ..." Williams biss sich auf die Lippen und sah unsicher zu John hin. Dann beugte auch er sich vor. "Nicht viel mehr als eine kleine Spielesammlung." Er räusperte sich und sprach dann leise weiter: "Wenn man nicht gerade im Hintergrund Simulationen laufen lässt oder neue Programme kompiliert, kann eigentlich nichts passieren." Er holte tief Luft und senkte seinen Kopf. "Ich denke, Sie werden nach meinem Geständnis nun Dr. Weir informieren."
"Warum sollte ich, solange es keinen triftigen Grund dazu gibt und gewisse Auffälligkeiten beseitigt werden und danach nicht mehr vorkommen?" John zog eine Augenbraue hoch und lächelte. "Ah ja, und da ist noch etwas: Ihr Kollege Landon sollte in den nächsten Tagen mal nach meinem Laptop sehen. Irgend etwas stimmt mit den Einstellungen nicht. Ich glaube ich habe da ein wenig Mist gebaut."
Williams sah ihn irritiert an, dann stutzte er und seine Züge hellten sich auf. "Ich werde Ihre Bitte natürlich an ihn weiterleiten", sagte er betont langsam. "Das ist kein Problem, denn ich denke, er wird spätestens morgen Abend Zeit für Sie haben. Und was die andere Sache angeht..." Er hielt kurz inne und überlegte. "Die wird umgehend soweit in Ordnung gebracht, wie wir noch können."
"Danke!" John grinste. "Dann haben wir uns da ja problemlos einigen können. Ich finde auch, dass es nicht immer nötig ist, so viel Aufheben um Kleinigkeiten zu machen. Manchmal lassen sich Probleme von Mensch zu Mensch viel schneller regeln, auch wenn es gegen das Protokoll ist, finden Sie nicht?"
"Ja, da haben Sie wohl recht, Major Sheppard. Ich bin froh, dass Sie so unkonventionell denken", stimmte ihm Williams erleichtert zu.
John nahm indes eine der Eieruhren aus dem Karton, warf diese in die Luft und fing sie geschickt wieder auf. Dann blickte er nachdenklich auf das Gerät in seinen Händen.
Das weißgelbe Plastik mit den schwarzen Markierungen war nicht gerade unauffällig. Es gab der Eieruhr durch ein aufgemaltes Gesicht und Flügelansätze das Aussehen eines Kükens, das gerade aus der Schale schlüpfen wollte.
Nun ja, aus Küken wurden eines Tages Hühner und diese waren ja eigentlich ... Vögel.
Aber ja – Vögel!
Obwohl er den eiförmigen Gegenstand gerade noch an seinen Platz hatte zurückstecken wollen, zögerte er jetzt. Ihm kam etwas und jemand in den Sinn. Deshalb umschloss er das Küchengerät mit den Fingern und zog die Hand wieder zurück. "Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich mir die eine hier mitnehme."
"Was haben Sie damit vor?" Williams sah ihn irritiert an.
"Sie ist als Geschenk für jemanden von den Athosianern gedacht", erklärte John mit einem hintergründigen Lächeln. "Das können sie ruhig auch auf dem Materialentnahmeschein notieren, damit es später keine unnötigen Fragen gibt. Ich denke, dass hier ist Technik, die wir unseren Gästen bedenkenlos anvertrauen können. Viel anrichten können sie damit nicht, denke ich."
Der Techniker grinste verschwörerisch. "Spielen Sie damit vielleicht auf die Vorbehalte von Sergeant Bates an? Man hört so einiges..."
Er räusperte sich auf Johns gequälten Blick hin und blickte verlegen zur Seite. "Entschuldigen Sie, ich wollte nicht so vorlaut sein. Es geht alles klar."
Er zog das Klemmbrett an sich heran und machte eine Notiz. Dann schob er es mitsamt dem Stift zu John hin. "Bitte unterschreiben Sie doch hier."
Als das erledigt war, stand John wieder auf. "Nun will ich Sie nicht länger aufhalten." Er ging zur Tür. "Ich denke, sie wollen auch bald Feierabend machen und die wenigen freien Stunden genießen."
"Ich denke, das möchte jeder nach einem langen Arbeitstag." Williams legte das Brett zur Seite und schloss den Karton mit den Eieruhren. "Zumal ich mich ja jetzt noch um etwas sehr Dringendes kümmern muss, das keinen Aufschub duldet."
"Danke vielmals." Mit diesen Worten verließ John den Raum und steckte die Eieruhr in die Tasche. Dann schlug er den Weg zur Krankenstation ein.
x o x o x o x
Rodney entdeckte die gesuchte Person im Lagerraum, der an die Labors angrenzte und von den Technikern auch als Werkstatt benutzt wurde. Endlich konnte er sich den Übeltäter vornehmen, nachdem er nach Dr. Kusanagi noch drei andere seiner Mitarbeiter hatte zurechtweisen müssen, weil sie Spiele auf ihre Arbeitsrechnern aufgespielt hatten.
Nur Dr. Kavanaugh und Dr. Zili ... Zalo – na jedenfalls der kleine Tscheche, dessen Namen er sich immer noch nicht merken konnte – hatte er leider nichts nachweisen können. Und damit auch nicht zurechtweisen. Schade...
Entweder hatten die beiden ihre Untaten zu gut vor einer oberflächlichen Untersuchung versteckt, oder sie waren - was er gar nicht so recht glauben mochte - tatsächlich unschuldig.
Leider hatten die Ertappten zu schnell klein bei gegeben und ihre Spiele sofort freiwillig gelöscht, so dass es immer noch in ihm kribbelte. Mehr denn je war ihm danach, dem Richtigen eine Standpauke zu verpassen.
Philipp Landon beugte sich angestrengt über einen Laptop und tippte eifrig etwas in die Tastatur. Er schien sein Kommen nicht bemerkt zu haben. Umso besser. Dann konnte er nichts verschwinden lassen.
Erst als sich der Kanadier direkt hinter ihn stellte und den USB-Stick aus dem dafür vorgesehenen Anschluss zog, zuckte Landon heftig zusammen und drehte sich halb um. Auf seinem Gesicht vermischten sich Überraschung und Entsetzen.
‚Ah, auf frischer Tat ertappt. Um so besser!' triumphierte Rodney in Gedanken. ‚Mal sehen, was er mir zu sagen hat.' Er musterte interessiert den blinkenden Bildschirm und das Chaos auf dem Tisch vor dem Techniker. Was lag da eigentlich unter den Handbüchern und dem Klemmbrett?
Er schob Landons Hand zurück und griff nach der schmalen Mappe, die halb unter den anderen Gegenständen verborgen hatte. Mit einem Ritsch war der Reißverschluss geöffnet und er konnte den Inhalt sichten.
Seine Miene verfinsterte sich, als er die Aufschriften auf den gebrannten DVDs las. Innerlich jedoch frohlockte er bei jeder Scheibe mehr.
"Mr. Landon, das sind nicht unbedingt Programme, die für unsere Arbeit notwendig sind. Wenn Sie mir nicht einen guten Grund nennen, warum Sie diese Spiele hier herumliegen haben, dann muss ich Sie leider Mr. Grodin und Dr. Weir melden. Und das gibt in Ihrer Akte mit Sicherheit mehr als nur einen dicken Verweis."
Was murmelte Landon da? Fluchte er?
Umso besser.
Es gefiel Rodney, dass Peter Grodin seinen Untergebenen noch nicht zusammengestaucht hatte, denn dann hätte der das Beweisstück in seiner Hand bestimmt so offen liegen und sich bei neuerlichen Taten erwischen lassen.
Ja, Landon sollte richtig schön ins Schwitzen geraten. Der Kanadier genoss es, wie sich der Mann unter seinem Blick wand und verzweifelt nach einer Antwort suchte, um sich zu rechtfertigen.
Immerhin hatte er da eine recht stattliche Sammlung von neueren und älteren Spielen als aller Herren Länder in der Hand. Rodney entdeckte auch das ein oder andere, bei dem er schon länger überlegt hatte, es sich zu besorgen, aber niemals die Gelegenheit dazu gekommen war, weil er gerade mitten in einem Projekt gesteckt hatte.
"Ähem, Dr. Mc Kay, das ist schwierig zu erklären ... jedenfalls ... die S-Spiele sind für die Freizeit oder die P-Pausen da. Zur E-Entspannung und E-Erholung. Es sind nur solche, die A-Arbeitsergebnisse nicht beeinflussen können. W ... ich w-wollte ... keinen S-Schaden, damit ...", stammelte Landon und wischte sich mit der Hand über die Stirn. Er wirkte sichtlich nervös und angespannt. "K-können wir nicht n-noch einmal darüber r-reden?"
"Eigentlich nicht." Rodney Miene wurde noch finsterer. "Ein kleines und angeblich harmloses Spiel namens Tetris hat unsere Arbeit an den Simulatoren für die Funktionen der Stadt um mehrere Stunden – vielleicht sogar Tage! - zurückgeworfen."
"Oh, ja ... d-das ist sehr ä-ärgerlich..."
"Ach, was Sie nicht sagen..." Rodney schloss die Mappe und wog sie in der Linken, während er dem Techniker mit der Rechten vor dem Gesicht herumwedelte. "Ich möchte nicht, dass das noch einmal vorkommt, haben sie verstanden?"
"J-ja." Der Mann folgte seinem Zeigefinger wie eine hypnotisierte Schlange und begann zu schielen. "Genauso wenig will ich erleben, dass andere Arbeit dadurch behindert wird. Wenn ich noch einmal mit einem solchen Vorfall konfrontiert werde, dann kriegen Sie wirklich ernsthaft Ärger, haben wir uns verstanden?"
"N-natürlich, D-Dr. McKay." Philipp Landon schnappte nach Luft. Noch immer wich er Rodneys Blick aus, aber in seinem Gesicht arbeitete es. Wann würde er endlich begreifen.
Ah, vielleicht jetzt?
Rodney grinste in sich hinein.
Wenn der Mann immer eine so lange Leitung besaß, wunderte ihn gar nicht, warum Peter Grodin ihm diese Arbeit zugewiesen hatte. "J-ja, ich d-denke, das wird k-kein P-Problem sein." Landon sah zwar immer noch aus wie ein geprügelter Hund, aber nun malte sich Erleichterung in seinen Zügen ab.
Na endlich hatte er kapiert.
"Das hier behalte ich aber trotzdem. Für alle Fälle - haben wir uns verstanden?"
Der Techniker nickte eifrig, während Rodney den Reißverschluss wieder zu zog und sich umdrehte. Nach ein paar Schritten warf er noch einmal einen strengen Blick zurück. Landon hatte sich nicht vom Fleck gerührt. Erst als ihn der Chefwissenschaftler darauf aufmerksam machte, drehte er sich um und beugte sich wieder über den Tisch.
Der Kanadier zeigte sich zufrieden. Er beschloss, einen Abstecher zu seinem Quartier zu machen, denn nicht jeder musste ihn mit der Mappe in der Hand sehen, schon gar nicht die schwatzhaften Klatschbasen aus Kavanaughs Labor. Und dann galt es, die Schäden des Tages zu beseitigen. Natürlich hatte er gegenüber Landon übertrieben. Die Simulation lief bereits wieder, und diesmal besser als vorher, dafür hatte ein einfacher Neustart des Programms gesorgt. |
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 10.04.2008, 08:34 Titel: |
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So, damit die Geschichte nicht so angefressen hier herum steht, stelle ich den Rest jetzt auch ein:
Teil 4/4
Krankenbesuch
Dr. Beckett sah John überrascht entgegen, als dieser die Krankenstation betrat. Einen Moment horchte der Major auf. Es irritierte ihn, dass nichts zu hören war. Normalerweise waren kleine Kinder nicht so schweigsam, es sei denn, sie waren wirklich krank.
"Ist etwas nicht in Ordnung?" fragte der Schotte mit schwerem Akzent besorgt. "Haben Sie schon wieder Kopfschmerzen oder andere Probleme?"
John stutzte und schüttelte dann den Kopf. "Nein, im Moment nicht. Und auch sonst geht es mir eigentlich recht gut." Er musste dem Arzt ja nicht unbedingt auf die Nase binden, dass er immer noch mit schöner Regelmäßigkeit mindestens einmal in der Nacht durch einen Alptraum aus dem Schlaf gerissen wurde.
Allerdings hatte sich das bei der Abschiedszeremonie und seiner "Begegnung" mit Eric sichtlich gebessert. Sie waren blasser und schwächer geworden, hallten in seinem Geist nicht mehr so stark nach, so dass er nach dem Aufwachen eigentlich umgehend wieder einschlief.
So einfach war das.
Mit dem alten Freund schien er auch frischere Schuldgefühle losgelassen zu haben, wenn auch noch nicht ganz. Er lächelte dünn. Manchmal war es eben ganz einfach, etwas zu verarbeiten, und zwar auch ohne Medikamente und Gesprächstherapie.
"Ich wollte mich eigentlich nach dem Kind erkundigen. Wie geht es Shanao inzwischen?" fragte er dann.
Ein Lächeln zeigte sich auf den sanften, freundlichen Zügen Carson Becketts. "Sie können das Kindchen gerne besuchen, aber wecken Sie es bitte nicht auf, falls es noch schläft." Er seufzte. "Das vorwitzige Mädel hat wirklich einen aufmerksamen Schutzengel gehabt, der es vor dem schlimmsten bewahrt hat. Denn bis auf den Schrecken ist es noch einmal gut davon gekommen. Jedenfalls habe ich ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben. Morgen denke ich, ist sie wieder quietschfidel und munter genug für weitere Streiche."
John horchte auf. Hatte er da eben richtig gehört?
Dann breitete sich ein Strahlen über sein Gesicht aus.
Wette gewonnen!
Kurz dachte er an die Abmachung zwischen Teyla und ihm. Also hatte sie ihn die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Nun, freiwillig würde er ihr jetzt jedenfalls nicht mehr verraten, mit welchem Stofftier er sich in seiner Kindheit getröstet hatte.
"Dann bin ich ja erleichtert. Mir hätte es auch leid getan, wenn dem Dreikäsehoch etwas passiert wäre." Es war vielleicht besser, sich noch einmal abzusichern. Also wurde er direkt. "Dabei habe ich immer gedacht, Shanao sei ein Junge, denn normalerweise sind Mädchen nicht so."
"Oh, haben sie? Dann kennen sie die kleinen Racker schlecht." Beckett schmunzelte in sich hinein. Dennoch gelang es ihm, völlig unschuldig klingend zu antworten: "Dabei ist doch schon am Namen ersichtlich, das Shanao ein süßes Mädel ist."
John räusperte sich. "Ich habe nicht so viel Erfahrung mit kleinen Kindern, und in Sprachen war ich nie gut. schon gar nicht in Namensdeutung", überspielte er seine Verlegenheit und Verärgerung.
Beckett hob tadelnd seinen Finger. "Stellen Sie nicht schon wieder ihr Licht unter den Scheffel Major. Sie können und wissen viel mehr, als Sie zugeben wollen."
Er kniff ihm ein Auge. "Und die Kleine mag sie. Vielleicht weil Sie ebenso wie sie immer für eine Überraschung gut sind. Sie hat vorhin übrigens schon nach Ihnen gefragt." Dann wurde er nachdenklich, schien sich an etwas zu erinnern.
"Und es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass auch Mädchen über die Stränge schlagen. In unserer Nachbarschaft lebte zum Beispiel die rothaarige Moira. Sie kletterte schon mit zwei Jahren auf den Schafen herum. Und ihr Vater bekam bald einen Herzschlag, als er sie mit Drei auf dem Rücken des Widders entdeckten. Sie wollte auf ihm wie auf einem Pferd reiten, was dem armen Jungen gar nicht gefiel. Bis zum Ende der Elementarschule war sie jedenfalls der Anführer von uns Jungen und hat uns zu den verrücktesten Streichen angestiftet. Aye, glauben Sie mir, sie hat es wilder getrieben als die Mutigsten von uns."
John grinste. "Leider kann ich da nicht wirklich mitreden...", gab er kurz zu, und wechselte dann hastig das Thema. Innerlich verfluchte er sich: Verdammt, schon wieder war ihm etwas herausgerutscht, was er eigentlich nicht hatte sagen wollen. Nicht das Beckett auf die Idee kam nachzuhaken. Er holte tief Luft.
"Jetzt will ich Shanao aber nicht länger warten lassen. Wo finde ich sie?"
"Da hinten. Hinter den beiden Stellwänden."
John dankte dem Arzt und ließ ihn stehen, ehe der noch auf dumme Gedanken kam. Mit wenigen Schritten war er bei dem Kind, das auf dem großen Bett ziemlich verloren wirkte. Es lag zusammengerollt auf der Matratze und einem Kissen. Und es trug jetzt nur noch ein langes, grob gewebtes Hemdchen, die Beinchen, die unter der halb zurückgestrampelten Decke hervorlugten waren nackt. Um eines der Füßchen lag ein lockerer Verband.
Im angewinkelten rechten Arm ruhte das Lumpenbündel, das Teyla als Trostpüppchen bezeichnet hatte, mit dem anderen hielt sich die Kleine am Kissen fest.
Doch so ganz fest schien Shanao nicht zu schlafen, denn als sie eine Bewegung, vielleicht einen Lufthauch in ihrer Nähe spürte, öffneten sich die großen, wenn auch jetzt ziemlich verschleierten Augen. Das Kind setzte sich sofort auf, wenn auch etwas benommen.
"Onkel John! Du bist da." murmelte es und streckte sich dann. "Hast du den Metallbeißer tot gemacht?" fragte es, nachdem es herzhaft gegähnt hatte.
"Ja, das habe ich", sagte John mit großem Ernst. "Der wird dir nicht mehr weh tun. Und den anderen habe ich gedroht."
"Das ist gut Und den Stinkeschlangen auch?"
"Äh..." Was meinte sie jetzt damit? John stutzte, dann fiel es ihm ein. Für jemanden, der den Geruch von frischem Plastik nicht kannte, mussten die Kabel ziemlich stinken.
"Sie haben gesagt, wenn du dich von ihnen fern hälst, dann lassen sie dich auch in Ruhe. Denn sie mögen es nicht, wenn jemand sie ärgert, weißt du?" Er zog einen Stuhl zu sich heran und setzte sich, während Shanao angestrengt überlegte und sich dann die Arme rieb, auf denen sich Gänsehaut bildete. Das Näschen kräuselte sich angewidert. "Ja. Dann ist ja gut. Doofe Stinkeschlangen. Die sollen lieber die Wraith hauen."
So wie es aussah, würde sie in der nächsten Zeit einen großen Bogen um Kabel und alles was damit zusammenhing machen. Für wie lange, das würde man dann ja sehen. Denn Kinder vergaßen gerne und schnell.
Deshalb war es vielleicht besser, die Kleine ein wenig abzulenken. So griff er in seine Jackentasche und zog das Ei heraus.
Sofort machte Shanao neugierig einen langen Hals. "Was ist das?"
"Nun", John sah das Kind aufmerksam an. "Da, wo ich herkomme, ist es üblich, dass, wenn jemand krank ist, die anderen vorbeikommen und ihm Geschenke bringen, damit er ganz schnell wieder gesund wird."
Shanao streckte die Hände aus. "Ganz viel Schokotelade?"
"Nur wenn der liebe Onkel Doktor ja sagt."
"Ich darf. Ich will das haben." Shanao beugte sich vor und rutschte an den Rand des Bettes. John fürchtete schon, sie würde hinunterfallen.
"Gleich." John kam ihr ein Stück entgegen, um da zu sein, wenn die Kleine wirklich Übergewicht bekam. "Erst muss ich dir jedoch noch etwas erzählen", flüsterte er verschwörerisch und zog die Eieruhr ein Stück auf.
Ein, zwei Minuten würden reichen.
Zuerst zuckte Shanao zusammen und machte große Augen, dann lauschte das Kind fasziniert dem rhythmischen "Klack-KLACK", das der durch eine Feder augezogene Mechanismus im Inneren verursachte und blieb ganz still sitzen.
"Das ist ein großer Zauber."
John holte tief Luft und beschloss sich einen Teil seiner Geschichte aus Disney's Peter Pan auszuborgen. "Jedesmal, wenn du ihn aufziehst und dann die Glocke erklingt, schlüpft irgendwo zwischen den Sternen am Himmel ein Stahlvogel aus seinem Ei. Und eines Tages, wenn die Küken groß sind, werden sie dich bestimmt alle einmal besuchen kommen, weil du sie ja aufgeweckt hast..."
Das "Klack-KLACK" endete plötzlich in einem "Rrrrrrrrrrring!" und brachte ihn zum Verstummen. Shanao zuckte erst heftig zusammen und riss den Mund auf, quietschte dann aber vor Vergnügen. Sie streckte aufgeregt zappelnd die Hand aus. "Jetzt gib her!"
John stützte sie ab und schob den kleinen warmen Körper ein Stück zurück, damit er nicht gänzlich abrutschte.
"Noch eines: Manchmal musst du lange warten, bis die Glocke erklingt, aber dann wird der Stahlvogel, der schlüpft, umso schöner und bunter..."
Dann erst legte er dem Kind die Eieruhr in die Händchen. Shanao sah ihn freudestrahlend an und nickte. Eifrig versuchte sie den Mechanismus aufzuziehen, aber es schien nicht so zu klappen wie bei ihm.
John lächelte.
"In die andere Richtung kannst du es viel einfacher drehen. Komm, ich zeige es dir noch einmal." John half dem Kind geduldig, den Umgang mit der Eieruhr zu verstehen.
Shanao beobachtete ihn dabei mit großem Ernst und nahm die Eieruhr dann vorsichtig in die Hände. Sie betrachtete andächtig das aufgemalte Gesicht und strahlte von einem Ohr bis zum anderen.
John atmete auf.
Es störte ihn gar nicht, dass das kleine Mädchen ihn nicht mehr beachtete. Denn das brachte die Schwester, die dicht an ihnen vorbeiging vielleicht noch auf dumme Gedanken. Der Blick der jungen Frau sprach Bände. ‚Wenn er so gut mit fremden Kindern umgehen kann, dann ist er sicherlich ein prachtvoller Vater.'
John schüttelte sich. Das war ihm sichtlich unangenehm, denn er wußte, dass er das ganz bestimmt nicht war. Er hatte ja schon als Ehemann kläglich versagt...
So erhob er sich leise und verließ Shanao, das wie ein Kaninchen vor der Schlange verharrte und auf das Klingeln der Eieruhr wartete. Er bezweifelte zwar, dass das Kind lange Spaß an dem Gerät haben würde, da diese bei grober Behandlung nicht so lange hielten, aber ein paar Tage würde es sicher damit spielen können.
Und das war es, was eigentlich zählte.
Dr. Beckett kam ihm entgegen. Er lauschte irritiert und runzelte die Stirn.
"Was haben sie dem Kind da eigentlich mitgebracht?" fragte er verwirrt.
"Das ist nur eine Eieruhr", erwiderte John und blickte über die Schulter zurück.
In diesem Moment machte es "Rrrrrrrrrrring!" Shanao lauschte eine Weile, dann drehte sie wieder an dem Ei, diesmal in die richtige Richtung.
"Nur gut, dass das Kind bald von seiner Mutter abgeholt wird", sagte der Arzt mit einem tiefen Seufzen und schüttelte den Kopf. Er sah John tadelnd, aber amüsiert an. "Sie kommen wirklich auf seltsame Ideen..."
John zuckte mit den Schultern. Dann riss er sich von dem Anblick los und grinste.
"Das wäre auch jeder andere, denke ich. Die Gelegenheit war eben günstig, und ich habe sie genutzt. Aber nun will ich sie nicht länger stören und mich wieder meiner Arbeit widmen."
Verschwörer und andere Peinlichkeiten
Es war schon spät in der Nacht, als sich die Tür zu dem Quartier öffnete, das sich die beiden Techniker seit der Ankunft in der uralten Stadt teilten.
Philipp Landon richtete sich blinzelnd auf, als sein Kollege Willams eines der größeren Lichter anschaltete und blickte einen Moment benommen auf den flimmernden Bildschirmschoner vor sich, ehe er aufsah.
Mit einem unwilligen Grunzen bewegte er die Maus und fluchte, als er rot blinkende Zeichen vor sich sah. "Mist, jetzt kann ich den ganzen Level noch einmal wiederholen, weil ich nicht abgespeichert habe." Er holte tief Luft. "Du kommst aber verdammt spät, Samuel. Es ist schon nach 2500."
"Ich weiß." Der andere gähnte und streckte sich. "Aber ich musste noch ein paar Sachen einsammeln und an ihren Platz zurückbringen. Und das war nicht so einfach, da einige Leute die Leihgabe nicht mehr herausrücken wollten und erst gar nicht aus dem Schlaf zu holen waren."
Dann setzte er sich auf sein Bett und sah Landon ernst an.
"Wir waren in den letzten Tagen zu übermütig, Phil. Major Sheppard ist uns auf die Schliche gekommen und hat mich heute im Büro besucht."
Er verzog das Gesicht. "Manchmal könnte ich diesen Pedanten Masterson in hohem Bogen in den Ozean kicken. Der hat doch tatsächlich nichts besseres zu tun gehabt, als die Bestände in meinem Bereich zu zählen, obwohl ich ihn mehrfach drum gebeten habe, das nicht zu tun, weil ich es selbst machen wollte. Natürlich hat er damit gleich festgestellt, dass die USB-Sticks fehlten. Aber wenigstens war er so fair, den Richtigen zu kontaktieren und nicht gleich so viel Aufheben drum zu machen. Und jetzt wird er nichts mehr zu meckern haben. Die vier oder fünf Sticks und die zehn Rohlinge, die ich nicht mehr zurückbekam, habe ich kurzerhand mit Materialdefekt ausgebucht."
"Bist du nicht vor Dr. Weir zitiert worden?" Philipp Landon schluckte und blickte besorgt drein. „Wenn das so weit kommt, dann...“
Doch Williams beruhigte ihn. "Nein. Da war der Major ziemlich kulant. Er hat nur gemeint, dass ich mich nicht mehr erwischen lassen und schon gar nicht übertreiben solle. Er könne nicht allzu oft das Auge zudrücken." Er grinste. "Und er bat mich, dir zu sagen, dass du baldmöglichst nach seinem Rechner schauen sollst. Irgendwas scheint damit nicht zu stimmen..."
Er kniff seinem Freund ein Auge. "Du weißt, was er damit meint?"
"Äh... Ich denke schon. Dann werde ich mir mal überlegen, was ich zu ihm mitnehmen werde. Was meinst du könnte den interessieren. Ich habe da noch irgendwo einen Flugsimulator, glaube ich..." Landon verstummte plötzlich und biss sich auf die Lippen. "Da ist noch was. Ich muss dir gestehen, dass ich auch Ärger hatte. Dr. McKay stand plötzlich hinter mir und wirkte nicht sehr begeistert ..."
"Oh, Scheiße..."
"Ja, das dachte ich zuerst auch. Er hat wie üblich auf seine nette Art gemeckert und gedroht", gestand Landon. Dann jedoch hellte sich Gesicht wieder auf. "Aber ich hatte Glück. Er hat den Köder geschnappt, den ich für ihn ausgelegt habe."
"Du hast was?" Williams schnappte nach Luft.
"Glücklicherweise hatte mir Grodin schon vorher die Leviten gelesen, so dass ich gewarnt war, und dem Kanadier was vorspielen konnte. Na ja, er hat mein Gestotter geschluckt und die Mappe mitgenommen - so wie es geplant war."
Landon lehnte sich zurück und legte die Hände auf den Tisch.
"Ins Schwitzen gekommen bin ich trotzdem. Der Versuch, den Doc zu bestechen, hätte ja auch gehörig schiefgehen können. Ich bin mir sicher, Kavanaugh hätte sich nicht ködern lassen. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich bei einigen Leuten sehr vorsichtig sein muss. Die Kusanagi kriegt so schnell nichts mehr von mir. Denn durch ihre Dummheit ist alles herausgekommen."
Sein Freund verzog das Gesicht. "Das habe ich dir doch gleich gesagt. Bei der Dumais und den anderen aus Kavanaughs Labor war es kein Problem. Die haben gelernt, die Klappe zu halten und vorsichtig zu sein. Aber die Kusanagi? Die zieht durch ihr Ungeschick das Unheil magisch an. Was die in den Labors schon alles angestellt hat..." Mit einem verächtlichen Schnauben sprach er weiter. "Die Dumais ist jedenfalls froh, wenn Major Sheppard ab und zu mal vorbeikommt und die größeren Gegenstände initialisiert, denn das funktioniert dann fehlerfrei." Er schüttelte den Kopf. "Dass die überhaupt mitgenommen wurde, wundert mich, aber die Chefs werden schon ihre Gründe gehabt haben."
Dann gähnte er. "Wollten Grodin und McKay mehr gegen uns unternehmen?"
"Ersterer hat etwas ähnliches gesagt wie dein Major Sheppard und vorgeschlagen, später ein Laufwerk nur mit Spielen einzurichten, damit die Wissenschaftler sich nichts mehr auf ihre Rechner laden müssen und dennoch hin und wieder spielen können. So lange sollten wir vorsichtig sein und nichts mehr an andere Leute weitergeben. Und McKay? Na ja, der hat mich gewarnt, dass er einen weiteren Verstoß melden würde und es jetzt erst einmal dabei belassen."
Landon rieb sich das Gesicht und gähnte. "Ich glaube, wir sind heute also noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen."
Willams grinste. "Siehst du, dann hat meine Idee, die richtigen Leute zu bestechen, doch etwas genutzt."
"So sieht es wohl aus." Philipp Landon grinste. "Aber das hätten sich die Verantwortlichen im Stargate Center eigentlich denken können. Wer kommt in unserer Generation noch ohne seine Computerspiele aus? Und wenn es nur Solitär und Schach sind? Das ist vergleichbar damit, einen Junkie auf Entzug zu setzen."
x o x o x o x
John wanderte entspannt durch die Gänge und Hallen von Atlantis. Bisher war der Tag gut verlaufen. Es war nichts Besonderes vorgefallen, Sergeant Bates hatte sich als außergewöhnlich friedlich erwiesen und einmal nichts gefunden, um es ihm vorzuhalten. Beim Training vor dem Frühstück hatte er Aiden Ford erstmals auf die Matte schicken können und nicht selbst als Erster Bekanntschaft mit der Gummiunterlage gemacht.
Und auch der Rest des Vormittags war angenehm verlaufen.
In den letzten zwei Stunden hatte er Markham in die Bedienung der Steuerelemente des Jumpers eingewiesen. Der junge Marine hatte sich gar nicht einmal dumm angestellt und schnell begriffen, auch wenn ihm immer noch Angst zu machen schien, dass sich das Fluggerät zum größten Teil durch Gedankenkraft steuern ließ und die Handbewegungen nur minimalen Einfluss auf die Kursbestimmung hatten.
John fieberte inzwischen darauf, sich wieder hinter die Kontrollen zu setzen und das Gefühl voll auszukosten, dass das Schiff sofort auf seine Befehle reagierte. Und so wie es aussah konnte das schon bald der Fall sein.
Das Team war ja jetzt vollständig, und das Ziel der ersten Mission stand für ihn auch schon fest. Er wusste schon, zu welchem Ziel er raten würde. Es war taktisch unumgänglich, nachzusehen, was die Wraith gegen den Angriff auf ihr Schiff unternommen und ob sie die durch das C4 verursachten Schäden bereits beseitigt hatten.
Letzteres hoffte er nicht unbedingt.
Sie mussten sich einen Überblick über die Aktivitäten des Feindes verschaffen. Noch wussten sie viel zu wenig über dieses Volk, das die Menschen nur als Nahrungsquelle betrachtete, und das meiste davon stammte aus zweiter Hand.
Zwar war er Teyla und Halling für ihre Informationen dankbar und glaubte ihnen, was sie sagten, aber es war immer besser, den Gegner persönlich einschätzen zu lernen und sich nicht allein auf subjektive Äußerungen zu verlassen.
McKay hatte das zuerst nicht so richtig glauben wollen, dann hatte John ihn aber mit Beispielen aus der Physik zum Nachdenken gebracht und vielleicht auch überzeugt. ‚Hoffentlich habe ich ihn nicht mit der Aussicht abgeschreckt, dass wir uns mitten in die Höhle des Löwen begeben werden." Aber würde der Chefwissenschaftler jetzt noch einen Rückzieher machen, nachdem er doch schon vor Dr. Weir zugestimmt hatte?
John glaubte das irgendwie nicht so recht.
Er hatte McKay bei seinem ausgeprägten Stolz und vermutlich auch Ehrgeiz gepackt. Und vielleicht auch neugierig gemacht. Immerhin würde der Kanadier so die außerirdische Technik aus erster Hand zu sehen bekommen.
Doch jetzt suchte er Teyla.
Bei den Athosianern hatte er sie nicht finden können. Aber eine ziemlich übernächtigt wirkende Jheynira hatte ihm erzählt, dass sich die Anführerin schon am Morgen mit Marja Kuritschenka, der russischen Anthropologin und Völkerkundlerin, getroffen hatte. Wahrscheinlich tauschten die beiden wieder Details über ihre jeweilige Kultur aus.
John musste unwillkürlich grinsen, als seine Gedanken zu dem Gespräch zurück kehrten. Er dachte an das müde Gesicht der jungen Frau und die tiefen Ränder unter ihren Augen. Shanaos Mutter tat ihm jetzt doch ein wenig leid tat.
Die Athosianerin war nämlich heftig zusammen gezuckt, als aus dem Raum, in dem sie mit ihrem Mann lebte, ein durchdringendes "Rrrrrrring!" erklang. Nach diesem Geräusch war Jheynira ziemlich kurz angebunden gewesen und hatte ihn dabei sehr vorwurfsvoll angesehen.
Deshalb hatte John es vorgezogen, schnell eine Verabschiedung und Entschuldigung zu murmeln, ehe sie oder ihr Gefährte noch auf dumme Gedanken kommen konnten.
Es brauchte wirklich nicht viel Phantasie, sich auszumalen, wie die letzte Nacht für das junge Paar verlaufen sein musste: Shanao war bestimmt kein Kind, das schnell aufgab, vor allem nicht, wenn es ein neues Spielzeug bekommen hatte. Der Versuch, ihr die Eieruhr wegzunehmen, hatte bestimmt in Geschrei und Gezeter geendet.
Und er glaubte nach den bisherigen Erfahrungen nicht, dass die Eltern der Kleinen so konsequent waren wie andere. Das bewiesen schon die Eskapaden des frechen Wirbelwinds. Also hatten sie ihr die Eieruhr gelassen und die ganze Nacht...
Inzwischen hatte er den Gang erreicht, in dem die Räume der Völkerkundler lagen. Leider auch das von Dr. Heightmeyer. Deshalb schlich er mehr als dass er ging, um zu dem Raum der Kuritschenka zu kommen, der nicht weit davon entfernt lag.
Mit Erstaunen stellte er fest, dass die Tür zu dem Büro einen Spalt breit offen stand. Dadurch sah er, dass die Russin offensichtlich nicht anwesend war und Teyla sich mit dem Laptop der Völkerkundlerin beschäftigte. Sie schien fasziniert eine Datenbank zu studieren. Sie klickte von Seite zur Seite und blickte sich konzentriert die Bilder an. Ob sie die Texte lesen konnte, wusste er jedoch nicht.
Interessiert beugte er sich über die Schulter der Athosianerin, um zu sehen, was sie für bunte, aber ziemlich kleine Bilder sie sich da anschaute. Im nächsten Moment schluckte er und biss sich auf die Lippen, denn die Athosianerin hatte das Stichwort Spielzeug erwischt. Und dann zufällig auch noch die Unterabteilung Stoff?
Er verzog das Gesicht, als Teyla sich halb drehte und ihn lächelnd begrüßte. "Es ist schön, Sie zu sehen, Major", sagte sie mit einem seltsamen Unterton in der Stimme. "Sie haben einigen von uns eine schlaflose Nacht bereitet, auch wenn Shanao sich heute überaus brav benimmt. Das Kind hat noch nie so lange auf seinem Hosenboden sitzen können wie heute morgen. Doch was ist das eigentlich für ein seltsames Spielzeug? Ich habe es leider noch nicht in der Datenbank finden können."
John grinste breit.
"Na, dann habe ich ja etwas Gutes bewirkt. Shanao ist ja doch ein braves Mädchen, wenn sie will."
Teyla zog die Augenbraue hoch.
"Sind Sie sich völlig sicher, das Sie sich nicht wieder täuschen oder einfach nur raten?" fragte sie lauernd.
"Ja, das bin ich. Zumindest zu neunundneunzig Prozent." John nickte bekräftigend, während die braunhäutige Frau den Kopf schief legte und ihn tadelnd musterte. "Da sind Sie aber nicht von allein drauf gekommen. Dr. Beckett hat es Ihnen vermutlich gesagt."
Er beschloss, sie im Unklaren zu lassen und grinste schräg.
Dann deutete er auf den Bildschirm. "Da werden sie das Gerät nicht finden. Es ist eigentlich gar kein Spielzeug - aber völlig harmlos. Normalerweise benutzt man es bei uns in der Küche als Zeitmesser, um Sachen wie Eier nur bis zu einer bestimmten Härte auskochen zu lassen. Deshalb nennt man es auch „Eieruhr“."
Teyla runzelte die Stirn, dann schien sie zu verstehen.
Warum schaltete sie jetzt nicht einfach die Seite weg?
"Major! Das können sie doch nicht machen! Und wenn diese Messgeräte gebraucht werden, was ist dann? Bei Shanao hält aufwendiges und vor allem mechanisches Spielzeug nicht lange", rügte sie ihn scherzhaft.
"Es sind noch genug von den Dingern da ... und warum nicht?" John zuckte mit den Schultern. "Ich glaube nicht, dass sie es schafft, das Ding herunter zu schlucken oder zu zerbeißen. Dazu ist der Mund nicht groß genug."
Die Athosianerin lachte auf. "Da kennen Sie Shanao schlecht..."
Doch anstatt ihm eine weitere Anekdote über das Kind zu erzählen, wandte sie sich plötzlich wieder dem Bildschirm zu, als sei ihr wieder etwas eingefallen. "Wie ich sehe, gibt es nicht nur Puppen aus Stoff, die Tieren und Menschen nachempfunden sind", sagte sie. "Sondern auch Gegenstände wie Würfel und Autos und was ist das denn für ein seltsames Ding. So etwas habe ich ja noch nie gesehen..."
John schluckte, denn Teyla beugte sich plötzlich vor und nahm ein Bild in der untersten Reihe in Augenschein. Dann deutete sie darauf.
Er kniff die Augen zusammen und fluchte innerlich, denn er ahnte schlimmes. Irgendwie kam ihm das ziemlich bekannt vor.
Warum hatte diese Frau nur so scharfe Augen?
Ihm wurde heiß und kalt, als er den Laptop zu sich heranzog und schluckte, als er das Foto genauer betrachtete.
Er brauchte es gar nicht zu vergrößern, um den Jungen mit dem wild abstehenden dunklen Haaren zu erkennen, der halb unter einem schreiend bunten Plüschhubschrauber begraben wurde.
Er kannte das zu allem entschlossene Gesicht nur all zu gut.
Seine Mutter hatte das Bild gerne Besuch gezeigt, vor allem, als er in einem Alter gewesen war, in dem ihm Erinnerungen an seine Kleinkindzeit besonders unangenehm gewesen waren.
Damals konnte er nicht viel älter als Shanao gewesen sein, eher noch ein paar Monate jünger.
Er biss sich auf die Lippen.
Allein die Tatsache, dass es das Foto ins Internet und dann noch in eine wissenschaftliche Datenbank geschafft hatte, war so peinlich wie seine damalige Kleidung.
„Oh, das habe ich nicht gewusst!“ Teyla durchschaute ihn mit einem wissenden Lächeln. Wahrscheinlich hatte sein Gesicht wieder Bände gesprochen.
Abrupt schloss er das Programm und klappte den Deckel des Geräts hinunter. "Das bleibt unter uns, ja?" sagte er mit einem tiefen und schweren Seufzer und blickte flehend zu Teyla hinunter.
Leugnen nutzte wohl nichts, denn er sah ihr an, dass sie nichts anderes als die Wahrheit glauben würde. "Also gut – ich weiß nicht, welcher Idiot im Spielzeugladen damals das Foto gemacht hat, aber es scheint weite Kreise gezogen zu haben und nicht vergessen worden zu sein. Meine Eltern haben nur einen Abzug bekommen. Leider nie das Negativ."
Teyla schmunzelte als sie sein verlegenes Gesicht sah.
Dann legte sie eine Hand auf ihre Brust und versuchte ernst zu wirken. "Ich werde schweigen wie ein von den Wraith Verzehrter. Machen Sie sich keine Gedanken. Von mir wird niemand jemals etwas erfahren." Wenigstens meinte sie das ehrlich.
"Gut", John holte tief Luft und blickte auf die Uhr, um sich abzulenken. "Dann sollten wir uns aber auch langsam um andere Dinge kümmern. Wenn Sie vor der Besprechung noch mit mir Mittag essen wollen, dann sollten wir uns beeilen. Wir haben nur noch eine halbe Stunde Zeit."
Teyla nickte. "Sehr gerne. Dr. Kuritschenka sagte mir, ich bräuchte nicht auf sie zu warten, deshalb hält mich hier auch nichts mehr auf."
Sie legte eine Hand auf seinen Arm. "Und sehen sie nicht so betrübt drein", tröstete sie ihn dann. "Sie sind ein sehr hübsches Kind gewesen. Und so, wie das Bild aussieht, scheinen Sie es schon damals faustdick hinter den Ohren gehabt zu haben."
John grinste schief. "Ich habe mein Bestes versucht."
Dann lenkte er aber wieder ein. Er mochte nicht über seine Kindheit und seine Familie sprechen. Zu viel stand dazwischen, über das er jetzt und hier, Millionen von Lichtjahre fern von der Erde, einfach nicht nachdenken wollte. "Wissen Sie, was Aiden Ford heute Morgen zu mir gesagt hat..."
- Ende dieser Geschichte - |
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Scout Schreiberling

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 220 Wohnort: im Taunus
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Verfasst am: 10.04.2008, 14:13 Titel: |
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hi kris,
sorry, konnte die beiden letzten Teile noch nicht lesen. Da sie recht lang sind, möchte ich mir dafür und das FB auch wirklich Zeit nehmen, allerdings klappt das nicht immer so, weil ich zur Zeit nur von a nach b renne. Kurze Sachen kann ich da immer mal zwischen schieben, aber hier die will ich auch in einem Rutsch lesen und nicht immer neu anfangen.
ich bemühe mich dranzubleiben!  _________________
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 12.04.2008, 17:43 Titel: |
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| Scout hat folgendes geschrieben: |
hi kris,
sorry, konnte die beiden letzten Teile noch nicht lesen. Da sie recht lang sind, möchte ich mir dafür und das FB auch wirklich Zeit nehmen, allerdings klappt das nicht immer so, weil ich zur Zeit nur von a nach b renne. Kurze Sachen kann ich da immer mal zwischen schieben, aber hier die will ich auch in einem Rutsch lesen und nicht immer neu anfangen.
ich bemühe mich dranzubleiben!  |
Okay! Ist schon in Ordnung. So weiß ich wenigstens was los ist und muss mir keine Gedanken machen! |
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 10.08.2008, 22:06 Titel: |
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| Und nu? |
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Scout Schreiberling

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 220 Wohnort: im Taunus
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Verfasst am: 10.08.2008, 22:15 Titel: |
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hier ist irgendwie Stillstand.
Ich müsste mir das alles mal ausdrucken und nochmal lesen,
ich hoffe, ich krieg das mal hin....
Ich könnte einen 48 Stunden-Tag gebrauchen! _________________
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Kris Schreiberling

Anmeldungsdatum: 18.09.2007 Beiträge: 212 Wohnort: Solingen
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Verfasst am: 10.08.2008, 22:17 Titel: |
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| Ich könnte dir auch mal eine ganze Datei mit den Stories schicken, wenn dir das weiter hilft! |
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Scout Schreiberling

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.10.2007 Beiträge: 220 Wohnort: im Taunus
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Verfasst am: 10.08.2008, 22:49 Titel: |
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das wäre klasse! Wenn dir das nichts ausmacht. Dann hätte ich alles schön geordnet Wäre echt lieb von dir! Email: tanjaqua@gmx.de _________________
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